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Donauwörth/Wemding

03.01.2021

So hart trifft die Pandemie die Museen in Wemding und Donauwörth

Lamellenvorhänge, von Annette Steinacker-Holst farbenfroh bemalt, sind Teil der aktuellen Outdoor-Ausstellung unter dem Titel „Einblicke von außen“ im Schaufenster des KunstMuseums in Wemding.
Bild: Andrea Hammerl

Plus Auch die Museen müssen derzeit geschlossen bleiben. Doch es fehlen nicht nur die Besucher, sondern auch das Flair. Aber die Verantwortlichen zeigen Kreativität.

Wer, wenn nicht moderne Künstler, sollte kreativ werden, wenn die äußeren Umstände zu Veränderungen zwingen? Das Museum muss geschlossen bleiben? Dann gibt es eben eine Outdoor-Ausstellung unter dem logischen Titel „Einblicke von Außen“. Trotz Lockdown, Museumsschließung und zahlreicher ausgefallener Kurse ist es Annette Steinacker-Holst im KunstMuseum Wemding nicht langweilig geworden. Sobald Lockdown angesagt war, stellte sie – beziehungsweise der Verein der Freunde des KunstMuseums – verschiedenen regionalen und überregionalen Künstlern das Atelier sowie Material zur Verfügung und übernahm die Nebenkosten.

Entstanden sind Werke für große Schaufensterflächen im Erdgeschoss des ehemaligen Möbelhauses, die von Außen zu besichtigen sind. Aktuell sind das „Familie“ von Robert Müller-Moa, abstrakte blaue Formengebilde von Christine Fuchs aus Ingolstadt sowie ausgesprochen farben- und lebensfrohe, von Steinacker-Holst bemalte Lamellenvorhänge. Die 30 Jahre alten Baumwolllamellen haben den Vorteil, dass sie nur von einer Seite bemalt werden müssen, um beidseitig ein schönes Bild abzugeben. „Ich bemale alles, was weiß ist“, sagt sie augenzwinkernd.

Im Musuem in Wemding wurde vieles digital gemacht

Ansonsten wurde vieles digital gemacht. So illuminierte Steinacker-Holst gemeinsam mit Mitarbeiterin Ulrike Ruiter und Praktikantin Barbara Wolf Skulpturen der drei Wemdinger Künstler Ernst Steinacker, Johannes Engelbrecht und Manfred Laber. Der entstandene Rundgang, der die Skulpturen in ein ganz besonderes Licht setzt, kann auf Youtube angeschaut werden. „Das ist einfach eine Zeit, die man belichten möchte“, meint die Museumsleiterin, die sich als „eigentlich haptischen Menschen“ bezeichnet. „Das ist alles nur ein Ersatz“, sagt sie, „natürlich kann man das so machen, aber viel lieber biete ich Live-Führungen an“.

Das historische Figurenkabinett von Gerhard Holst besteht aus Wikingern, Römern, Griechen, Sagenfiguren wie Siegfried und Kriemhild, historischen Königen, Kaisern und ihren Gemahlinnen sowie Figuren wie Till Eulenspiegel.
Bild: Andrea Hammerl

Sie macht, was geht, denn die Kunst soll nicht verloren gehen in den Wirren des Lockdowns. Zum Internationalen Museumstag entstand ein Video, das im Netz zu sehen ist. Das Kinderkulturcamp fand nur abgespeckt mit weniger Teilnehmern statt, die corona-sicher über die drei Ebenen des 4600 Quadratmeter großen Museums verteilt und weder verköstigt wurden noch übernachten durften.

Neues Leben für das Fotolabor im KunstMusuem in Wemding

Was die Künstlerin sehr bedauert, denn so ging nicht nur viel vom Flair verloren, sondern es fehlte auch der Austausch der Gruppen untereinander. Was sie durch ein Video für die Teilnehmer ein wenig kompensierte. Videos wurden auch mit einem Chor aus Ghana ausgetauscht, der nicht kommen durfte. Während des Lockdowns entstand mit Grafiker Willi Halbritter eine neue Druckwerkstatt und das jahrelang brachliegende Fotolabor wurde von Dorothee Mirbach-Kirchhoff und Katrin Klemme zu neuem Leben erweckt.

