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06.04.2009

Sechs Saiten voller Stimmung

Kaisheim Ein Mann, eine Gitarre. Zehn Finger, sechs Saiten. Peter Finger, ein Meer von Tönen. So ließe sich das Gitarrenkonzert am vergangenen Freitag im Kaisheimer Thaddäus beschreiben. Wer nicht dabei gewesen ist, wird die Tiefe der Worte nicht verstehen können. Aber für alle anderen war es ein Erlebnis besonderer Art.

Nach dem verpassten Termin im vergangenen Jahr holte Finger, nicht ohne sich für seinen Fehler zu entschuldigen, das Konzert nun nach. Wer sich ein bisschen für die Akustikgitarre interessiert, wird früher oder später auch auf den Namen Peter Finger stoßen, der sich nicht nur als Gitarrist, sondern auch als Komponist und Arrangeur einen Namen in dieser Szene gemacht hat. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass der Saal in der Kleinkunstbrauerei voll besetzt war. Das Publikum sollte in seinen Erwartungen auch nicht enttäuscht werden.

Schon beim ersten Lied stellte Peter Finger sein ganzes Können unter Beweis - mal schnell, mal langsam, Harmonien wechselten mit Disharmonien und Crescendi entfalteten ihre ganze Dynamik. Nach anhaltendem Applaus erklärte Finger nur: "Das war jetzt ein bisschen was zum Warmwerden - mir ist aber auch schon recht heiß jetzt!" So konnte der 54-Jährige nicht nur mit seinem Können an den sechs Saiten beim Publikum punkten, sondern auch mit seiner sympathischen Art.

Bunte Palette gezeigt

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Stilistisch zeigte Finger eine bunte Palette verschiedener Genres und Einflüsse: irische Traditionals, Balladen, ein Stück im Nashville-Sound in Anlehnung an den Country-Gitarristen Chet Atkins, Vertonungen von Bildern, Einflüsse aus Südamerika oder Frankreich. Wäre das Konzert eine Leinwand gewesen, so hätte sich ein großartiges und farbenprächtiges Gemälde im Laufe des Abends entwickelt.

Traurig mutete der Song "Just another day in May" an, den Finger in Gedenken an seinen geschätzten Freund und Gitarrenbauer Roland Oetter an dessen Todestag geschrieben hatte.

Gefühlvoll auch die Ballade, die der Gitarrist seiner verstorbenen Mutter und damit seinem "allergrößten Fan" widmete.

Ganz anders im Charakter war das Stück "Getaway", das ein wenig an Blues erinnerte, aber dennoch nicht melancholisch wurde. Bei so großer Virtuosität verzieh man Finger auch, dass er bei einem Bach-Arrangement kurzzeitig einen "Blackout" hatte und deswegen ein anderes Stück aus Bachs Violinsonaten vortrug. Den absoluten Höhepunkt des Konzerts stellte wohl das letzte Lied dar: die Vertonung des Gedichtes "Totentanz" von Johann Wolfgang von Goethe. Nach einer Inhaltsangabe - der Walzertanz von Skeletten zur Geisterstunde und dem tragischen Ende eines Skeletts, das nicht rechtzeitig wieder in sein Grab kommt - spielte Finger fast zehn Minuten lang die Geschichte musikalisch nach, wobei die einzelnen Motive klar erkennbar wurden. Selbst die Schläge der Kirchenglocken wurden auf die Gitarre übertragen.

Das Publikum war tief ergriffen und fühlte sich in eine andere Welt entführt. So war es auch erst nach zwei Zugaben bereit, den Ausnahmegitarristen gehen zu lassen.

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