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Donauwörth

23.04.2015

Pendler auf dem Abstellgleis

Die Streiks der Gewerkschaft GDL haben auch in der Region für Beeinträchtigungen im Bahnverkehr gesorgt. Manche Zugreisende am Bahnhof in Donauwörth hatten dafür kein Verständnis.
Bild: Alexandra Schneid

Wie die in Donauwörth Gestrandeten auf den Ausstand der Lokführer reagieren.

von Alexandra Schneid

„Zug endet bereits in Augsburg“, „Zug fällt heute aus“, „Verspätung circa fünf Minuten“: Diese und ähnliche Meldungen lasen Pendler am Bahnhof in Donauwörth am Mittwoch und Donnerstag auf der Anzeigetafel im Bahnhofsgebäude. Der Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) und der Deutschen Bahn (DB) ging in die siebte Runde. Der Streik dauerte bis gestern Abend an. Leidtragende waren die Pendler. Die Reisenden nutzten die Wartezeit in Donauwörth, um zu rauchen, zu lesen oder sich mit anderen zu unterhalten, die ihr Schicksal teilten.

Weniger gute Erfahrungen hat eine junge Pendlerin gemacht. Bevor sie am Mittwochmorgen außer Haus gegangen ist, um von Nürnberg nach Donauwörth zu fahren, hat sie den Fahrplan überprüft und sich für den Zug um 7.37 Uhr entschieden – der einzige, der nicht gestrichen wurde. Kurz vor Treuchtlingen kam in diesem die Durchsage, dass es dort keine Anschlüsse mehr gebe, erzählte die Frau. Es ärgere sie, dass man sich nicht auf den Ersatzplan verlassen könne. Zusammen mit anderen Fahrgästen, die nach Augsburg, Donauwörth und München reisen wollten, beschwerte sich die Pendlerin an der Information der Deutschen Bahn. Erst eine Stunde später konnte sie nach Donauwörth weiterfahren.

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Eine andere Pendlerin nahm gleich das Auto, um von Donauwörth nach München zur Arbeit zu gelangen. Das haben auch viele Studenten gemacht, berichteten zwei von ihnen, die am Mittwochabend auf dem Donauwörther Bahnsteig warteten. Sie wollten von Aalen, wo sie studieren, in ihren Heimatort Augsburg reisen.

Wegen des Streiks mussten sie einen Umweg in Kauf nehmen. Zunächst fuhren sie mit dem Bus von Aalen nach Nördlingen, dann mit dem Zug nach Donauwörth, von wo aus sie weiter nach Augsburg reisten. Nur weil sie sich im Vorfeld gut informiert hätten, kämen sie einigermaßen pünktlich zu Hause an, meinten sie. Die Informationen, die sie am Schalter in Aalen bekommen haben, seien sehr hilfreich gewesen und die „Dame war sehr freundlich“, sagten die Studentinnen.

Andere Bahnreisende dagegen waren verärgert. „Der Streik ist suboptimal“, beklagte sich ein Mann, der seine Frau vom Bahnhof abholte. Sie pendelt täglich nach München. Wegen des Streiks hat sie mit Kollegen eine Fahrgemeinschaft mit dem Auto gebildet. Bei vorigen Streiks habe er seine Frau sogar schon aus München abholen müssen, weil keine Züge gefahren seien, erzählte der Mann. Ein anderer Fahrgast brauchte sieben Stunden, um morgens von Harburg nach München und abends wieder zurück zu gelangen.

Dass die Pendler genervt sind, konnte ein Bediensteter der Deutschen Bahn gut nachvollziehen: „Die Leute sind mit Recht verärgert. Im Internet wurden Züge angekündigt, die trotzdem ausgefallen sind.“ Für den Unmut der Reisenden habe er Verständnis. „Sie lassen ihren Ärger raus, aber nicht an mir“, erzählte er. Im Laufe des Mittwochs seien immer wieder Leute aus München am Donauwörther Bahnhof angekommen. Dort hätten sie erfahren, dass die Anschlusszüge trotz Zusicherung doch nicht fuhren. „Da weiß die linke Hand nicht, was die rechte macht“, kommentierte der Bahnbedienstete.

Während des Streiks kam es im Regionalverkehr in Bayern und bei den S-Bahnen Nürnberg und München zu erheblichen Einschränkungen. Züge fielen aus, verspäteten sich oder endeten vorzeitig. Laut einer Pressemitteilung der Deutschen Bahn fuhr jeder zweite Regionalzug in Bayern.

Besonders betroffen von dem Streik waren die Pendler. Laut Informationen der Agentur für Arbeit Donauwörth pendeln über 16000 Leute von außerhalb in den Landkreis Donau-Ries, andersherum sind es über 12000, davon viele mit dem Zug.

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