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Landkreis Donau-Ries

16.07.2020

So bereiten sich die Krankenhäuser auf eine mögliche zweite Welle vor

Die Krankenhäuser in der Region haben vorsorglich aufgerüstet, falls es zu einer zweiten Corona-Welle kommt. Das gKU kann mittlerweile in eigenen Labors in Nördlingen und Donauwörth Tests auf Covid-19 durchführen.

Plus Die Krankenhäuser im Landkreis rüsten auf, um auf einen erneuten Anstieg von Corona-Fällen vorbereitet zu sein. Die letzten Monate schlagen ein tiefes Loch in die Kassen.

Erst seit rund zwei Wochen dürfen die Krankenhäuser im Landkreis wieder ohne Einschränkungen arbeiten. Geplante Operationen, die während der Hochphase der Corona-Infektionen nicht möglich waren, können jetzt wieder terminiert werden. Und vor allem kann Jürgen Busse, Vorstandsvorsitzender des gKU, wieder mit der kompletten Kapazität von 554 Betten planen. Zu Beginn der Zwangspause hatte eine Allgemeinverfügung vorgeschrieben, dass die Krankenhäuser 30 Prozent der Betten frei halten müssen – ein tiefer Einschnitt in den normalen Krankenhausablauf.

Mehr Beatmungsgeräte angefordert

Zwei bis drei Monate, schätzt Busse, wird es dauern, bis wirklich wieder Normalbetrieb herrscht – das alles unter der Prämisse, dass keine zweite Corona-Welle über den Landkreis schwappt. Auch, wenn man auf diese jetzt besser vorbereitet ist.

So wird das gKU in naher Zukunft alle seiner 31 Intensivbetten mit einem Beatmungsgerät ausstatten. Er habe acht Geräte als Bedarf an das Gesundheitsministerium gemeldet, erklärt Busse. Bisher wurden die Beatmungsgeräte nicht für jedes Intensivbett finanziert. Deshalb hatte man in der Hochphase der Coronakrise Anfang April beholfen, indem man Beatmungsgeräte aus den OPs in Donauwörth und Nördlingen ausgebaut und an die Intensivbetten gestellt hatte. Glücklicherweise gab es nie einen Engpass in der Versorgung. Die höchste Anzahl an Corona-Patienten verzeichneten die Häuser in Nördlingen und Donauwörth zwischen dem 6. und 9. April mit 36 Infizierten, neun davon in der Intensivmedizin. Oettingen war weitgehend Corona-frei, was angesichts der Fachabteilungen der Geriatrie und Lungenheilkunde gesetzt war.

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Krankenhausalltag ist eine Zitterpartie

Doch auch heute, gut drei Monate nach dem Höhepunkt gleicht der tägliche Krankenhausalltag weiterhin einer Zitterpartie. Denn bei nur einem positiven Testergebnis eines Patienten oder Angestellten, droht die ausgeklügelte Struktur ins Wanken zu geraten und die jetzt langsam wieder steigenden Umsätze wegzubrechen. So berichtet Jürgen Busse im Kreistag, dass vergangene Woche ein Test bei einem Patienten positiv ausfiel. Er hatte keinerlei Symptome gezeigt, war aber bereits im Haus. „Das bedeutet für uns die gesamte Belegschaft auf der Station – jeder der mit ihm Kontakt hatte zu testen. Ein Riesenaufwand und eine Zitterpartie“, so Busse. Am Ende war alles ein Fehlalarm.

Getestet wird mittlerweile jeder Patient, der in der Donau-Ries-Klinik oder im Stift operiert wird. Hinzu kommen Verdachtsfälle. Mittlerweile kann das gKU in den eigenen Labors in Nördlingen und Donauwörth PCR-Tests durchführen. „Bisher waren alle negativ“, zeigt sich Busse erleichtert.

Mehr Schutzausrüstung auf Vorrat

Auch in Sachen Schutzausrüstung haben die Krankenhäuser aufgerüstet. Der Einkauf hat den Bestand an Kitteln, Brillen, Masken und mehr deutlich erhöht. „Es musste aber nie ein Mitarbeiter ohne Schutz arbeiten“, betont Busse. Großzügige Spenden von Unternehmen aus der Region sorgten zusätzlich für Schutzmasken, Alkohollieferungen für Desinfektionsmittel und Schutzkittel. Gymnasiasten aus Donauwörth spendeten sogar ihre Schutzbrillen aus dem Chemie-Unterricht. „Am Ende konnten wir sogar niedergelassenen Ärzten mit Material aushelfen.“ Dennoch sorge man auch in diesem Bereich vor.

Wenn tatsächlich eine zweite Welle kommt, dann wird das die Krankenhäuser aber vor allem finanziell hart treffen. Bisher fehlen 2020 rund drei Millionen Euro an Einkünften, denn es konnten zwischen März und Juni über 2100 weniger Patienten behandelt werden, als im gleichen Zeitraum im Vorjahr. „Die Krise hat uns zu einem Zeitpunkt getroffen, in denen wir die beste Auslastung haben“, ordnet Busse ein. „Das können wir auch nicht mehr reinholen.“ Die angepeilte schwarze Null mit einem leichten Plus von 80000 Euro sei nicht zu halten.

Zwar stehen Ausgleichszahlungen des Freistaates an, doch es ist bisher noch nicht klar, wie hoch diese ausfallen und welche finanzielle Lücke am Ende bleibt. Deshalb will sich Busse auf keine wirkliche Prognose einlassen. Denn auch die wirtschaftliche Situation des Krankenhauses hängt davon ab, wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt. Busse: „Und das kann niemand voraussagen.“

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