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Hochwasserschutz

20.11.2019

Riedlinger Ackerflächen in Gefahr?

Hochwasser-Messstelle an der Kessel auf Riedlinger Flur. In diesem Bereich zwischen Kessel und Donau könnte nach den Plänen des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth ein 140 Hektar großer Rückhalteraum entstehen. Die neu gegründete IG „Rettet die Riedlinger Flur“ fordert Aufklärung und Informationen.
Foto: Thomas Hilgendorf

Plus Überlegungen des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth führen zu Verunsicherung in Riedlingen. Interessengemeinschaft gegründet. Was dahinter steckt

Sie haben Angst, dass es ihnen hier in Riedlingen so geht wie den Nachbarn im Bereich Tapfheim oder Heißesheim. Nämlich dass die Wasserwirtschaft etwas plant und die Anlieger – oft Landwirte mit ihren Feldern – vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Weil es seit Längerem Überlegungen des Wasserwirtschaftsamtes Donauwörth gibt, neue Rückhalteräume im Bereich der Donau und der Kessel in Riedlingen zu schaffen (wir berichteten), hat sich nun eine Interessengemeinschaft (IG) gebildet. Deren Namen klingt so eindringlich wie der damit verbundene Appell: „Rettet die Riedlinger Flur.“ Die sei, so die Initiatoren, nicht nur durch die Überlegungen zum Hochwasserschutz in Gefahr.

Was ist das Rückhalte-Projekt Donauwörth?

Das Ganze hört sich erst einmal ganz unverfänglich an: Rückhalte-Projekt Donauwörth. Es wird seit einigen Monaten vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth geprüft, beziehungsweise geplant und ist Teil des umfangreichen Hochwasser-Aktionsprogramms Schwäbische Donau, dessen Projekte sich über Rückhalteflächen für Hochwasser oder auch Polder wie eine Perlenkette durch Bayerisch-Schwaben ziehen. Nun soll womöglich ein gut 140 Hektar großer Bereich in der Riedlinger Flur zwischen der B16 und dem Lauf der Kessel in jene Planungen einbezogen werden. Nicht nur Landwirtin Ulrike Wagner wäre mit 30 Hektar ihrer Ackerfläche betroffen. Es gehe auch um dann einzudeichende Siedlungsgebiete am Quellhof, Posthof und Spindelhof sowie um eine Gefährdung des Naherholungsgebietes am Baggersee mitsamt den dortigen Wochenendhäuschen, erklärt die Initiatorin der IG.

Müsste das Wasser der Donau "bergauf" abfließen?

Letztlich sei, wie Michael Stiller, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Donauwörth, ergänzt, ein Gebiet von 140 Hektar landwirtschaftlicher Fläche durch jenen „kleinen Polder“ betroffen. Das Projekt bringe „Fragen mit sich“, vor allem zur technischen Umsetzbarkeit. Nach den Berechnungen der IG müsse das Donauwasser „bergauf“ in das geplante Rückhaltegebiet laufen, so Wagner. Deshalb sei ihre Vermutung: In dem Bereich könne höchstens Hochwasser der benachbarten Kessel aufgefangen werden. Laut Wagner hätte niemand etwas von dem 140-Hektar-Rückhaltebecken: nicht die Landwirtschaft, nicht das benachbarte Airbuswerk, nicht Donauwörth. Das Rückhalte-Gebiet würde, so die Argumentation der IG, in 17 Minuten vollgelaufen sein und nähme höchstens ein bis zwei Zentimeter einer Hochwasserspitze. Ferner sei das Projekt nicht angedacht, um eine Extremsituation zu entschärfen, sondern wäre für eine mittlere Hochwasserlage („HQ 80“) ausgelegt. Zudem bliebe das Areal im heutigen Zustand bei einem HQ 100 hochwassersicher. Die IG fordert nun Aufklärung und detaillierte Informationen mitsamt Simulationen seitens des Wasserwirtschaftsamtes.

Gut 120 Zuhörer im proppenvollen Schützenheim Riedlingen

Die Mitgliedslisten der IG waren derweil rasch voll mit neuen Namen. Viele der gut 120 Zuhörer im proppenvollen Riedlinger Schützenheim traten am Gründungsabend spontan bei, darunter auch Bürger aus anderen Stadtteilen.

Stiller und Wagner betonten unisono, dass sie kein St.-Florians-Prinzip wollten, aber es wäre fatal, „sinnlos Kröten zu schlucken“. Vielmehr seien die bestehenden Deiche in Donauwörth mitunter „zu niedrig bemessen“, sagt Stiller. Zudem gebe es für die Landwirtschaft sowieso kaum noch Entwicklungschancen rund um Donauwörth. Stadtrat Ralf Loitzsch bekundete indes offen in Richtung IG: „Die Stadt Donauwörth weiß weniger (über die Pläne) als Sie.“ Josef Reichensberger ergänzte derweil, dass dies nicht das einzige Projekt sei, dass die Riedlinger Flur gefährdete – auch die geplante Ortsumgehung der B16 um Tapfheim soll nach neueren Planungen kurz nach der Agip-Tankstelle in Riedlingen beginnen.

Die IG will weiter Informationen sammeln und sich bald auch mit den Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes austauschen. \u0009"Kommentar

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