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28.06.2009

Not und Elend alltäglich

Donauwörth (sol) - Die Not hat viele Gesichter. Und man kann ihr alltäglich begegnen. Von jener, die im nordalbanischen Shkodra herrscht, berichten jetzt Bilder einer Ausstellung in der Sparkasse Donauwörth. Aufgenommen hat sie Stefan Sisulak, langjähriger Fotograf der Donauwörther Zeitung. Er hat sich vor Ort umgesehen, hat eindrucksvolle Momente festgehalten, hat die hingebungsvolle, sisyphosähnliche Arbeit von Sr. M. Christina mit den dortigen Kindern dokumentiert. Die in Donauwörth-Nordheim geborene Ordensfrau war bei der Vernissage dabei und schilderte authentisch von der alltäglichen Not und dem Elend in dem Armenviertel der Stadt.

Vorstandsvorsitzender Johann Natzer wies in seiner Begrüßung daraufhin, dass er selbst im Dezember 2006 durch eine Ausstellung des Fördervereins aufmerksam geworden sei. Und zwar auf das Projekt "Arche Noah". Seit April diesen Jahres ist das Kinder- und Jugendhaus in Betrieb ("und fast schon wieder zu klein", wie Sr. Christina später informierte). Der Sparkassen-Direktor betonte auch, dass die Menschen dort weiter der Hilfe bedürften, weshalb er einen Scheck über 500 Euro überreichte.

Josef Baur, Vorsitzender des Fördervereins "Freunde und Förderer des Klosters Spirituelle Weggemeinschaft in Shkodra", sagte, dass man inzwischen über 120 Mitglieder stark sei. Man sammle Spenden in Form von Geld, Verbandsmaterial, Medikamenten. Diese liefere man dann in einem 24-stündigen Nonstop-Tripp per Lkw. "Wir hoffen, dass uns die Hilfsbereitschaft in der Heimat noch lange die Möglichkeit gibt, Unterstützung zu geben."

Der Kinderarzt Dr. Simon Streitwieser war ebenfalls schon in der albanischen Stadt tätig. "Was ich dort an Not und echtem Mangel gesehen habe, habe ich zunächst fast nicht glauben wollen." Gerade jene Menschen, die im Umkreis des Klosters wohnten, "sind so arm, dass sie sich keine medizinische Grundversorgung leisten können". Unglaublich hoch sei etwa die Zahl der Verbrennungen Armen und Beinen, die durch Unglücksfälle bei den offenen Feuerstellen entstanden seien. Die heutige Ordensfrau hat Streitwieser übrigens bereits 1975 kennengelernt - als sie eine seiner ersten Schülerinnen in der Krankenschwesternschule in Donauwörth war.

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Betroffenen machte einmal mehr der Vortrag von Sr. Christina, in dem sie einfach nur vom Alltag erzählte - ohne Pathos, ohne Schnickschnack, ohne Überzeichnung. Warum es beispielsweise notwendig ist, die Kids ans Zähneputzen oder ans Fingernägelschneiden zu gewöhnen: "Das sind wichtige Dinge für die Hygiene. Wird die verbessert, dient dies dem Gesundheitszustand." Die Leute seien überaus lernwillig. "Auch, dass man Konflikte ohne 'Knarre' lösen kann."

Nachdenklich machend ebenso ihre Geschichte, wie die Müllbeseitigung aufgebaut wurde, ihre Hinweise auf die immer noch existente Blutrache oder welche Konsequenzen es hat, wenn Strom ausfällt und dann die Wasserpumpe nicht mehr funktioniert: "Ein schlimmer Kreislauf beginnt."

Damit Donauwörth weiterhin Hoffnungsanker bleiben kann, hatte Martina Nelson drei handgemachte Teddybären für eine Versteigerung, die Thomas Deuter durchführte, zur Verfügung gestellt. Diese erbrachten insgesamt 510 Euro.

Die Ausstellung von Stefan Sisulak mit dem Titel "Lichtblick der Hoffnung: Donauwörth - Shkodra" ist noch bis einschließlich 17. Juli während der üblichen Geschäftszeiten zu sehen. Präsentiert werden rund 40 großformatige Bilder sowie (in einer Vitrine) Kinderzeichnungen und auch die "Arche Noah" ist zu sehen.

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