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Thaddäus

19.11.2019

Oberpfälzer mit großer Klappe

Vollen Einsatz zeigte Paul Weigl auf der Bühne des Thaddäus in Kaisheim.
Bild: Bissinger

Slam-Poet und Kabarettist Paul Weigl schont niemanden – auch sich selbst nicht

Die Kleinkunstbühne des Thaddäus in Kaisheim hat schon viel erlebt. Aber wann hat man auf ihr solch schier unglaubliche Verrenkungen von Gliedmaßen gesehen? Dazu der volle Einsatz aller Stimmbänder und gestenreiche Mimik. Paul Weigl gibt in seinem Programm „Passionsfrüchtchen“ alles und beweist das, was auch Thema seiner „Show“ ist: Leidenschaft.

Die annähernd 100 Besucher nimmt der Künstler mit auf einen Spaziergang durch den Wahnsinn der heutigen Zeit. „Er neigt zu Wutausbrüchen“, hatte den Star der Poetry-Slam-Szene (eine Veranstaltungsform, in der verschiedene Künstler im direkten Dichterwettstreit gegeneinander antreten) Thaddäus-Cheforganisator Jürgen Panitz angekündigt. Damit hat er wohl jenen literarischen Orkan gemeint, der zu Paul Weigls Kennzeichen geworden ist.

Das schier unerschöpfliche Repertoire an Gesten und einmaliger Mimik lässt den Wortwitz fast in den Hintergrund treten. Dabei sind die Pointen punktgenau eingesetzt. Sprach- und ausdrucksgewaltig kommt immer wieder mal sein Oberpfälzer Einschlag durch, ist Weigl doch in Amberg geboren. Dort hat er schon im zarten Alter von fünf Jahren beim Krippenspiel auf sich aufmerksam gemacht. Und auch in der Schule war er beim Theaterspiel gefragt, ehe er in der Bundeshauptstadt seinen Lebensmittelpunkt suchte. Nein, nicht Berlin, sondern Spandau-Siemensstadt, wie er anmerkt. Da habe er dann als Bayer schnell gemerkt, wie sich Ausländerfeindlichkeit anfühlt. Ja, Spandau, das sei wie Kaisheim „ohne das Thaddäus“.

Oberpfälzer mit großer Klappe

Einfach köstlich, wie er sich aufregen kann. Wenn seine Stimme anschwillt und seine Gesichtszüge entgleisen, bleibt einem manchmal das Lachen im Halse stecken. Er spricht über schwäbische Kindernamen wie Sören oder Ole und über die Menschen, die sich Leiden schaffen. Zwischen Tupperware und Krawattenhalter sei in Deutschland die Leidenschaft verloren gegangen, sinniert Weigl, dessen Texte nur er interpretieren kann.

Besonders intensiv hat sich der gelernte Logopäde, der einmal von einer eigenen Praxis träumte, mit Kühlschränken auseinandergesetzt. Wenn er sein Bierchen hole, dann falle ständig eines der Pics zu Boden, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hätten. Dazu seien darauf Sprüche zu lesen, die bei ihm „die Galle hochkommen“ lassen.

Paul Weigl tobt sich aus, bezieht das Publikum gerne mit ein. Was wurde aus dem Land der leidenschaftlichen Dichter und Denker, dem Land der passionierten Streitkultur? Nur gut, dass er das vorgezeichnete brav-bürgerliche Dasein nicht gelebt hat. Am Ende entspannen sich bei ihm wie den Besuchern die Lachmuskeln. Wie er seine Stimme hinterher wieder repariert, bleibt sein Geheimnis. Doch als Logopäde müsste Paul Weigl das gelernt haben …

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