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Landkreis Donau-Ries

11.03.2020

Schwer erkrankter Corona-Infizierter muss tagelang auf Hilfe warten

Ein Mann aus einem Ort bei Donauwörth hat sich mit dem Coronavirus infiziert und ist dadurch schwer erkrankt. Der 48-Jährige befindet sich in der Uniklinik in Augsburg. Inzwischen geht es ihm wieder besser.
Bild: Alexander Kaya

Plus Ein Mann aus einem Ort bei Donauwörth fängt sich wohl in Südtirol das Coronavirus ein und wird richtig krank. Es ist der erste schwere Fall im Donau-Ries-Kreis.

Die Familie aus der Nähe von Donauwörth hat stressige Tage hinter sich. Tage voller Sorge, Ungewissheit und „ein Stück weit Hilflosigkeit“, wie es ein Familienmitglied formuliert. Der Grund: Ein 48-Jähriger hat sich das Coronavirus eingefangen.

Familienvater kommt mit schweren Symptomen ins Krankenhaus

Im Gegensatz zu vier anderen Personen aus dem Donau-Ries-Kreis, die bis zum Dienstag positiv auf Covid-19 getestet sind und kaum gesundheitliche Probleme haben beziehungsweise hatten, erwischt es den Familienvater voll. Mit schweren Symptomen kommt er am Montag in die Donauwörther Donau-Ries-Klinik und wird von dort ins Uniklinikum nach Augsburg verlegt.

Hausarzt reagiert nicht auf Hinweis des kranken Mannes

Zwei Wochen zuvor ist alles noch ganz anders. Da verbringt die Familie in Südtirol einen fünftägigen Skiurlaub. Nach den erholsamen Tagen in den Faschingsferien trifft sich der Mann mit Freunden zum Schafkopf, schaut mit ihnen am Fernseher ein Fußball-Bundesliga-Spiel, geht zur Arbeit in eine große Firma im Landkreis.

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Vor einer Woche wird der 48-Jährige dann krank. Er fühlt sich nicht wohl, hat Schnupfen. Der Mann geht zu seinem Hausarzt, sitzt im Wartezimmer, macht den Mediziner darauf aufmerksam, dass er sich in Südtirol aufgehalten hat, das zum Corona-Risikogebiet hochgestuft wird. Der Hinweis habe aber offenbar „niemanden interessiert“. Der Arzt schreibt den Techniker für zwei Tage krank. Zum Wochenende hin verschlechtert sich der Zustand des Patienten aber rapide, wie er unserer Zeitung am Telefon berichtet. Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfall, dazu Fieberattacken mit bis zu 39,5 Grad – „es war wie eine Grippe“. Der Betroffene und seine Angehörigen haben einen Verdacht: Es könnte doch das Coronavirus sein.

Frau kommt bei der Servicenummer nicht durch

Die Familie will nicht einfach zu einem Arzt oder Krankenhaus fahren, sondern den von den übergeordneten Stellen empfohlenen Weg bei Verdachtsfällen einhalten. Nach vielen Versuchen kommt die Ehefrau bei der bayernweiten Servicenummer 116117 durch. Dort wird ihr gesagt, dass frühestens in drei oder vier Tagen jemand vorbeikommen könne. Außerdem: Beim Skifahren hätten sie ja die meiste Zeit im Freien verbracht, und wenn es unwahrscheinlicherweise doch das Virus sein sollte, könne man sich daheim auskurieren.

Der Gesundheitszustand des 48-Jährigen, der ein trainierter Sportler ist, verschlechtert sich aber weiter. Zweieinhalb Stunden lang versucht seine Frau am Sonntag vergeblich, bei der 116117 durchzukommen. Sie ruft auch bei der Hotline an, die in Augsburg für die dortige Bevölkerung eingerichtet wurde – und wird wieder auf die 116117 verwiesen. In der Klinik in Donauwörth kommt die Anruferin auch nicht weiter: „So drehte sich das Ganze im Kreis.“

Appell an das Gesundheitsamt: "Wir brauchen Hilfe"

Nach einer weiteren Nacht mit Schmerzen und Fieber, ist für die Familie jedoch klar: „Es muss was geschehen.“ Nach erneuten Telefonaten, die zu keiner Lösung führen, appelliert die Ehefrau an das Gesundheitsamt in Donauwörth: „Wir brauchen Hilfe!“ Die Behörde lässt sich überzeugen, dass Handlungsbedarf besteht. In der Donauwörther Klinik nimmt in Schutzanzüge gekleidetes Personal den Kranken entgegen. Ein Test bringt Gewissheit: Es ist die Krankheit namens Covid-19.

Am Dienstag wird der 48-Jährige nach Augsburg gebracht. Der offensichtliche Hauptgrund: Seine Blutwerte sind schlecht. Im Klinikum bekommt der Nordschwabe Infusionen, zudem wird ihm regelmäßig Blut abgenommen. Gleichzeitig geht das Gesundheitsamt auf die Familie zu. Eine Liste mit allen Personen, zu denen der Infizierte seit dem Südtirol-Urlaub direkten Kontakt hatte, muss her. Es kommen einige Dutzend Namen zusammen: Angehörige, Freunde, Schafkopfrunde, Arbeitskollegen. Die Betroffenen erhalten die Aufforderung, sich auf den Parkplatz des Landratsamts in Donauwörth zu begeben. Dort werden am Dienstag und Mittwoch bei heruntergelassener Scheibe jeweils Abstriche genommen. Alle Benachrichtigten müssen bis auf Weiteres zuhause bleiben, eine Art Tagebuch führen, zweimal pro Tag Fieber messen. Hinzu kommen tägliche Anrufe aus dem Gesundheitsamt. Zwei Wochen nach dem jeweiligen Kontakt soll die Quarantäne enden – falls die Tests negativ ausfallen.

Dem 48-Jährigen aus dem Kreis Donau-Ries geht es besser

Derweil bekommen die Angehörigen am Mittwochmorgen eine erfreuliche Nachricht, die der 48-Jährige dann auch im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt: „Es geht mir besser. Ich hoffe, ich habe das Meiste hinter mir.“ Im Laufe des Tages kommen die Mediziner zu dem Schluss, den Mann eigentlich aus dem Klinikum entlassen zu können. Würde er nach Hause zurückkehren, müsste er jedoch von den Angehörigen völlig getrennt leben – außer diese wären ebenfalls infiziert. Die Testergebnisse liegen freilich am Mittwoch noch nicht vor.

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11.03.2020

Erschreckend wie hier Ämter und Behörden jetzt schon versagen. Mann könnte fast meinen keiner wusste das es mal im Landkreis losgeht. Wenn es mal richtig losgeht gehe ich von einem Totalausfall aus bei dem dann wieder Verantwortung und Schuld weitergeschoben wird.

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