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Donauwörth

14.09.2019

Prozess: Diebestour unter Zwang?

Vor dem Amtsgericht Nördlingen wurde ein Ladendiebstahl verhandelt.
Bild: Wolfgang Widemann

Wegen zweifachem Ladendiebstahl musste sich eine Frau vor Gericht verantworten. Die Ware hatte einen erheblichen Wert, hinzu kam noch eine weitere Anklage.

Muss jemand stehlen? Wegen einer „psychisch bedingten Neigung zum Klauen“ und einer angestrebten zweiten Berufsausbildung wurde die Gefängnisstrafe für eine 34-jährige Ladendiebin auf Bewährung ausgesetzt. Dieses Urteil wurde im Rahmen einer Gerichtsverhandlung in Nördlingen gefällt. Angeklagt war ein ungewöhnliches Duo, neben der Frau aus dem Ries wurde noch ein Rentner aus Bopfingen beschuldigt, Komplize bei einem der zwei Diebstähle gewesen zu sein.

Wie diese Verbindung zustande kam wollte jedoch keiner der Beschuldigten sagen. Nachdem Staatsanwältin Irmina Zeitner die Anklage verlas, legte die Beschuldigte ein volles Geständnis ab, ihr Komplize schwieg zu den Vorwürfen.

Tat ereignet sich im März

Dieser war am 8. März dieses Jahres dabei erwischt worden, wie er in einer Donauwörther Drogerie Parfümflaschen im Wert von 431 Euro stehlen wollte. Als er von einer Mitarbeiterinnen gestellt und ins Büro geführt wurde, gesellte sich die Frau dazu und versuchte die Verkäuferinnen durch Ausreden davon abzubringen, Anzeige zu erstatten. Diese riefen dennoch die Polizei und sahen zusammen mit dem Beamten die Überwachungsvideos an. Auf diesen war klar zu erkennen, wie der Beschuldigte Parfümtester in seine Tasche steckte, die die Frau zuvor in einem Regal zusammengestellt hatte.

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Der Polizist beschlagnahmte daraufhin den Autoschlüssel der Frau und sah zusammen mit Ladendetektiven der Filiale auf dem Parkplatz nach. Im Fahrzeug wurde weiteres Diebesgut gefunden. Es stellte sich heraus, dass die Frau zuvor in einem nahe liegenden Kaufhaus mehrere Kleidungsstücke für Herren und eine Pfanne geklaut hatte. Der Sachwert hierfür summierte sich auf rund 510 Euro. In Abwesenheit des Beamten beschimpfte die Frau eine der Mitarbeiterinnen, Worte wie „Botoxfresse“ und „Schlangengesicht“ fielen. Die Beleidigte erstattete daraufhin eine Anzeige, der Fall wurde ebenfalls in der Sitzung behandelt.

Gab es ein Beweisvideo?

Die Beschuldigte gab zu, die Beleidigungen im Rahmen einer Auseinandersetzung ausgesprochen zu haben, in der sie herablassend und grob behandelt worden war. Sie gab an, sogar ein Beweisvideo aufgenommen, jedoch nach Aufforderung des Polizisten wieder gelöscht zu haben. Außerdem räumte sie ein, an Kleptomanie zu leiden und die Gegenstände aus keinem bestimmten Grund geklaut zu haben.

Richter Gerhard Schamann stellte fest, dass sie bereits sieben Vorstrafen aufzuweisen hatte, die Strafen waren wegen verschiedensten Verstößen wie Fahrerflucht, Betrug und gefährlicher Körperverletzung. Sie hatte schon mehrere Bewährungszeiten durchgestanden, hatte hinterher jedoch immer wieder neue Straftaten begangen. Der Rentner war bisher noch nicht Aktenkundig geworden.

Mitarbeiterinnen sagen aus

Als Zeuginnen in der Verhandlung sagten zwei Mitarbeiterinnen der Drogerie aus, darunter auch diejenige, die die Anzeige wegen Beleidigung erstattet hatte. Die beiden bezeugten den Tatvorgang, die Komplizenschaft der Beschuldigten und die Beleidigungen. Sie stritten jedoch ab, die Täterin schikaniert und provoziert zu haben, was dieser zufolge Grund für die Schimpfwörter gewesen war.

Die Staatsanwaltschaft forderte eine Geldstrafe für den Rentner, da sich dieser bisher nichts zu schulde hatte kommen lassen, außerdem eine neunmonatige Freiheitsstrafe auf Bewährung für die 34-Jährige. Richter Schmann kam den Forderungen von Staatsanwältin Zeitner nach und verurteilte den Rentner schließlich zu 90 Tagessätzen in Höhe von 30 Euro und die Täterin zu der geforderten Gefängnisstrafe auf Bewährung, sowie 160 Sozialstunden.

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