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Donauwörth

20.04.2015

„Promenade Vier“ bleibt heißes Eisen

Der Umbau dieses Hauses in ein Heim für Asylbewerber sorgt für Diskussionsstoff.
Bild: Foto: Helmut Bissinger

Die geplante neue Gemeinschaftsunterkunft in Donauwörth bleibt ein brisantes Debattenthema. Das wirft auch wichtige Fragen nach der Integration und der Standortsuche auf

Von Thomas Hilgendorf

Jürgen Rauh kennt die himmelschreienden Verhältnisse, die zum Teil in Afrika und anderswo herrschen. Wenn einem etwa die Zähne ausgeschlagen werden, weil man sich weigert zum Militär zu gehen. Er weiß um die vielfältigen Beweggründe zahlreicher Menschen für die Flucht. Der Donauwörther wünscht sich aber auch, dass die Asyl- und Flüchtlingspolitik vor Ort in geordneten Bahnen und sozial sowie kulturell verträglich für alle verläuft. Bislang sieht er aber vor allem eine wahl- und planlose Suche nach Unterkünften, weswegen er sich als Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „Promenade Vier“ engagiert. An jenem Standort in Donauwörth soll bald eine Unterkunft für 26 Asylbewerber entstehen. Das hat zuletzt eine Debatte erzeugt und ist ein Beispiel aus der Praxis vor Ort zu einer aktuell brisanten Diskussion.

Jürgen Rauh will gleich zu Beginn des Gesprächs klarstellen, was er nicht ist – er sei weder fremdenfeindlich noch in irgendeiner Richtung extremistisch. Ja, er wohne in der Nähe der Promenade und er teile die Sorgen der direkten Anwohner in dem innerstädtischen Wohngebiet. Für ihn handelt es sich bei dem derzeit stattfindenden Umbau des ehemaligen Fotogeschäfts Rothlauf durch einen privaten Investor aus Neuburg von Anfang an um ein Fehlprojekt. Der Standort sei hier schlichtweg nicht geeignet.

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Die Häuser stehen dicht, man kann sich beobachten

In der Tat: Die Häuser stehen hier, an dem idyllischen Fußweg mit Springbrunnen, Brückchen und liebevoll gepflegten Gärten eng auf eng, relativ verschachtelt, man kann sich, wenn man mag, gegenseitig in die Wohn- und Schlafzimmer schauen.

Für Rauh ist es daher unverständlich, warum seitens der Behörden nicht unterschieden wird bei der Herbergssuche zwischen familiengeprägten Wohngebieten, die eng bebaut sind und Liegenschaften auf freieren Flächen. Und er wiederholt das, was bereits andere aus der Bürgerinitiative betont hatten: Es gehe ihm nicht um die generelle Frage „Flüchtlinge – ja oder nein?“ Nein, es gehe darum, dass man an familiengeprägten Orten im Falle eine Unterkunftseröffnung auch Familien untergebracht werden sollten. Sonst könnte der soziale Frieden in den Siedlungen womöglich empfindlich gestört werden.

Denn es fehle letztlich auch an hauptamtlichen Betreuern vor Ort, es gibt in den Übergangswohnheimen und Gemeinschaftsunterkünften keine „festen“ Herbergsväter, ein Sozialarbeiter ist für bis zu 180 Asylbewerber zuständig. Wie sollten da den Ankommenden die hier herrschenden Werte und Normen nachhaltig vermittelt werden? Tatsächlich gestaltet sich die Betreuungssituation trotz vielfachen ehrenamtlichen Engagements als schleppend. Gerade ist der Caritas eine halbe Stelle zusätzlich für die Asylsozialarbeit zugesichert worden. Jetzt hat man landkreisweit also eine Handvoll Betreuer, im wahrsten Sinne des Wortes. Das scheint wohl eher ein Tropfen auf den heißen Stein der regionalen Asylpolitik zu sein.

Donauwörths Oberbürgermeister (OB) Armin Neudert kennt die Befürchtungen der Anwohner. Er hat unlängst mit ihnen und dem Investor gesprochen. Großen Einfluss auf die Standortwahl hat die Kommune rein juristisch nicht.

Angesichts eines bisweilen recht angespannten Immobilienmarktes ist die von der Regierung von Schwaben mit der Suche beauftragte Ausländerbehörde in Donauwörth froh um jede Liegenschaft, die sich auf dem Markt findet. OB Neudert als auch Rauh von der BI sehen die Umsetzung dennoch skeptisch. Und womöglich sei die Unterkunft an der Promenade ja tatsächlich nicht möglich: Wie beide erklären, gebe es realistische Bedenken in den baurechtlich gewichtigen Fragen des Brandschutzes beziehungsweise der Rettungs- und Fluchtwege. Man erwartet hierbei nun eine Stellungnahme des Investors.

Dieser will sich derzeit nicht zum Thema äußern.

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