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Landkreis Donau-Ries

09.07.2015

So heftig traf das Unwetter die Region

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7 Bilder
Ein Teil des Dachs eines Betriebsgebäudes der Firma Märker krachte auf zwei Lkw-Silozug-Auflieger.
Bild: Widemann

Abgedeckte Dächer, schwere Hagelschauer, umgeknickte Bäume - und auch manche Züge können nicht wie gewohnt waren. Das ist die Bilanz vom Dienstagabend.

Das Unwetter am späten Dienstagabend hat Teile der Region schwer getroffen. Besonders in Harburg sind schwere Schäden zu verzeichnen. Diese haben auch Folgen für den Bahnverkehr: Zwischen können aktuell Donauwörth und Möttingen keine Züge fahren. Die Gewitterfront wütete im Harburger Stadtgebiet vor allem im Bereich des Märker-Werks.

Dort deckte eine Windböe mitten in der Fabrik wohl kurz vor 22 Uhr von einem Gebäude, in dem sich Garagen und die Registratur befinden, die Hälfte des Trapezblechdachs ab. Es handelt sich um ein etwa 400 Quadratmeter großes Stück samt Dachbalken. Ein Teil davon fiel unmittelbar neben dem Bauwerk wieder herab und begrub zwei Lkw-Silozug-Auflieger unter sich. Ein anderer Teil des Dachs stürzte direkt auf die Oberleitung der Bahngleise der Strecke Donauwörth – Nördlingen und ein weiterer Teil landet nach schätzungsweise 60 Metern jenseits der Gleise. Durch die Trümmer wurde die Oberleitung auf mehreren hundert Metern niedergerissen. Auch ein Stahlmast wurde geknickt. Mit der Oberleitung wurde auch ein Glasfaserkabel der LEW durchtrennt. Verletzt wurde niemand. Beschäftigte aus dem Werk, in dem rund um die Uhr gearbeitet wird, bemerkten den Schaden und schlugen Alarm. Die Feuerwehr rückte mit etwa 30 Mann an, konnte aber angesichts des Schadens nichts machen. Nach Angaben des technischen Leiters Reinhold Ackermann wurden jedoch noch in der Nacht die Aufräumarbeiten in die Wege geleitet. Experten der Deutschen Bahn machten eine erste Bestandsaufnahme.

Am Mittwochmorgen gegen 4 Uhr rückte das Technische Hilfswerk aus Donauwörth mit einem Dutzend Kräften an und machte sich mit Beschäftigten des Unternehmens daran, die Trümmer zu beseitigen. Dabei kam auch ein großer Autokran zum Einsatz. Das Aufräumen wird wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Einem Verantwortlichen der Bahn zufolge werden die Gleise – so die grobe Prognose – voraussichtlich zwei bis drei Tage gesperrt bleiben müssen. Seit dem Morgen fahren ersatzweise Busse auf der Strecke. Die Produktion im Märker-Werk ist durch die Gewitterschäden nicht beeinträchtigt. Der Schaden an dem betroffenen Betriebsgebäude wird der Polizeiinspektion Donauwörth zufolge aber auf rund 100 000 Euro geschätzt. Der Schaden an der Bahnanlage ist noch nicht beziffert, wird aber auf mindestens die gleiche Höhe taxiert.

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Von einem heftigen Hagelschauer heimgesucht wurde um etwa 22 Uhr unter anderem der Harburger Stadtteil Ronheim. Am Haus von Helma und Emil Karg schlugen von Westen her fast hühnereiergroße Eiskörner in die erst vor wenigen Jahren sanierte Fassade ein – und hinterließen Hunderte von Löchern. „Es hat gar nicht lange gedauert“, schildert Helma Karg. Auch drei Dachfenster, eine Glasscheibe am Vorbau der Haustür und ein Rollladen gingen zu Bruch. Die Hagelkörner beschädigten im Dorf weitere Dachfenster, Solaranlagen und Rollläden.

Teilweise verwüstet hat die Gewitterfront auch den alten Sportplatz in Ebermergen. Dort laufen gerade die Aufbauarbeiten für die „Summer-N-Joy-Party“ des Jugendtreffs am Wochenende. Eine Holzbude hielt dem Sturm nicht stand. Zaunelemente wurden bis zu 50 Meter weit geschleudert. Eines krachte gegen ein Fußballtor und knickte es. Von Eichen wurden große Äste abgerissen und trafen das alte Sportplatzgebäude. An gleicher Stelle hatte vor knapp zwei Jahren ein Orkan ein Zeltlager von Ministranten aus Gersthofen heimgesucht.

In Harburg war am Dienstagabend die Feuerwehr bis nach Mitternacht unterwegs und beseitigte unter anderem zwei umgestürzte Bäume. Auch die Wehren aus Mündling, Buchdorf, Daiting, Rögling und Tagmersheim hatten Einsätze zu absolvieren.

Glimpflicher als im Bereich um Harburg ging das Unwetter offenbar im Lechgebiet ab, doch dort gab es für die Rettungskräfte ebenfalls etwas zu tun. Wie die Polizeiinspektion in Rain meldet, wurde ein Umleitungsverkehrszeichen an der Bundesstraße 16 an der Abzweigung nach Oberndorf umgeworfen. In der Bayerdillinger Straße in Rain knickte ein Baum um. In Genderkingen wurde ebenfalls ein Baum in Mitleidenschaft gezogen. An der Kreisstraße DON 29 ragte ein Baum bis zur Fahrbahnmitte. Hier mussten jeweils die Feuerwehren die Hindernisse beseitigen.

Auch wer am Mittwoch in Nördlingen sein Auto zulassen wollte, der bekam möglicherweise die Folgen des Unwetters zu spüren, denn die dortige Zulassungsstelle verfügte nach Auskunft des Landrastsamts bis Mittag über keine Internetanbindung – das war übrigens an mehreren Stellen in der Stadt der Fall – deshalb waren Zulassungen nicht möglich. Eigentlich schließt die Stelle mittwochs um 12.30 Uhr. Gestern wurde aber wegen der besonderen Situation eine Ausnahme gemacht und am Nachmittag von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

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