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Donau-Ries

29.12.2020

So geht der Donau-Ries-Kreis in die Silvesternacht

In der Nacht auf den 1. Januar schießen um 24 Uhr sonst über den Dächern in Donauwörth und der ganzen Region die Silvesterraketen in die Luft. Doch die Corona-Pandemie und die Beschränkungen bestimmen auch den letzten Tag im Jahr 2020.

Plus 2020 endet so, wie es heuer oft war: Mit Beschränkungen aufgrund der Pandemie. So verbringen verschiedene Menschen aus dem Landkreis die Silvesternacht.

Das Jahr 2020 endet, aber nicht mit einem Knall, denn der Verkauf von Feuerwerk ist verboten. An einigen Orten im Landkreis Donau-Ries, wie in der Reichsstraße in Donauwörth oder an der Hauptstraße in Rain, gilt in der Silvesternacht sogar Böllerverbot, um Menschenansammlungen zu verhindern. Auch das Klirren von Sektgläsern beim Anstoßen und die Neujahrswünsche beim Umarmen entfallen. Neben den Ausgangsbeschränkungen von 21 bis 5 Uhr, ist Alkohol im Freien verboten und nur fünf Personen aus zwei Haushalten dürfen zusammen feiern. Wie diese ungewohnte Silvesternacht ein Feuerwerkverkäufer, einen Veranstalter von Silvester-Essen und die Einsatzkräfte der Polizei, Feuerwehr und des Rettungsdienstes verbringen werden.

Der Silvester-Gastgeber Am 31. Dezember dinieren normalerweise bis zu 200 Gäste im Parkhotel in Donauwörth. Doch dieses Jahr bleibt die Küche kalt. Es rentiert sich für die Inhaber Eugen und Elisabeth Schuler schlichtweg nicht, überhaupt ein Silvester-Menü zum Mitnehmen anzubieten. „Dafür müsste ich zwei Tage vorher einkaufen, dann alles vorbereiten, an Silvester arbeiten und danach einen Tag lang alles aufräumen – das lohnt sich finanziell nicht“, sagt Eugen Schuler.

Wirt aus Donauwörth verbringt Silvester heuer „still und leise“

Kein Silvester-Menü, keine Silvester-Getränke, keine Silvester-Stimmung: Für Schuler ist das katastrophal, da ihm bereits die Einnahmen von dem sonst so umsatzstarken Dezember fehlt. Silvester verbringt Schuler dieses Jahr „still und leise“, wie er sagt, zu Hause in seiner Wohnung mit seiner Frau bei Bratwürsten mit Kraut.

Der Feuerwerksverkäufer „Die Kunden sind stinksauer, dass sie dieses Jahr kein Silvesterfeuerwerk kaufen können“, berichtet Pyrotechniker Harald Altstetter, der sein Geschäft Funkelfun in Tapfheim hat. Vor dem Verkaufsverbot hatte er in mehrwöchiger Arbeit seinen Laden vergrößert, damit Kunden unter Hygieneschutzmaßnahmen sich bei ihm mit Silvesterfeuerwerk eindecken können. Altstetter zufolge habe die Branche zuerst zugesichert bekommen, dass sie ihr Geschäft öffnen können.

Nun darf er nur die erlaubten Wunderkerzen, Tischfeuerwerk und Jugendfeuerwerk anbieten und bleibt verärgert auf seiner restlichen Ware sitzen. Altstetter wird an Silvester selbst seine Restbestände, die gesetzlich erlaubt sind und von denen der Händler dieses Jahr genügend hat, in die Luft schießen.

Feuerwerksverkäufer aus Tapfheim warnt vor unbekannten Böllern

Nach Altstetters Wahrnehmung haben viele Menschen sich auf Silvester dieses Jahr besonders gefreut. „Nach dem Motto: Das blöde Jahr wegschießen“, sagt Altstetter. Er kann sich vorstellen, dass einige auf Feuerwerk aus dem Ausland zurückgreifen.

Doch der Pyrotechniker mahnt vor Unwissen: „Immer wieder kommen Kunden zu mir mit solchen Böllern, doch sie kennen sich damit überhaupt nicht aus.“ Oft sei das Feuerwerk der Kategorie F4, welche in Deutschland nur von Pyrotechnikern verwendet werden darf. Die Käufer ließen sich oft von der meterlangen Zündschnur täuschen. Altstetter hat knapp 20 Jahre Erfahrung als Pyrotechniker: „Wir zünden zur Sicherheit solche Feuerwerkskörper elektrisch aus 50 bis 100 Metern. Die Abbrennzeit dieser Zündschnüre liegt bei 300 Meter pro Sekunde.“

Die Feuerwehr Kreisbrandrat Rudolf Mieling sieht es ebenfalls kritisch, dass dieses Jahr in Deutschland kein Feuerwerk verkauft wurde: „Wenn legal keine Feuerwerkskörper angeboten werden, dann kaufen die Menschen welche aus dem Ausland – die sind dann vielleicht gefährlicher.“ Eine weitere Gefahr bestehe, wenn Feuerwerkskörper vom Balkon gezündet werden und so schnell auch mal in die Wohnung fliegen.

