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Lieder

14.11.2019

Novemberstimmung

Holger Berndsen und Peter Schöne gestalten einen erwachsenen, dramatischen Abend mit Heine-Vertonungen

Ein Abend mit zwei Interpreten – Holger Berndsen, renommierter Liedbegleiter und Professor aus Nürnberg, und Bariton Peter Schöne, Mitglied der Oper Saarbrücken. Nach einem überwältigenden Konzert am Vorabend mit dem Champagnergefühl des jugendlichen Opernstudios der Bayerischen Staatsoper (siehe Artikel oben) nun große Liedkunst: schlicht, dramatisch, „erwachsen“. Ein Abend mit Gedichtvertonungen Heinrich Heines. Jedes Gedicht mit doppeltem Boden, tiefgründig, aus tiefster Liebe nicht selten in tiefsten Schmerz und Verlorenheit umschlagend. Vertont von Komponistinnen – Fanny Hensel, die nur verborgen wirkende Schwester von Felix Mendelsohn-Bartholdy, Clara Schumann, die lange im Schatten ihres genialen Mannes Robert stand – wie Komponisten: Franz Liszt, genialer Pianist und Komponist, Robert Schumann, viel zu früh seiner Depression erlegen, und Johannes Brahms, dem großartigen Liedvertoner der Romantik: Zu vernehmen ist kein weiblich anmutender Schmelz, kein zarter Liebreiz, kein männliches Auftrumpfen. Gesammelte Gefühle kulminieren in einer Gedichtzeile: Der Tod das ist die kühle Nacht.

Peter Schöne ist ein gefeierter Liedsänger. Seine Sensibilität, seine reiche Erfahrung sind spürbar – vom Aufschrei zum zartesten Piano setzt seine ausdrucksvolle Stimme Gefühle frei. Seine Deklamation ist unübertroffen. Holger Berndsens Part war spannend – zum einen die Musik von Franz Lachner, die sehr volksliedhaften, eingängigen „Lieder ohne Worte“. Zum anderen das von Peter Schöne mit auf der Geige angespielte „Frühling“, dem eine sehr selbstständige Begleitung zu eigen war.

Clara Schumanns Lied „Sie liebten sich beide, doch keiner wollt’ es dem anderen gestehn“ stand Pate für den Abend, und Pianist wie Sänger zollten damit Heines Doppelbödigkeit Achtung. „Sie liebten sich. Beide?“ Der Abend enthüllte die Treffsicherheit dieser Annahme: Aufflammende, verzehrende Liebe. Doch? Und? schnödes Verebben – musikalisch wunderbar artikuliert. Fantasien wie „Ein Fichtenbaum steht einsam“ in der Musiksprache von Fanny Hensel wie Franz Liszt, gar nicht so unterschiedlich: graue Trostlosigkeit gegen lichte, brennende Felsenwand der geträumten Palme.

So ganz anders dann die Musik des Zeitgenossen Bernhard Weidner. Sein Zyklus: „Eines Dichters Liebe“ war, so Peter Schöne, eine Uraufführung. „Über die Berge steigt schon die Sonne“, „Was will die einsame Träne“ und das verzichtende, schöne „Im Traum sah ich die Geliebte“. Malten die klassischen oder romantischen Komponisten ein musikalisches Seelen-Gesamtbild, so gibt Weidner jedem Wort und dessen Bedeutung einen eigenen Klang. Spannend, hochinteressant, aber gelegentlich auch anstrengend. Das Klavier setzt dahinter ein fast rhapsodisches Ausrufezeichen.

Heiter dann aber die Zugaben: Wieder Heine „Überall wo Du auch wandelst“ und ganz bezaubernd, auch in der Begleitung „Ein Fräulein stand am Meere“. Dankbarer, freudiger Beifall belohnte die Künstler.

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