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Landkreis-Donau-Ries

29.06.2020

So soll das Leben im Donau-Ries-Kreis digitaler werden

Der Landkreis Donau-Ries will die Digitalisierung – beispielsweise in den Schulen – weiter vorantreiben. Dazu wurde eine eigene Koordinierungsstelle am Landratsamt geschaffen, außerdem ist der Kreis in ein Förderprogramm des Freistaats aufgenommen worden.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus Behördengänge, Arbeiten, Nahverkehr, Unterricht zuhause – wenn das online funktionieren soll, braucht es Konzepte. Der Landkreis will sich der Aufgabe stellen.

Michael Bosse ist nicht nur Kreisrat der Freien Wähler, sondern auch „leidgeprüfter Vater“ in Sachen Homeschooling. Da geht es ihm wohl wie vielen anderen Papas, die plötzlich corona-bedingt nicht nur irgendwie auch Lehrer waren, sondern auch dafür sorgen mussten, dass es technisch lief.

Während der Schließung der Schulen wurden seine beiden Söhne digital unterrichtet – oder besser: Sie sollten auf digitalem Wege unterrichtet werden. Das Problem waren weder die Geräte, noch der Wille auf Seiten der Lehrer und Schüler. Vielmehr ging es darum, dass wohl nur ein Lehrer an der weiterführenden Schule seiner Buben überhaupt wusste, wie eine digitale Unterrichtsstunde rein technisch umzusetzen ist. „In Sachen Infrastruktur ist alles in Ordnung, aber die technische Betreuung in den Schulen läuft aktuell nur rudimentär“, so sein Fazit.

Bosse trifft mit seiner kleinen Anekdote, die er in der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Verkehr und Technologie des Landkreises erzählt, gleich einen wunden Punkt, wenn es um das große Thema der Digitalisierung geht. Ein Smartphone oder Tablet allein macht noch keinen digitalen Unterricht. Es braucht mehr.

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Neu geschaffene Koordinierungsstelle "Digitalisierung"

Was dieses „mehr“ genau ist, das soll Gabriele Theiler herausfinden. Sie ist die Leiterin einer neu geschaffenen Koordinierungsstelle Digitalisierung im Landratsamt. „Schwierige Projekte zu leiten, ist eine meiner Kernkompetenzen“, sagt sie, als sie sich und ihre Arbeit den Kreisräten vorstellt und schickt zwei Botschaften mit: Digitalisierung auf dem Land in all seinen Facetten ist eine Mammutaufgabe. Und: Sie hat davor nicht unnötig viel Respekt.

Wie also kann der digitale Wandel in den kommenden drei bis fünf Jahren im Landkreis aussehen? Und welche Schnittstellen müssen gebildet werden, damit die einmal gesetzten Ziele auch sinnvoll umgesetzt werden können?

Es gibt ein Förderprogramm

Noch gibt es auf diese beiden Fragen keine Antworten. Aber es gibt Hilfe, um diese zu finden. Theiler hat dazu eine gute Nachricht im Gepäck: Der Donau-Ries-Kreis ist einer von drei Landkreisen, die ins Förderprogramm Digitalisierungskonzept des Freistaates Bayern aufgenommen wurden. „Wir vertreten hier den Regierungsbezirk Schwaben“, so Theiler. Konkret bedeutet die Förderung, dass der Landkreis nun von einer professionellen Agentur beraten und mit finanziellen Mitteln in Höhe von 15000 Euro unterstützt wird, um die organisatorischen Grundlagen zu bilden, das Themenfeld Digitalisierung strategisch anzugehen.

Es sollen Ziele in vier bis fünf Bereichen erarbeitet werden, die bis 2023 umgesetzt werden. „Wenn das steht, dann haben wir einen Plan“, sagt Theiler. Bis Ende des Jahres soll das Strategiepapier mit Experten und den Kreisräten des Unterausschusses Digitalisierung erarbeitet werden. Die Auftaktveranstaltung wird live ins Netz gestreamt und ist per Chat mitzugestalten – richtig digital eben.

Die wichtigsten Themen und Anliegen

Mögliche Themen, worum sich der Landkreis als erstes kümmern soll, schlugen die Kreisräte auch gleich vor. Schule und Bildung ist nicht nur ein Anliegen des Freien Wählers Michael Bosse. Auch Peter Moll (SPD) sieht hier enormen Handlungsbedarf. Steffen Höhn von der CSU forderte gleich ein, im Kindergarten bereits damit zu beginnen, digitales Denken zu vermitteln und die Menschen darin zu schulen, die Digitalisierung für sich sinnvoll zu nutzen. „Es geht nicht darum, die analoge Welt in die digitale zu übertragen“, so der Nördlinger.

Gabriele Theiler bremste dies Ideen insofern aus, dass natürlich das Kulturministerium für den Lehrplan zuständig sei. Dennoch könne man sich überlegen, was parallel dazu umzusetzen sei – beispielsweise Schulungen zu organisieren.

Landrat Rößle informierte an dieser Stelle, dass ein neues Bildungsprogramm des Bundes im Hinblick auf digitalen Unterricht in Corona-Zeiten aufgelegt wird, das die Schulung von Multiplikatoren übernehmen soll. Dennoch dürfe das nicht zu lange dauern, mahnte er an. Zumal es auch darum gehe, die Frage zu klären, wer sich um die technische Wartung der Geräte kümmert.

An jeder Schule einen Experten für technische Ausstattung

Eva Lettenbauer von den Grünen forderte, dass es an jeder Schule nicht nur einen Hausmeister, sondern auch einen zuständigen Experten für technische Ausstattung geben müsse. „Entsprechende Anträge im Landtag gibt es bereits“, berichtete die Kreisrätin aus Reichertswies, die auch im Landtag sitzt und Chefin der bayerischen Grünen ist. So überraschte es nicht, dass sie beim Thema Digitalisierung vorschlug, vor allem die Mobilität in den Fokus zu rücken. „Gerade auf dem Land mag vernetzte Information viel bringen. Eine App ist sinnvoller, als in vielen Fahrplänen für Bus und Bahn zu wühlen“, sagt Lettenbauer. Auch das Thema Energie würde sich in ihren Augen gut für ein Projektziel eigenen.

Birgit Rössle rückte die Bedürfnisse der Handwerksunternehmen in den Fokus, während Mertingens Bürgermeister Veit Meggle die Digitalisierung der Behörden vorangetrieben sehen möchte. Mark Tanner von der FDP verwies auf den Punkt des Datenschutzes.

Koordinatorin Garbiele Theiler nahm alle Ideen dankbar auf und blieb angesichts der Mammutaufgabe optimistisch: „Ich habe Lust auf Zukunft und hoffe, viele Erfolge präsentieren zu können.“

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