1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Sie sind klein und gemein

Thaddäus

12.10.2019

Sie sind klein und gemein

Die Goldfarb-Zwillinge bei ihrem Auftritt im Kaisheimer Thaddäus: Sie nehmen die Gesellschaft aufs Korn, aber auch sich selbst.
Bild: Helmut Bissinger

Der Kabarettauftritt der Zwillingsschwestern Laura und Lisa Goldfarb gerät zu einem furiosen Mix aus brüllender Komik, tiefsinniger Gesellschaftskritik und temporeichem Wortwitz

Zusammengezählt kommen sie mit ihren Körpergrößen nicht einmal auf drei Meter. Sie sind also fürs Online-Dating zu klein. Laura und Lisa Goldfarb wirbeln allerdings mit unglaublicher Energie über die Bühne, nehmen dabei kein Blatt vor den Mund und erzeugen mit ihren Wort- letztlich Lachsalven. Auf der Kleinkunstbühne im Thaddäus präsentierte sich das Kabarett-Duo erstmals – und die Mischung gefiel.

Die beiden erzählen aus ihrem Leben: davon, dass sie sich einen Mann teilen, davon, dass sie sich einen Arbeitsplatz teilen und davon, dass sie als Zwillinge doch viele Vorteile hätten. Sich selbst nehmen Laura und Lisa dabei immer wieder köstlich auf die Schippe. Da wird schon mal eine der beiden Schwestern von der anderen kurzerhand in die Garderobe verfrachtet, weil diese beim Flirt mit einem Mann aus dem Publikum alleine sein möchte.

Die eineiigen Zwillinge hatten es zuvor mit der Schauspielerei versucht. Sie haben den renommierten Hersfeld-Preis gewonnen. Auch als Regisseurinnen waren sie erfolgreich: Vom Klassiker über Komödien bis zum Musical haben sie alles auf Bühne gebracht, was sich inszenieren lässt, beispielsweise den Jedermann bei den Domfestspielen in Gandersheim.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Aber dann entdeckten sie ihren Hang zu gesellschaftlichen Themen. In ihrem Programm geht es um Fragen wie: Wie wollen wir heute leben? Woran glauben wir? Was macht uns glücklich? Ihre Sketche wirken spontan, sind es manchmal wohl auch, denn fast blind spielen sich die Schwestern die Bälle zu, mal forsch, mal direkt, mal zurückhaltend.

Da ist diese Szene, die sich festbeißt, als beide im Waldorf Kindergarten („dort sind sogar die Türklinken aus Tofu“) als Putze einspringen. Das ist Prenzlauer Berg pur. Die Zwillinge spielen mit ihrer Situation. Am Anfang trugen sie noch schwarze und weiße Kostüme, damit man sie unterscheiden konnte. Mittlerweile haben sie identische Kostüme – und die Leute fragen sich permanent: Wer ist wer? Ihr zweites Programm „Klein und gemein“ erscheint wie eine Weiterentwicklung des ersten. Waren sie da noch hochpolitisch, ging es jetzt im Thaddäus um das Glücklichsein oder die absurde Regelwut in Deutschland.

Die Goldfarb-Zwillinge treiben ihre Pointen stets auf die Spitze, verhaspeln sich manchmal so, dass die Zuschauer nicht mehr folgen können, geben einen Takt vor, der atemberaubend ist. Ihre Wurzeln können sie nicht leugnen: Etwas ist argentinisch, temperamentvoll an ihnen, etwas anderes jüdisch hintersinnig.

Unterm Strich ein furioser Mix aus brüllender Komik, tiefsinniger Gesellschaftskritik, Wortwitz und temporeichen Einlagen.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren