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Wahre Liebe

05.02.2012

Seit 23 Jahren pflegt sie ihren Mann im Wachkoma

Amalie Blank pflegt seit 1989 ihren Mann Xaver im Wachkoma
Bild: Katharina Gaugenrieder

In guten wie in schlechten Tagen: Seit 23 Jahren pflegt Amalie Blank aus Bachhagel ihren Mann - einen Wachkoma-Patienten. Trotz aller Widrigkeiten.

Amalie Blank kann sich noch an den Tag erinnern, als sei es gestern gewesen. Zusammen mit ihrem Mann Xaver hat sie damals drüben am Lagerplatz ihres Fuhrunternehmens noch die Maschinen aufgeräumt. „Ich habe ihn gefragt, ob wir es gleichmachen können, weil ich noch zum Friseur wollte.“ Plötzlich, erzählt Amalie Blank, sagte ihr Xaver: „Jetzt hat mich auch noch eine Wespe gestochen.“ Als sie sich umdrehte, schwankte er schon, brach schließlich zusammen. Allergischer Schock, Atemstillstand. Mit dem Notarzt kam Xaver Blank, damals gerade 50 Jahre alt, ins Krankenhaus. „Die Ärzte haben mir gesagt, dass er die Nacht wahrscheinlich nicht überleben wird.“

Amalie Blank holt ihren Mann nach Hause

Das war im Juli 1989. Seitdem liegt Xaver Blank, langjähriger Gemeinderat, Mitglied des Musikvereins, Fuhrunternehmer, im Wachkoma. Zweieinhalb Jahre, sagt Amalie Blank, war ihr Ehemann zunächst im Lauinger Krankenhaus. Lange hat sie sich um einen Rehaplatz bemüht. „Aber damals hat man sich mit so etwas noch nicht so ausgekannt.“ Nach zäher Suche fand sie schließlich einen Platz. Danach ging es für Xaver Blank wieder ins Krankenhaus. Und bei Amalie Blank wuchs der Entschluss: Ich will meinen Mann nach Hause holen. Viel Ermutigung kam damals nicht. Die Ärzte rieten ihr dazu, für ihn einen Platz in einem Pflegeheim zu suchen. „Was wollen Sie denn mit ihm zu Hause, das können Sie ja gar nicht“, hätten viele gesagt. „Aber wir haben es probiert und es ist gegangen.“ Eine große Stütze ist ihr damals ein Pfleger gewesen, wie sie sagt. So streng und energisch er auch gewesen sei, „er war eine Seele von Mann“, sagt Amalie Blank. „Und er hat mir so viel beigebracht. Durch ihn bin ich in die Pflege hineingewachsen.“

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Sie lässt ihren Mann nur kurz alleine

Um besser für ihren Mann sorgen zu können, traf Amalie Blank noch während seines Krankenhausaufenthaltes die Entscheidung, ein behindertengerechtes Haus zu bauen. Noch gut erinnert sie sich an jene Zeit. Zwei-, manchmal dreimal täglich war sie bei ihm in Lauingen, dazu das Geschäft, die Baustelle. „Im Rückblick fragt man sich schon manchmal, wie man das alles gemacht hat.“ In der täglichen Pflege ihres Mannes, sagt die heute 75-Jährige, sind ihr besonders die Helferinnen vom Pflegedienst und die Therapeuten eine große Hilfe. Und auch Gabi Mailänder, die in der Pflege seit 20 Jahren mithilft. Trotzdem: Im Urlaub war Amalie Blank seit jenem Tag im Jahr 1989 nicht mehr. Sie achtet darauf, nie lange weg zu sein. Mal kurz zum Einkaufen, zum Arzt oder zum Treffen der pflegenden Angehörigen – wenn eine Pflegerin da ist und ihr Mann einen guten Tag hat. Zum 70. Geburtstag hat sie einen Gutschein für einen Tag in einem Kurbad bekommen. Eingelöst hat sie ihn noch nicht. Die Bachhaglerin will ihren Mann nicht zu lange alleine lassen.

Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen

So war die Fahrt nach München etwas ganz Besonderes. Aus den Händen von Christine Haderthauer erhielt Amalie Blank für langjährige Pflege das Bundesverdienstkreuz am Bande. So viel Aufhebens um ihre Person, das sei ihr schon ein bisschen unangenehm gewesen, sagt sie. „Schließlich bin ich ja nicht die Einzige. Es gibt ja viele Menschen, die ihre Angehörigen pflegen.“

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