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Wald

28.11.2018

Regen wäre für den Forst im Kreis Donau-Ries ein Segen

Trockenheit und diverse Schädlinge setzen dem Wald in der Region zu. Die Forstbesitzer machen sich deshalb Sorgen. Die kamen bei der Versammlung der WBV in Wemding zur Sprache.
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Trockenheit und diverse Schädlinge setzen dem Wald in der Region zu. Die Forstbesitzer machen sich deshalb Sorgen. Die kamen bei der Versammlung der WBV in Wemding zur Sprache.
Bild: Wolfgang Widemann

Waldbesitzer kämpfen gegen den Borkenkäfer und Eichenprozessionsspinner, haben Sorgen mit dem Biber und müssen mittelfristig einen Waldumbau bewältigen.

Der Umbau des Waldes lässt sich nicht mehr auf die lange Bank schieben. „Die Herausforderungen werden immer größer“, sagt ein Waldbauer aus Hausen-Schopflohe im Nordries. Er hat immerhin 17 Hektar Privatwald zu bewirtschaften. Diesen zu pflegen und zu hegen, „macht nicht mehr den großen Spaß.“ Die Meinung dieses Forstwirtes entspricht der Stimmungslage vieler seiner Kollegen, die ähnliche Probleme am Hals haben: den Borkenkäfer, den Eichenprozessionsspinner, das Eschentriebsterben, den Biber – und neuerdings die Trockenheit.

Dass die heimischen Waldbestände und damit der Rohstoff Holz bedroht sind, ist nicht neu. Doch immer häufiger auftretende Wetterextreme verursachen enorme Schäden. „Einige Baumarten kommen mit den geringen Niederschlägen kaum zurecht“, weiß Alois Michel ( Harburg), der Vorsitzende der Waldbesitzer-Vereinigung (WBV) Nordschwaben.

„Die Ansprüche an den Wald wachsen“

Josef Göppel, Politiker und Experte, spricht bei der Versammlung der Waldbauern in der „Wallfahrt“ in Wemding den Forstwirten aus der Seele. „Die Ansprüche an den Wald wachsen“, sagt er und verweist darauf, dass seine Bedeutung auch für die Erholungssuchenden steige. Göppel berichtet von den neuesten Trends aus Münchner Nobelrestaurants, die die Waldbauern schmunzeln lassen: Dort sind demnach gebratene Zapfen, frittierte Flechten und Latschenpesto derzeit ein Renner.

„Retten neue Baumarten den Wald“, fragt Göppel und bringt die Douglasie und die Küstentanne ins Gespräch, um letztlich zum Ergebnis zu kommen: „Die Eiche bleibt unser Stammkapital.“ Der Landwirt aus Hausen-Schopflohe nickt und setzt darauf, dass sich die Plage mit den Schädlingen „hoffentlich selbst erledigt“. Die Natur werde es schon regeln, ist sein Credo. Eine andere Wahl hat er nicht. Die Versammlung ist aber wie Balsam auf seine Seele, sieht er doch im Austausch mit seinen Kollegen, dass diese ähnliche Sorgen haben. Vielleicht ist das der Grund, warum Jahr für Jahr mehr als 300 Waldbauern zusammenkommen.

„Die Wasserknappheit macht den Bäumen zu schaffen“, verdeutlicht Geschäftsführer Stefan Wurst. „Viel Schnee und Winterfeuchte“ würden dringend benötigt, „auch um die Population des Borkenkäfers im kommenden Frühjahr nicht zu groß werden zu lassen“. Wurst erklärt, dass die Brennholzvermarktung nicht mehr so einfach sei wie noch vor Jahren. Es sei zu viel Material auf dem Markt, auch aus dem Ausland. Immer wieder würden Stürme zu einem Überangebot führen, wie in diesem Frühjahr, als plötzlich ein enormer Holzanfall zu bewältigen gewesen sei.

Vom Ertrag der Wälder und nicht von der Substanz leben

Für den Forstwirt aus Hausen-Schopflohe gibt es auch noch ein weiteres Problem: den Wildverbiss. Forstdirektor Peter Birkholz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten verweist auf das Vegetationsgutachten. Dessen Ergebnisse wollte er aber noch nicht präsentieren, weil es Usus sei, dass dies zuerst im bayerischen Landtag vorgelegt werde „und das ist noch nicht geschehen“.

Stellvertretender Landrat Hermann Rupprecht rät den Waldbauern, „vom Ertrag und nicht von der Substanz zu leben“. Intakte Wälder seien von herausragender Bedeutung, meint Rupprecht. Landtagsabgeordnete Eva Lettenbauer (Grüne) spricht von gemeinsamen Zielen, „die Waldbesitzer und uns verbinden“ und empfiehlt, „mehr auf den Artenschutz zu setzen“. Ihr Landtagskollege Wolfgang Fackler (CSU) bezeichnet den Wald als „Auffangstation für die Seele“. Es müsse das Prinzip „Schützen und Nutzen“ gelten, auch im Miteinandern von Jägern und Waldbesitzern. Die Forstwirte nennt er „Hüter eines Schatzes“.

Der Landtagsabgeordnete Ulrich Singer (AfD) fordert eine Regulierung des Biberbestandes, „weil dieses Tier nicht vom Aussterben bedroht ist“. Die bestehenden Regelungen des Jagd- und Waffenrechts dürften nicht weiter verschärft werden.

Vorsitzender Alois Michel will Röglinger Bürgermeisterin als seine Nachfolgerin

Vorsitzender Alois Michel nutzt das Forum, um insbesondere Maria Mittl für deren Arbeit im Vorstand zu danken. Die Röglinger Bürgermeisterin will er, wie er ankündigt, bei den nächsten Wahlen als seine Nachfolgerin vorschlagen. Sie würde dann als erste Frau einen Verband übernehmen, der in Wemding aktuell mit Andreas Sens sein zweitausendstes Mitglied begrüßt. Ihm gilt zu vorgerückter Stunde die Aufmerksamkeit der Waldbauern, ebenso wie Hans Link aus Mertingen. Er wird dafür geehrt, dass er 15 Jahre die Ortsgruppe Mertingen geleitet hat.

Aus dem Jahresabschluss, vorgetragen von Werner Fuchs (Oettingen), geht hervor, dass die Organisation in diesem Jahr bei einem Umsatz von knapp drei Millionen Euro (erziel durch die Vermarktung von knapp 44500 Festmeter Holz) am Ende einen Gewinn von rund 5000 Euro erzielte. Die WBV Nordschaben ist die größte Forstbetriebsgemeinschaft in Schwaben.

Lesen Sie auch: Kreis Donau-Ries: Ein ganzer Wald ist in Gefahr

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