1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Poesie in Tönen und Worten

Konzert

15.05.2019

Poesie in Tönen und Worten

Ein wunderbares kongeniales Duo, das sich musikalisch auf hohem Niveau findet: Feodora-Johanna Mandel (Harfe) und Martina Silvester (Flöte).
Bild: Barbara Würmseher

Feodora-Johanna Mandel und Martina Silvester schenken – nicht nur allen Müttern – einen betörenden Abend

Sympathisch und faszinierend, wie sie da oben auf der Bühne stehen: Zwei junge Frauen, innig verschmolzen mit ihren Instrumenten, im großartigen virtuosen Dialog, packend im Rhythmus, biegsam im Gestus, durch ein kleines Podest vom Publikum getrennt – und doch zu keinem Augenblick abgehoben.

Als Feodora-Johanna Mandel (Harfe) und Martina Silvester (Querflöte) als „Duo Naiades“ beim Muttertagskonzert den Kaisersaal zum Klingen bringen, tun sie das mit großer Klarheit, Lebendigkeit und Raffinesse und abseits gängiger kammermusikalischen Konzerte. Und sie tun es überaus charmant. Stets mit einem reizenden Lächeln auf den Lippen, das sie an ihr Publikum richten. Stets auch mit kleinen, verbindenden Ansprachen, die sich zwischen Information zum Werk und persönlichen Gedanken bewegen. Was sie an diesem Abend schenken, ist Poesie in Tönen und Worten.

Auf dem Programm tummeln sich nicht die üblichen Verdächtigen von Bach bis Beethoven, von Bruckner bis Bartok. Das Publikum lernt eher Unbekannte kennen. Oder wem sind schon Marin Marais, Gerard Grognet, Alphonse Hasselmans, Jules Mouquet, Nino Rota und Franz Doppler & Antonio Zamara geläufig?

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Nicht umsonst ist der Schwerpunkt bei ihnen auszumachen, haben sich doch die gängigen Komponisten nicht sonderlich für die Harfe interessiert, wie Feodora-Johanna Mandel erzählt, die im Übrigen als Kaisheimerin an diesem Abend ein Heimspiel hat. In kammermusikalischer Hinsicht sind Flöte und Harfe vor allem zwei Lieblinge der Franzosen. Zudem hat sich die Harfe auch erst nach und nach technisch weiterentwickelt, sodass sie dank ausgereifter Pedaltechnik heute auch chromatisch gespielt werden kann.

Ohrenfreundlich sind die gewählten Stücke. Ein bisschen Barock – noch mit Anklängen an die Renaissance – gibt es von Marais in „Les foiles d’espangne“: Ein Wechselbad zwischen Moll und Dur, zwischen federleichte Bögen eingängiger Melodien und rhythmisch-temperamentvollen überaus komplexen Läufen.

Wasser fließt an diesem Abend durch den Kaisersaal – freilich ausschließlich thematisch. In Grognets „Ondine“ geht es um eine kleine Welle, wie Feodora-Johanna Mandel verrät. Und in der Tat lässt das perlende Spiel ihrer Hände auf den Saiten der Harfe das muntere Plätschern des Wassers lautmalerisch erkennen.

Mehr noch ist es dann Hasselmans „La Source“ („Die Quelle“), die das Sprudeln in Arpeggien und Glissandi kaskadengleich umsetzen. Es ist eine Komposition von beinahe überirdischer, beinahe schmerzhafter Schönheit. Mandel tritt damit solistisch auf und so auch aus dem Schatten der ansonsten so dominanten Flöte.

Übernimmt die Harfe die meiste Zeit über den Part der Begleiterin, so glänzt sie in „La Source“ alleine. Und wie sie es tut! Mandels Finger huschen leichtfüßig über die Saiten, unternehmen einen virtuosen Spaziergang zwischen hartem Zupfen und weichem Gleiten, nuancieren dynamisch fein und gestalten eine schmelzende, überaus berührende Melodie. Was für ein brillantes Spiel! Gerne hätte man noch mehr solcher Harfen-Soli bekommen!

Von Impressionismus ist das Werk Mouquets beeinflusst, was sich auch in der Komposition „La flute de pan“ (Die Flöte des Hirtengotts Pan) ausdrückt. Feodora-Johanna Mandel und Martina Silvester erzählen lautmalerisch von Pans Begegnungen mit den Bewohnern der Natur. Silvesters Spiel besitzt enorme Wärme. Sie gestaltet ihre tonliche Formulierung sehr präsent und überaus samtig. In den Höhen leuchtet ihr Spiel, in den Tiefen vibriert es geradezu sinnlich.

Und so geht es auch weiter: Die beiden Interpretinnen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen kraftvoll auftrumpfend und behutsam-fragil bei Nino Rotas „Sonata“ und der „Casilda Fantaisie“ des Komponisten-Duos Doppler/Zamara.

Eine Liebeserklärung gibt es dann noch an alle Mütter, die zugleich der verblüffende Beweis dafür ist, dass sich selbst Heintje und Elvis Presley wunderbar in ein klassisches Konzert einfügen. „That’s alright Mama“ und „Mama“ sind alles andere als stilistische Fremdkörper. In „Duo Naiades“ haben sich zwei exzellente Künstlerinnen zusammengefunden, die trotz aller Symbiose jede für sich ihr eigenständiges Profil ausgeprägt hat. Der Abschied am Ende lässt auf ein Wiederhören hoffen …

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren