Nördlingen

19.12.2016

Neustart bei Strenesse

Der Mode-Hersteller Strenesse ist eines der bekanntesten Unternehmen der Region. Nach mehr als zweijähriger Insolvenz hat die Firma nun einen Investor gefunden.
Bild: Szilvia Izsó

Mode-Label will mit neuem Chef und neuem Eigentümer an alte Erfolge anknüpfen. Noch hält sich das Unternehmen bedeckt. Doch erste Entscheidungen sind bereits gefallen.

Erleichtert sei man, heißt es von Strenesse-Mitarbeitern. Froh, dass es weitergehe mit dem Unternehmen, dass die Arbeitsplätze erhalten bleiben sollen. Dass es ab dem kommenden Jahr einen Neustart gibt. Schließlich war es lange unklar, ob es so kommt. Seit April 2014 war der Mode-Hersteller insolvent; die Rettung von Strenesse war ein Epos mit vielen überraschenden Wendungen. Teils waren sie so spektakulär, dass leicht in den Hintergrund geraten konnte, dass es bei all dem nicht nur um eine glamouröse Marke ging, sondern vor allem um berufliche Existenzen.

Vor eineinhalb Wochen teilte Strenesse mit, einen Investor gefunden zu haben. Eine Schweizer Holding will künftig übernehmen, in einer Pressemitteilung hieß es, ein Vertrag für die Übernahme sei bereits unterzeichnet. Ein neuer Geschäftsführer soll zum 1. Januar kommen: Jürgen Gessler, bis 2015 Chef von Porsche Design, der sich am neuen Unternehmen auch persönlich beteiligen wird. Der Standort in Nördlingen soll erhalten bleiben; der neue Strenesse-Eigentümer will die Immobilie nicht erwerben, sondern anmieten. Der neue Investor sei von „der Marke und dem Know-How“ des Unternehmens überzeugt und wolle „wieder an die großen Erfolge der Vergangenheit anknüpfen“, hieß es. Die Stärkung der nationalen Großhandelspartner sei „ein großes Anliegen“.

Die Mitteilung von Strenesse warf zugleich beinahe ebenso viele Fragen auf, wie sie beantwortete. Weitere Auskunft gibt das Mode-Label derzeit jedoch nicht; weder Strenesse selbst, noch der bisherige Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Auch den Namen der Holding wollte man nicht mitteilen. Die in der Pressemitteilung zitierte Verwaltungsratspräsidentin des Schweizer Investors möchte auf Anfrage ebenfalls nichts sagen.

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Wie lautet der neue Name?

Dennoch zeichnet sich ab, wie es ab kommendem Jahr beim Mode-Hersteller weitergehen könnte. Seit wenigen Tagen ist im Handelsregister ein neues Unternehmen eingetragen, unter dem Strenesse wohl künftig geführt werden soll: die „Strenesse New GmbH“. Gut möglich, dass die Firma schlicht Strenesse GmbH geheißen hätte, wäre der Name nicht schon vergeben. Doch als die niederländische Maeg Holding im August ankündigte, Strenesse übernehmen zu wollen, wurde bereits eine Gesellschaft mit diesem Namen gegründet. Zwar scheiterte der Deal mit der polnischen Familie hinter der Holding letztlich spektakulär, doch die Strenesse GmbH gibt es weiterhin, auch wenn sie mit der Nördlinger Mode-Firma nichts mehr zu tun hat.

Nun also Strenesse New, was ja angesichts des Neustarts und des Aufbruchs, um den es gehen soll, ein durchaus passender Name ist. Ein Gesellschafter der neuen GmbH ist, wie angekündigt, der designierte Chef Jürgen Gessler, der zehn Prozent der Anteile hält. Einer Schweizer Aktiengesellschaft gehören die anderen 90 Prozent: der „H2P AG“ mit Sitz in Baar im Kanton Zug. Auch diese AG besteht erst seit einigen Wochen. Sucht man ihre Adresse bei Google, findet man ein anonymes Verwaltungsgebäude, in dem mehrere Dutzend weitere Beratungsfirmen, Kanzleien und Treuhandgesellschaften gemeldet sind.

Gründerfamilie spielt wohl keine Rolle mehr

Die Strenesse-Gründerfamilie Strehle wird künftig wohl keine Rolle mehr beim Mode-Hersteller spielen, ebenso wenig Reiner Unkel. Der Manager und ehemalige Chef des Damenmode-Unternehmens Basler Fashion war bis zum Scheitern der Übernahme durch die niederländische Maeg Holding als neuer Geschäftsführer bei Strenesse eingeplant und fungierte danach als Berater in Nördlingen. Nun nicht mehr. „Die Wege von Strenesse und mir trennen sich“, sagt er.

Dafür mischte zuletzt Micaela Sabatier mit: eine gut vernetzte Inhaberin einer Agentur, die Modenschauen organisiert, in der Vergangenheit auch für Strenesse. Aktuell ist Sabatier laut Handelsregister Geschäftsführerin der Strenesse New GmbH. Die Regensburgerin bestätigt Informationen unserer Zeitung, nach denen sie den Kontakt von Strenesse zum Investor hergestellt hat.

„Das Unternehmen und die Marke liegen mir sehr am Herzen“, sagt sie. Ob sie tatsächlich künftig für den Nördlinger Mode-Hersteller tätig sein wird oder quasi nur bis Januar den Platz für Gessler freihält, will sie indes noch nicht verraten.

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