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Landkreis Donau-Ries

17.01.2020

Organspende: Betroffener aus Rain ist enttäuscht

Die Mehrheit im Bundestag hat entschieden: Organspender wird oder besser bleibt, wer sich explizit dafür ausspricht und dies etwa mit einem Organspendeausweis dokumentiert.
Foto: Rolf Zoellner, epd

Plus Stefan Bobinger wartet auf eine neue Niere. Er hätte sich eine andere Entscheidung des Bundestags gewünscht – wie auch der Transplantationsbeauftragte eines Krankenhauses.

Der Deutsche Bundestag hat nach einer emotionalen Debatte über die künftige Organspendepraxis in Deutschland entschieden. Bekanntlich bleibt es im Prinzip bei der bisherigen Lösung, dass nur zum Organspender wird, wer sich ausdrücklich dafür entscheidet und dies beispielsweise mit einem Organspendeausweis dokumentiert. Der Alternativvorschlag, die sogenannte Widerspruchslösung, sah vor, jeden zum Organspender zu Lebzeiten zu machen, der nicht explizit etwas anderes festlegt oder seinen Angehörigen mitgeteilt hat. Diese Lösung wurde unter anderem von Gesundheitsminister Jens Spahn unterstützt.

Mehr zum Thema: Was ändert sich durch das neue Organspende-Gesetz?

Als einen Rückschlag für sich persönlich empfindet Stefan Bobinger aus Rain diese Entscheidung. Bobinger ist unmittelbar Betroffener und wartet seit sieben Jahre auf neue Nieren. Dreimal die Woche muss der 54-Jährige zur Dialyse. Er ist überzeugt, dass die Widerspruchslösung mehr Spendenbereitschaft in der Bevölkerung ausgelöst hätte, weil sich dadurch die Menschen mit dem Thema intensiv hätten befassen müssen. Ein Problem bei der Organspende sei seiner Ansicht nach, dass sich die Menschen nicht mit ihrem eigenen Tod auseinandersetzen wollen und somit sich auch nicht die Frage stellen würden, ob sie zu einer Spende bereit seien. Mit dem Beschluss des Bundestages werde dies wohl trotz weiterer Informationskampagnen und regelmäßiger Hinweise von Ärzten auch so bleiben.

Stefan Bobinger: "Die Situation zehrt an einem"

Er gehe nicht davon aus, für sich zeitnah Spenderorgane zu erhalten. „Die Situation zehrt an einem, insbesondere an der Psyche“, so Bobinger. Auch körperlich müsse er Einschränkungen, nicht zuletzt beim Essen, hinnehmen. Dennoch werde er sich nicht hängen lassen und weiter an eine positive Zukunft denken.

Der nordschwäbische CSU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Lange lässt über sein Berliner Büro auf Anfrage mitteilen, dass er sich ein anders Votum gewünscht hätte. Er selbst habe für die Widerspruchslösung gestimmt, weil diese seiner Ansicht nach eher im Sinne derjenigen gewesen wäre, die schon lange auf ein Organ warten würden. Dass die Mehrheit der Abgeordneten sich anders entschieden habe, akzeptiere er selbstverständlich. Er hoffe, dass möglicherweise durch zusätzliche Aufklärungskampagnen künftig sich doch mehr Menschen zu einer Organspende bereit erklären würden als bisher.

Transplantationsbeauftragter hoffte auf Widerspruchslösung

Auch der Transplantationsbeauftragte am Nördlinger Stiftungskrankenhaus, Dr. Thomas Handschuh, wäre wie Lange für die Widerspruchslösung gewesen, wie er unserer Zeitung sagt. Das Gefühl mancher Menschen, sie würden dadurch von staatlicher Seite bevormundet, könne er zwar nicht ganz nachvollziehen, müsse es allerdings akzeptieren. Insgesamt glaubt Handschuh, dass die Bürger samt ihren Angehörigen mit einem solch emotionalen Thema nicht selten überfordert seien.

Der Mediziner plädiert dafür, verpflichtende Patienten- und Vorsorgevollmachten einzuführen, in denen ausdrücklich die Bereitschaft zur Organspende erklärt werde oder nicht. Die Vollmachten sollten alle zwei Jahre erneuert werden. Im Nördlinger Stiftungskrankenhaus seien Organspendefälle recht selten. „Pro Jahr haben wir derzeit ein bis zwei Betroffene“, so Thomas Handschuh.

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