Sehr enttäuscht war Steinacker-Holst, dass die Rieser Kulturtage sowie alle Schüler-Workshops ausfallen mussten. Die Besucherzahlen und Workshops sind zwar um zwei Drittel zurückgegangen, unter anderem weil keine Schulklassen kommen durften, dennoch sieht sie auch Positives. „Ich hatte schöne Führungen, die Leute waren richtig hungrig, das war intensiver als sonst“, erzählt die Künstlerin und blickt nach vorne, auf das inklusive Schreib-Kunst-Projekt „Die Wortfinder“, das Nordschwäbische Literaturfestival, den geplanten Rieser Poetry-Slam, das historische Figurenkabinett und die Kulturtage. Denn „das Leben ist ein Wunder“, findet sie, „und Kunst notwendig, es lebendig zu halten“.

Weniger als die Hälfte an Besuchern im Käthe-Kruse-Museum

Um mehr als die Hälfte sind die Besucherzahlen im Käthe-Kruse-Museum in Donauwörth zurückgegangen. „Wir hatten circa 4500 statt wie üblich 10.000 bis 15.000 Besucher“, sagt Museumsleiter Thomas Heitele, der heuer eher mit 15.000 gerechnet hatte. Wobei er einräumt, dass solche Schätzungen schwierig sind, „weil man selber immer meint, man hätte eine supertolle Sonderausstellung“.

Im Käthe-Kruse-Museum in Donauwörth sind die Besucherzahlen auf weniger als die Hälfte zurückgegangen.
Bild: Andrea Hammerl

Die im Sommer eröffnete Ausstellung „Puppe I – Hemdmatz, Fritz und Margaretchen“ bleibt nun bis Ende Februar stehen. Sie kam bislang auf 2600 Besucher, die Vorjahres-Sommerausstellung brachte es auf 4300. Die für Herbst 2020 geplante Ausstellung über Annemarie von Jakimow-Kruse, Käthe Kruses Stieftochter, wurde dafür um ein Jahr verschoben. Von Samstag, 8. Mai, bis Sonntag, 26. September, wird die neue Sonderausstellung „Vom Kruse-Haus nach Titiwu – Max Kruse zum 100sten Geburtstag“ zu sehen sein.

Winter-Sonderausstellung in Donauwörth war noch erfolgreich

Gestartet war das Puppenmuseum in das Jahr 2020 mit der Winter-Sonderausstellung „Die Puppe Friedebald“, die eine gute Bilanz aufwies und Ende Februar wie geplant zu Ende ging. Dann kam Corona und die Lockdowns sowie zusätzlichen Auflagen führten dazu, dass aus ursprünglich 212 Öffnungstagen am Ende nur 147 wurden, zudem durften sich nur Einzelpersonen oder Familien in einem Raum aufhalten, weil die Museumsräume so klein sind.

Die Sonderausstellung in Donauwörth lief bis Ende Februar gut.
Bild: Andrea Hammerl

Komplett weggebrochen sind die Reisegruppen, die Donauwörth vor allem in Frühjahr und Herbst regelmäßig anfahren und auch dem Käthe-Kruse-Museum gute Besucherzahlen bescheren. „Corona hat zugeschlagen“, sagt der Museumsleiter, „der August war noch ein guter Monat mit mehr als 900 Besuchern, aber alles Einzelpersonen, keine Gruppen“. Dass die Zahlen dennoch relativ gut waren, hat mit dem hohen Engagement des Personals zu tun, dass Anmeldelisten führte, ein Einbahnsystem erstellte und unter erschwerten Bedingungen arbeitete. „Das war alles eine Wahnsinnsarbeit“, erzählt Heitele, „aber wir haben das gerne gemacht“.

Keine Probleme mit Verstößen gegen die Maskenpflicht

Zwei Aushilfskräfte wurden zusätzlich eingestellt, um die Eingänge zu überwachen und so das Museum offenhalten zu können. Probleme mit Besuchern, die sich nicht an die Maskenpflicht oder andere Auflagen halten wollten, gab es nicht, „kein einziges Mal“. Insgesamt war Donauwörth sehr gut besucht, was Heitele auf das „Programm für Daheimgebliebene“ von Ulrike Steger von der Touristinfo zurückführt, die frühzeitig eine Broschüre veröffentlicht hatte.

Davon profitierte auch sein Museum, allerdings ließen sich die ausgebliebenen Gruppen nicht ausgleichen. „Schade um die Mühe, die wir uns mit der Sonderausstellung gemacht haben, die wir nun nicht mehr zeigen können“, bedauert Heitele, der schon damit rechnet, dass die Museen bis ins Frühjahr hinein nicht öffnen dürfen.

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