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19.06.2009

Schmuckkästlein der Kammermusik hat nichts an Strahlkraft verloren

Kaisheim-Leitheim (sol) - "Ein Sommerabend ... In den letzten Farben der Abenddämmerung mischt sich der Kerzenschein des festlich erleuchteten Konzertsaals mit dem Schimmer des aufsteigendes Mondes. Schwerer Blumenduft verdrängt den Benzindunst der Autos, und die Besucher in Erwartung kostbarer alter Musik fühlen sich um Jahrhunderte zurückversetzt. Das ist der Zauber dieser Schloßkonzerte". Diese Zeilen sind kein aktueller Bericht, sondern sie waren bereits 1973 in unserer Zeitung zu lesen. Doch an ihrer Richtigkeit besteht auch heute noch keinerlei Zweifel. Am kommenden Sonntag starten die Schloßkonzerte in Leitheim in ihr mittlerweile 50. Jahr, in ihr Jubiläumsjahr, - und das mit einem ausgefeilten Programm. Gerade das breite Spektrum ist das Charakteristikum dieser Konzertreihe.

Wer hätte anfangs gedacht, dass dieses kleine entlegene Schlösschen sich zu einem der bedeutendsten schwäbisch-bayerischen Musikpflegestätten entwickeln könnte? Wohl niemand - außer dem damaligen Hausherrn Albrecht Freiherr von Tucher (1922-1989), der das architektonische Juwel unter vielen persönlichen Opfern restaurierte (1960 bis 1970). Das Rokoko-Anwesen ist nämlich seit 1835 im Besitz einer Linie der Tucher von Nürnberg ("von Simmelsdorf").

Ein musikinteressierter US-Amerikaner hatte dazu einmal geschrieben: "Wo gibt es das noch, dass mitten auf dem Lande auf einem so reizvollen Privatbesitz Woche für Woche Hauskonzerte auf so hohem Niveau stattfinden können?"

Die Schloßkonzerte sind zu keiner Stätte des musikalischen Snobismus geworden, obwohl in all den Jahrzehnten natürlich Nerz-Capes und Smokings zu sehen waren. Sondern immer wieder lockte die besondere Atmosphäre bei diesem Podium für barocke und romantische Kammermusik.

Schmuckkästlein der Kammermusik hat nichts an Strahlkraft verloren

Chance für den Nachwuchs

Aber von Anbeginn an, also schon seit 1959, wurden die Konzerte nicht nur von Künstlern mit Rang und Namen bestritten. Denn nach dem Willen des Initiators sollte (und das gilt weiterhin) Leitheim für den begabten Nachwuchs eine Stätte sein, an der er sich vor kennerischem Publikum bewähren kann.

Das erste Jugendkonzert bestritt übrigens 1974 der Donauwörther Pianist Götz Tangerding. Er spielte Werke von Friedrich Gulda und eigene Improvisationen nach Guldas "The long road to freedom". Sechs Jahr zuvor hatte sich Tangerding am Cembalo erstmals in Leitheim vorgestellt. "Nun bemühte er sich, den überwiegend jungen Zuhörern den Jazz näherzubringen", schrieb die Donauwörther Zeitung.

Lässt man die Jahrzehnte vorüberziehen, so ist die Liste der international bekannten Künstler unglaublich lang. Es finden sich Namen wie Jan Polasek (Cellist, 1964), das Münchner Sonnleitner-Quartett, Prof. Siegfried Borries (Geiger, Konzertmeister der Berliner Philharmoniker/1966), die Pianistin Wang Gi-in oder die Cembalistin Prof. Li Stadelmann (beide 1973). Echte Stradivari-Instrumente erklangen, als das Schweizer Kammerorchester Flawil auftrat. Dass Kunst ein Mittel der Völkerverständigung ist, bewiesen unter anderem Abende mit Sylvie Mercier (Klavier/Paris) oder dem Baryton-Spieler Janos Liebner (Budapest) und dem mit griechischen Cellisten Eleftherios Papastavro.

Als 1983 Mozart-Musik in der Gunst ganz obenan stand, konnte der renommierte Geiger Prof. Michael Goldstein gewonnen werden. 1985 begeisterte das Budapester Mandel-Quartett und 1989 kam ein zweimanualiges Cembalo aus der Werkstatt von Bernhard von Tucher (dem Sohn Albrechts) zum Einsatz. 2001 gab der Melbourner "Choir of Ormond College" seine Visitenkarte ab und die Schauspielerin Barbara Auer schaute 2000 mit "Klassik und Literatur live" vorbei, um weitere Namen zu nennen.

Neue Ideen eingebracht

2005 "groovte" insbesondere der Barock. Längst zeichneten Bernhard von Tucher und seine Frau Jutta für das Programm verantwortlich, und die suchten und fanden neue Ideen, Raritäten, ungewöhnliche Kombinationen. Heuer ist es mittlerweile ihre 20. Saison.

Die Familie Tucher von Simmelsdorf bleibt für die Schlosskonzerte zuständig - kreativ, innovativ, aufgeschlossen. Oder wie es Bernhard von Tucher formulierte: "Geistvolles muss nicht anstrengend oder gar überfordernd sein."

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