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Kulturfrühling

15.03.2017

Nimm dich in Acht vor blonden Frauen

Michaela Zeitz und Annette Lubosch sangen sich als MALeDiven durch die verschiedenen Epochen.
Bild: Andrea Hutzler

Die MALeDiven besangen augenzwinkernd die Damenwelt

Tja, was wäre wohl, wenn es nur ein menschliches Geschlecht gäbe und das gesunde Spannungsverhältnis beziehungsweise die Polarität zwischen Mann und Frau somit entfallen würde? Ganz sicher wären darstellende Künste und Literatur, besonders aber die Musik und das Liedschaffen vieler Komponisten wesentlich blasser und ärmer. Denn Liebe mit all ihren Irrungen und Wirrungen ist so alt wie die Menschheit selbst und findet in den Künsten ihren besonderen Ausdruck. Die MALeDiven, alias Michaela Zeitz (Sopran), Annette Lubosch (Mezzosopran) sowie Claudia Wagner (Klavier), hatten in der Liedliteratur geforscht und ein äußerst vielseitiges Programm quer durch die Epochen und Genres der Musik zusammengestellt.

Mal herrzerreißend, mal kokett

Bereits der Komponist Henry Purcell ließ Mitte des 17. Jahrhunderts die Damen singen „What can we poor females do?“ (Was können wir armen Frauen tun?). Eine ausführliche Antwort darauf gaben die beiden Sängerinnen in ihrem knapp zweistündigen Programm – mal herzzerreißend und traurig, mal kokett oder wütend beziehungsweise listig oder auch mit einem Augenzwinkern. Dabei schlüpften die beiden Solistinnen schauspielerisch überzeugend in die jeweilige Rolle und unterstrichen den Text eindrucksvoll mit Mimik und Gestik, ohne zu dick aufzutragen.

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Sie scheuten auch nicht davor zurück, die Männerwelt im Publikum miteinzubeziehen und trugen auf diese Weise zu einer heiteren und gelösten Atmosphäre im Donauwörther Enderlesaal bei.

Auch durch die Interpretation der Lieder war die Stimmung deutlich nachzuvollziehen. Denn Michela Zeitz und Annette Lubosch gelang es durch technische Versiertheit und Musikalität, die Dynamik und Stimmgebung situationsgerecht anzupassen. Besonders zu erwähnen ist Schuberts Vertonung von „Gretchen am Spinnrad“, dessen Text aus Goethes „Faust“ stammt.

Michaela Zeitz interpretierte hier die sehnsüchtig-melancholische Stimmung der Spinnerin eindrucksvoll, während sie den „Waldemar“ in Michael Jarys Song schalkhaft und fast spitzbübisch darstellte. Ebenso wandlungsfähig zeigte sich Annette Lubosch mit ihrer souveränen Interpretation des anspruchsvollen Kunstliedes „Zuneigung“ von Richard Strauss beziehungsweise Günther Heumanns Lied „Neandertaler“, in dem sie mit einem Augenzwinkern die Männer auf die Schippe nahm. Natürlich waren beide Sängerinnen auch in etlichen Duetten zu hören, wobei ihre Stimmen zu einer Einheit verschmolzen und die Zuhörer begeisterten.

Bescheiden im Hintergrund agierte Pianistin Claudia Wagner als einfühlsame Liedbegleiterin, die jedoch einen wesentlichen Part zum Gelingen dieses Abends beitrug. Mit ihrem unaufdringlichen, aber präsenten Spiel untermalte sie die Lieder, passte sich überzeugend der jeweiligen musikalischen Epoche an und unterstrich dabei eindrucksvoll die Stimmung. So war es sicherlich ein gelungener Abend den „Frauen (insbesondere) für Frauen“ gestalteten.

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