Kunst

11.01.2016

Rainer Romantiker

Das Bild „Blick von Oberföhring auf München“ gehört mit zu den bekanntesten Werken des aus Rain stammenden Landschaftsmalers Ernst Kaiser.

Vor 150 Jahren starb der bekannte Maler Ernst Kaiser. Warum er Neuburg Rain vorzog

Vor 150 Jahren, genauer gesagt am 23. Dezember 1865, starb Landschaftsmaler Ernst Kaiser. Der gebürtige Rainer, der in München lebte, war ein berühmter Landschaftsmaler der Romantik. Der Rainer Historiker Harald Johannes Mann erforschte sein Leben und Werk. Bereits 1983 schrieb er eine Biografie.

„Über Ernst Kaiser war wenig bekannt“, berichtete Harald Mann in seinem viel beachteten Vortrag über Ernst Kaiser und den Kirchenkomponisten Heinrich Huber im Februar des Jahres 2007 im Rainer Raiffeisensaal. Kaiser sei der Romantik zuzurechnen, „jener Epoche, in der sich Künstler nach Vollkommenheit sehnten, nach einem idealen Zustand, den sie zwar nicht genau beschreiben konnten, der aber einen Zwiespalt bedeutete zwischen Realismus und Idealismus. Letzten Endes mussten aber auch sie zusehen, wie sie ihr täglich Brot verdienen konnten“, führte der Referent aus.

Hinweise auf Kaiser fand Harald Mann im Rainer Stadtarchiv, nämlich in den Aufzeichnungen des Juristen und Heimatforschers Ludwig Wilhelm Fischer (1817-1890). Glück und hilfsbereite Leute halfen ihm bei seinen Forschungen weiter. Er fand heraus, dass Ernst Kaiser nicht am 20. Juli 1803 geboren wurde, sondern einen Tag früher, und zwar im Vorgängerbau des jetzigen Schuhhauses Lachnitt, Hauptstraße 42. Ernst Kaisers Vater Georg, aus Feldheim stammend, sei „ein sehr erfahrener Maler“ gewesen, der beispielsweise den Kreuzweg in der Kirche von Dezenacker und die Altarbilder in den Dorfkirchen von Dinkelshausen und Schönesberg geschaffen habe.

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Seinem Sohn habe er in Neuburg, wo sich der Vater ein größeres Betätigungsfeld als in Rain erhofft habe, beigebracht, wie man mit Stift und Palette umging. Mit 19 Jahren ging Ernst Kaiser an die Münchner Kunstakademie, um Historienmaler zu werden. Nach einem Ausflug in die oberbayerische Bergwelt zeigte er sich begeistert und wurde Landschaftsmaler. Bergseen hatten es ihm besonders angetan. Später schuf er Pflanzenstudien von verblüffender Wirklichkeitstreue. Der Meister fand rasch Anerkennung, stellte im Münchner Kunstverein aus, hatte viele Freunde und Gönner und bewegte sich in München in den vornehmsten Kreisen. „Er muss ein gemütlicher, frohsinniger Mensch gewesen sein, ein lebensbejahender Mann voller Gutmütigkeit und Bescheidenheit“, berichtete Harald Mann bei seinem Vortrag. Im Alter allerdings verließ Kaiser das Glück: Er verarmte, weil kaum jemand noch seine Werke kaufte. Die Münchner Künstler hielten zwar weiter zu ihm, er bekam sogar eine Staatspension, doch dann starb Ernst Kaiser am 23. Dezember 1865 an einem unheilbaren Herzleiden. In einem Nachruf in der Bayerischen Zeitung war zu lesen: „Ernst Kaiser gehört mit zu den besten und tüchtigsten Landschaftsmalern des 19. Jahrhunderts.“

Auf Initiative von Franz Müller, Mitglied im Freundeskreis Alt Rain, wurden im Jahr 2009 an den Geburtshäusern von neun bedeutenden Rainern, nämlich von Ernst Kaiser, Johannes Bayer, Ludwig Wilhelm Fischer, Ulrich Hirschhalmer, Heinrich Huber, Johann Pollak, Michael Raucheisen, Lazarus Schmid und Joseph Weber, Hinweistafeln aus Plexiglas angebracht.

Werke von Ernst Kaiser waren vom 28. Januar bis 23. April 2006 im Münchner Lenbachhaus zu bewundern. Seit den 60er-Jahren des 19. Jahrhunderts befindet sich übrigens der Nachlass Ernst Kaisers in der Staatlichen Graphischen Sammlung München. Zu Kaisers besten Bildern gehören jene, welche die feierliche Stille des Königsees oder die Fischerhütten am Kochelsee in idyllischer Schönheit schildern. Berühmt wurde er auch wegen seines wunderschönen, 1839 geschaffenen Werks „Blick von Oberföhring auf München“. Dabei schaut der Künstler von den Flussauen der Isar auf die Silhouette der Stadt mit den Türmen von der Au bis zur Ludwigskirche und weiter bis zu den Alpen. Im Vordergrund sieht man eine Wegböschung und die Vegetation von Magerwiesen wie Königskerze und Ackerdisteln.

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