Feuerwehrkräfte im Donau-Ries-Kreis sind jederzeit einsatzbereit

Die freiwilligen Feuerwehrkräfte sind auch in dieser Silvesternacht jederzeit einsatzbereit. Brennende Hecken oder Personen, die sich leicht mit Feuerwerkskörpern verletzt haben – die vergangenen Jahre rückte die Feuerwehr dem Kreisbrandrat zufolge nur zu kleineren Einsätze an Silvester aus. Mieling hofft, dass das so bleiben wird. Er bittet um Vorsicht und fügt mit einem Lachen hinzu: „Auch die Feuerwehrmänner und -frauen feiern Silvester gerne zu Hause im Kreis der Familie.“

Die Polizei Polizeihauptkommissar Stephan Roßmanith spricht von einer „Wundertüte“ für die Beamten, die in der Silvesternacht im Einsatz sind: „Diese Situation hatten wir auch noch nie. Von nichts zu tun bis zu 24 Stunden im Einsatz ist alles möglich.“ Eingesetzt werden am 31. Dezember so viele Einsatzkräfte wie in den vergangene Jahren. Anstatt Unfällen unter Alkoholeinfluss, Streitereien auf großen Partys und Sachbeschädigungen durch Feuerwerkskörper, kontrollieren die Beamten, dass die Menschen nicht gegen die Beschränkungen verstoßen.

Für möglich hält Roßmanith es auch, dass es vermehrt Anrufe von „sehr aufmerksamen Nachbarn“ geben könnte, die ein reges Treiben bei Anwohnern beobachteten. Mit solchen Fällen musste sich die Polizei in den vergangenen Monaten immer wieder beschäftigen. Roßmanith rät davon ab, nach 21 Uhr noch unterwegs zu sein und sich dafür eine Ausrede zu überlegen. Das passiere immer wieder, aber oft entpuppe sich der „dringende Weg zu einer Apotheke“ schnell als leicht identifizierbare Lüge.

Polizei im Landkreis Donau-Ries will „niemandem den Spaß verderben“

Für die Silvesternacht bittet der Polizeihauptkommissar um Verständnis: „Wir möchten niemanden den Spaß verderben, sondern der Grund für diese Maßnahmen ist, sich selbst und die Bevölkerung nicht zu gefährden.“

Sein Kollege Hartmut Vogt von der Polizeiinspektion Rain sieht das ähnlich: „Ich hoffe, dass sich die Menschen an die Vorgaben halten, auch wenn das für manche schwer sein wird.“ Letztendlich sei das aber noch unklar. Die vergangenen Jahre sei es relativ ruhig gewesen und es habe keine größeren Einsätze gegeben. Vogt arbeitet am 31. Dezember und hofft auf eine ruhige Schicht, doch er fügt hinzu: „Silvester ist alles möglich.“ Zuhause, im Garten zu knallen, etwa mit vorhandenen, legalen Raketen, sei indes kein Problem – da es kein generelles Böllerverbot im Landkreis gebe, wie Stephan Roßmanith erklärt. Nur im öffentlichen Bereich besteht dieses.

Der Rettungsdienst Ausgangsbeschränkungen, Böllerverbot auf öffentlichen Plätzen und keine großen Partys hin oder her: „Auch an Silvester ist der Rettungsdienst 24 Stunden besetzt, so wie die restlichen 365 Tage im Jahr“, sagt Arthur Lettenbauer, der Kreisgeschäftsführer des Roten Kreuzes in Nordschwaben. Für dieses eingeschränkte Silvester erwartet Lettenbauer, dass es weniger Einsätze geben werde, sicher sei das natürlich nicht.

BRK-Geschäftsführer hat eine Bitte an die Bevölkerung

In den vergangenen Jahren sei der Dienst am 31. Dezember unterschiedlich abgelaufen. Manchmal sei es ruhig gewesen, andere Male fuhren die Rettungskräfte die ganze Nacht von einem zum nächsten Einsatz. Für dieses besondere Silvester 2020/2021 hat Lettenbauer einen Wunsch: „Die Menschen mögen sich doch bitte an die Schutz- und Abstandsregeln halten. Nur so können wir es aktuell gemeinsam schaffen.“

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