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Porträt

21.10.2017

Rentnerband zwischen Wien, Capri und dem Jura

Seit zehn Jahren gibt es die Donauwörther Rentnerband mit (von links) Hans Zobel, Ernst Kolonko, Adolf Hillmair und Hermann Sperl. Das Foto entstand bei einem Auftritt im Rainer Seniorenheim.
Bild: Manfred Arloth

Zusammen sind die vier Instrumentalisten 263 Jahre alt – doch die Musik hält sie jung

Als ein Reporter einst in einem Artikel die Donauwörther Viermannkapelle erwähnte, erfand er auch gleich eine treffende Bezeichnung für das Quartett: Er titulierte sie als „Rentnerband“. Noch gibt es die Band, „aber wie lange noch, das weiß allein der liebe Gott. Wir sind nämlich ziemlich alt, 84 (Adolf Hillmair), zweimal 85 (Hermann Sperl und Hans Zobel) und demnächst sogar 90 (Ernst Kolonko)“, schmunzeln die Hobbymusikanten.

Angefangen hat alles mit Ernst Kolonko, der in Bäumenheim wohnt. Er stammt aus Hindenburg in Oberschlesien und erspielte sich als russischer Kriegsgefangener mit seinem Akkordeon mancherlei zusätzliche Essensration, „die mir vielleicht das Leben gerettet hat“, so ist er überzeugt. In Donauwörth baute er die Geschäftsstelle der Barmer Ersatzkasse auf und leitete sie bis zur Rente 1990. Als es ihm 1985 gesundheitlich schlecht ging, erholte er sich im Rainer Altersheim rasch, „und zwar dank der guten Pflege“, erzählt er. Oberschwester Fanny Mack fragte ihn damals beiläufig, ob er einen Musikanten kenne, der bei Festen im Heim auftreten könnte. Seine Antwort: „Ja, ich bin Musikant, ich spiele Akkordeon.“ Von da an musizierte er bei Faschings- und Weihnachtsfeiern, Sommer- und Oktoberfest und sang auch dazu.

Die anderen Mitwirkenden in der Band lernten sich kennen, als sie, einer nach dem anderen, bei den Hadergassenfesten der Sektion Donauwörth des Deutschen Alpenvereins aufspielten. „Wir könnten doch gemeinsam musizieren“ überlegten sie im Jahr 2007 – und es funktionierte, sie bekamen reichlich Beifall.

Ernst Kolonko spielte nun bei Festlichkeiten nicht mehr allein im Donau-Ries-Seniorenheim Rain auf. „Zweiter im Bunde“ ist der ehemalige Riedlinger Landwirt Adolf Hillmair. Er kaufte sich 1994 eine Steirische Harmonika und brachte sich das Spielen mit diesem Instrument selber bei. Musikalisch interessiert war er als Mitwirkender des Kirchenchors Riedlingen seit 55 Jahren und als Gründungsmitglied des Männergesangvereins Riedlingen vor 40 Jahren schon lange. Dank seines musikalischen Talents spielt er alle Stücke auswendig. Hillmair erwarb sich insofern Verdienste um das Quartett, als er in bestens lesbarer Handschrift das Liederverzeichnis mit seinen 200 Einträgen erstellte. Auf diese Weise können die Musikanten schnell nicht nur Musikstücke vor einer geplanten Veranstaltung auswählen und auffinden, sondern auch Sonderwünsche aus dem Publikum erfüllen.

Seit seinem 17. Lebensjahr spielt der ehemalige Schreiner Hans Zobel Klarinette. Zu den wöchentlichen Proben im Hause Kolonko kommt der Donauwörther, der aus Oberstdorf-Schöllang stammt, mit seinem Fahrrad angefahren. Seit seiner Heirat 1960 lebt er in Donauwörth. Auch er ist Sänger, nämlich Tenor im Gesangverein Harmonie. Außerdem spielt er mit in der Kapelle Wörther Buben. Den Singkreis des Donauwörther Alpenvereins, der sich jeden zweiten Dienstag im Monat trifft, begleitet er mit seiner Steirischen.

Zu guter Letzt bereichert Hermann Sperl, ehemals Bäcker, auf der Geige das Spiel des Quartetts. Er stammt aus Zwiesel im Bayerischen Wald und heiratete 1974 nach Donauwörth. Seit den 80er-Jahren spielt das Alpenvereinsmitglied bei der Egerländer Gmoi Akkordeon und im Salonorchester zweite Geige.

Im Repertoire der Rentnerband finden sich etwa 60 Volkslieder, zahlreiche Faschings-, Weihnachts- und Wanderlieder, ein Operetten-Medley und „Lieder zum Schluss“, wie „Nehmt Abschied, Brüder“, „Ein schöner Tag“ und „Auf Wiedersehn!“ Zahlreich sind die Termine: Auftritte im Seniorenheim Rain, im Donauwörther Rotkreuzheim, beim Frauenbund Oberndorf, bei Weihnachtsfeiern, bei der Koronargruppe Marxheim, bei Singnachmittagen im evangelischen Gemeindezentrum, beim Oktoberfest der Donauwörther Kiwanis und viele mehr. Gerne spielt die Rentnerband auch auf Einladung des Seniorenbeirats, und besonders stolz sind die vier, dass sie seit 2007 sechsmal schon beim Reichsstraßenfest auf der Hauptbühne am Tanzhaus das Publikum begeistern konnten.

Das Quartett hat nicht nur eine Erkennungsmelodie, nämlich den flotten Marsch „Wien bleibt Wien“, sondern auch drei Lieblingslieder im Repertoire, nämlich „Ja, ja, der Chiantiwein“, „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“ und – natürlich – das Donauwörther Heimatlied: „Wo des Juras grüne Wälder schauen in das weite Land“.

Nächster Auftritt ist beim Seniorennachmittag am Dienstag, 24. Oktober, 14 Uhr, im Gemeindezentrum der Christuskirche (Pflegstraße). Aus organisatorischen Gründen sind Anmeldungen bei den einzelnen Seniorenkreisen nötig.

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