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Diskussion

06.06.2019

Schulterschluss mit dem Bürgermeister

Albert Lohner

Im Mertinger Gemeinderat erhält Albert Lohner Anerkennung für seine Arbeit in den vergangenen 23 Jahren. Umso mehr ärgern sich die Mitglieder des Gremiums über die Äußerungen eines Heißesheimer Bürgers

Wenn Mertingen in diesem Jahr den Gürtel enger schnallen muss, „dann kommt das für uns nicht überraschend“. Bürgermeister Albert Lohner kennt die Gründe: Weil die örtlichen Unternehmen kräftig investieren, sprudelt die Gewerbesteuer nicht in jenem Ausmaß wie viele Jahre zuvor. Man habe aber vorgebaut, erklärte Lohner vor dem Gemeinderat, und Rücklagen angespart. Dass nun ein Heißesheimer Bürger versuche, die knapper werdenden Finanzmittel ihm und dem Gemeinderat anzulasten, bezeichnete er als „armselig“.

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Lohner nahm einen Leserbrief in dieser Zeitung zum Anlass, um seine Philosophie von Kommunalpolitik in den vergangenen Jahren darzulegen. Trotz nun zusätzlich anstehender Rückzahlungen von je 600 000 Euro in diesem und nächstem Jahr stehe man gut da. Dass Mertingen zu hohe Personalkosten habe (und dazu der Vergleich mit der Stadt Harburg herangezogen werde), entkräftete der Bürgermeister mit den wesentlich höheren Aufwendungen im Bereich von Kindergarten und -krippe. Die Zahl der Kinder sei gestiegen, aber noch mehr die Zahl der gebuchten Stunden. Lohner: „Ein Vergleich, der hinkt.“

Ausdrücklich verwies er außerdem darauf, dass Mertingen ein eigenes Wasserwerk betreibe, dass einen höheren Personalaufwand benötige, den Bürgern andererseits aber auch von anderen Kommunen unerreicht niedrige Wasserkosten bringe. Der Vorwurf, personell sei im Rathaus enorm aufgestockt worden, sei aus der Luft gegriffen. Auch hier operierte der Bürgermeister mit Zahlen: 1,5 Stellen seien mehr geschaffen worden, um den Arbeitsaufwand bewältigen zu können.

Schulterschluss mit dem Bürgermeister

Nun bewähre sich, dass in der jüngeren Vergangenheit Barrücklagen in Höhe von 3,8 Millionen Euro gebildet worden seien. Damit könne man die „Gewerbesteuerdelle“ ausgleichen. In vielen Bereichen habe die Kommune Lösungen der Zwischenfinanzierungen gewählt, um die Belastungen für die Bürgerschaft niedrig zu halten. Was nun auf den ersten Blick wie Schulden aussehe, komme nach und nach zurück in den Gemeindesäckel.

„Was ist, wenn der Lohner weg ist?“, fragte der im kommenden Frühjahr ausscheidende Bürgermeister flapsig und legte eine Art Bilanz seiner vergangenen 23 Jahre als Bürgermeister vor: Man habe viel geleistet, investiert, gemanagt. Es sei geglückt, die Gemeinde weiterzuentwickeln und ihr eine Infrastruktur zu geben, um die man sie beneide. Gerade die ärztliche Versorgung sei bestens. Darüber hinaus habe sich die Gemeinde weitblickend attraktive Grundstücke gesichert, „immer mit dem Blick in die Zukunft“. Das Image Mertingens sei entsprechend positiv. Lohner: „Wir haben alles richtig gemacht.“ An dieser Strahlkraft nach Außen will auch der Gemeinderat nicht kratzen lassen, wie zahlreiche Beiträge beweisen.

Vize-Bürgermeister Hans Mair (SPD) betonte, dass sich Mertingen in den zurückliegenden Jahrzehnten vorbildlich entwickelt habe. Er sei schockiert, wie ein Einzelner die Gemeinde schlecht mache und versuche, den Ruf des Bürgermeisters durch unhaltbare Unterstellungen zu schädigen. Ein schlechtes Licht werde auf Mertingen geworfen, sagte Josef Brunner (CSU), „obwohl es nichts Schlechtes zu sagen gibt“. Sie sei auf das Erreichte stolz, fügte Ulrike Hampp-Weigand (SPD) an, „weil wir eine wahnsinnig gute Bilanz aufweisen können“. Richard Binger (CSU) ärgerte sich, dass es im Gemeinderat wohl Mitglieder gäbe, die interne Debatten nach Außen weiterleiteten. „So entstehen Fake-News“. Kurt Niebler (PWG/Freie Wähler) plädierte dafür, die Diskussion über „diese Kampagne“ einzustellen, ebenso Thomas Artur (CSU). „Halten wir zusammen, dann stehen wir es durch“, appellierte Albert Reiner (CSU). Die Sacharbeit müsse auch für den Rest der Legislaturperiode im Vordergrund stehen. Christine Riepold (CSU) erachtet die Klarstellungen als wichtig, „denn die Bevölkerung wird durch die Verdrehung der Tatsachen durch einen einzelnen verunsichert“.

In den Schulterschluss mit dem Bürgermeister mischte sich der Ärger, dass die Verwaltung im Rathaus durch „ständige unberechtigte Eingaben“ stark belastet würde. Den Vorschlag von Artur Thomas, den Kritiker einfach links liegen zu lassen (Riepold: „alles falsche Behauptungen“) wollte Bürgermeister Lohner nicht gelten lassen: „Wir müssen uns und die Mitarbeiter der Gemeinde schützen.“ (bih)

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