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Landkreis Donau-Ries

16.07.2020

Öko-Landwirtschaft liegt im Trend

Auf dem Kartoffelfeld bei Staudheim: (von links) AELF-Leiter Manfred Faber, Landwirt Julian Schuhmann, BBV-Kreisobmann Karlheinz Götz und Helmut Stöcker (AELF).
Bild: Helmut Bissinger

Plus Immer mehr Betriebe mit alternativer Ausrichtung. Wie die Kartoffelbauern in den Sog der Corona-Krise gerieten. Ein Strukturwandel scheint im Donau-Ries-Kreis vorgezeichnet.

Während Speisekartoffeln, die normalerweise zu Hause auf dem Teller landen, so beliebt sind wie lange nicht, ist der Absatz von Pommes-Frites-Kartoffeln während der Corona-Krise komplett eingebrochen. Sie sind extragroß, bleiben wegen ihres Stärkegehalts länger stabil und sind deshalb besonders in der Gastronomie gefragt. Ernst Schuhmann ist Ackerbauer in Staudheim. Er könnte von all dem ein Lied singen.

Ernst Schuhmann: "Wir kommen mit einem blauen Auge davon"

Auf 40 Hektar der Ackerfläche der Schuhmanns wachsen Kartoffeln. Solche und solche. „Das ist gut so, denn so kommen wir mit einem blauen Auge davon“, berichtet Ernst Schuhmann. Er beliefert auch Aviko in Rain, den einzigen Hersteller von Tiefkühl-Pommes-frites bayernweit. Mehrere Wochen standen die Fabrik und das anliegende Kartoffel-Centrum Bayern (KCB) vollkommen still.

Mit 300 Landwirten aus dem Landkreis hat das KCB Verträge. Es muss die Pommes-Kartoffeln abnehmen. Aber wohin mit der Flut von Kartoffeln angesichts einbrechender Märkte, hervorgerufen durch die Absage zahlreicher Veranstaltungen? Die Situation hat auch Ernst Schuhmann gefordert, der zugleich Vorsitzender der Rainer Erzeugergemeinschaft für Veredelungskartoffeln ist. Die Mitglieder haben eine Solidargemeinschaft gegründet, um ihre Kartoffeln in der Ausnahmesituation doch noch abzusetzen. „Natürlich zu einem niedrigeren Preis“, sagt Schuhmann. Noch einmal werde man eine solch prekäre Lage nicht meistern können.

Staudheimer Betrieb Gastgeber bei der "Erntefahrt"

Die Schuhmanns waren in diesem Jahr Gastgeber für die Experten, die sich auf Einladung des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Nördlingen zur sogenannten „Erntefahrt“ trafen. Der Tenor: Trotz teilweise schwieriger Wetterbedingungen für manche Pflanzen können die meisten Bauern in der Region heuer wohl wieder mit einer durchschnittlichen Ernte und vielleicht sogar leicht steigenden Erträgen dafür rechnen.

Mitarbeiter des Amtes, Vertreter des Bauernverbands (BBV) und Agrarhändler besuchten den Kartoffelbetrieb im Rainer Stadtteil. „Ein echter Zukunftsbetrieb“, erklärte AELF-Direktor Manfred Faber und verwies auf ein Pilotprojekt, das auf dem Schuhmann-Hof zum Einsatz kommt. Wenn Sohn Julian mit dem Traktor aufs Feld fährt, um seine Stickstoffdüngungen durchzuführen, erfolgt dies vollelektronisch. Per Satellit wird die Ackerfläche eingemessen und der Einsatz des Düngemittels automatisch berechnet und mittels Sensoren gestreut. Das bringe tatsächlich höhere Erträge, zog der eine Zwischenbilanz.

Trockenperiode hält seit 2013 an

Die sandigen Böden im Lechgebiet eignen sich bestens für den Kartoffelanbau. Die gesamten Flächen der Landwirtsfamilie werden beregnet, was in den vergangenen Jahren angesichts großer Trockenheit viel Geld verschlungen hat. Zwar habe es den Anschein, so Landwirtschaftsdirektor Faber, dass es in diesem Jahr feuchter sei, doch „nur minimal“. Ernst Schuhmann weiß, dass die Trockenperiode nun seit 2013 anhält.

Der Kartoffelanbau spielt im Landkreis Donau-Ries nicht die Hauptrolle. „Mais und Getreide sind wichtiger“, so Faber. Die Zahlen belegen, dass im Landkreis zwar viel Mais angebaut wird, aber doch deutlich weniger als man vermuten würde: „Das Donau-Ries ist keine Mais-Wüste.“

Öko-Landwirte erwarten höhere Gewinne als konventionelle Bauern

Fabers Bilanzen lassen tief blicken: Demnach erwirtschaften Landwirte, die ökologisch unterwegs sind, höhere Gewinne als konventionelle Bauern. Aber auch nur, wie die Experten einwarfen, „wegen der höheren Zuwendungen“. Die Zahl der Ökobetriebe im Landkreis ist erneut gestiegen: Jetzt werden 167 Öko-Landwirte registriert, die zusammen 6765 Hektar bewirtschaften.

„Der Bauernverband ist ein großer Befürworter des Trends hin zum Öko-Betrieb“, ließ Karlheinz Götz, Kreisobmann der Organisation, keine Zweifel aufkommen. Das sei für manchen Betrieb eine große Zukunftschance. Gerade in der Hochphase der Corona-Krise habe sich gezeigt, „dass die Verbraucher die teuren Bio-Lebensmittel gerne kaufen“. Sie könnten natürlich nicht so günstig produziert werden, sei doch der Arbeitsaufwand im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft wesentlich höher.

Strukturwandel in der Landwirtschaft im Kreis Donau-Ries

An den Zahlen lässt sich aber auch ein Strukturwandel in der Landwirtschaft ablesen. Demnach geht das Höfesterben im Landkreis weiter: 32 Bauern haben im vorigen Jahr das Handtuch geworden, also ein erneuter Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe. Schließlich wagte BBV-Kreisobmann Karlheinz Götz eine Prognose, die Trends aufzeigt. Es werde eine zunehmende Spezialisierung in der Landwirtschaft geben, die konventionelle Tierhaltung werde zurückgehen und die Regionalität noch mehr in den Vordergrund rücken. „Das traditionelle Dorf mit Bauernhöfen wie aus dem Bilderbuch wird der Vergangenheit angehören“, meinte Götz. Manfred Faber untermauerte die Entwicklung mit einer weiteren Zahl: Mittlerweile gibt es im Vergleich zu vor zehn Jahren in Nordschwaben 40 Prozent weniger Milchviehhalter.

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