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10.07.2020

So sollen Badeseen sicherer werden

Die Gemeinde Münster will für ihren Bauernweiher das Zertifikat „Lifeguarded Beach“ erwerben. Auch die Gemeinden Oberndorf, Genderkingen, Bäumenheim und Tapfheim streben dieses Prädikat für ihre Gewässer an.
Bild: Manuel Wenzel

Plus In diesen sommerlichen Tagen zieht es viele an die Badeseen im Landkreis. Dabei muss es vor allem um Sicherheit gehen. Kommunen wollen ihre Badeweihern zu "bewachten Stränden" machen.

Ideales Sommerwetter für Baggerseefreunde: Wenn sich die Werte auf dem Thermometer um die 30 Grad einpendeln, die Sonne vom nahezu wolkenlosen Himmel herunterbrennt, suchen viele das kühle Nass der Seen im Landkreis. Eines jener Gewässer, die sich in diesen Tagen großer Beliebtheit erfreuen, ist beispielsweise der Bauernweiher bei Münster. Dort hat die Gemeinde mit Liegewiese, aufgeschottertem Uferbereich, einer Flachzone, schwimmender Plattform und mehr ein Naherholungsgebiet geschaffen, das nicht nur bei den Einheimischen ein gerne angestrebtes Freizeitziel ist.

Am Rande allerdings prangt eine knallrote Box, die auch Signal dafür ist, dass bei allem Vergnügen zu jeder Zeit die Sicherheit oberstes Ziel sein muss. Unter dem runden Kunststoffdeckel verbirgt sich ein Rettungsring für den Notfall.

Der Bauernweiher soll ein Zertifikat erhalten

Damit dieser Ernstfall aber wenn möglich erst gar nicht eintritt, will die Gemeinde Münster weiter größtmögliche Vorsorge treffen. Sie will den Bauernweiher zertifizieren lassen. Gemeinsam mit den Gemeinden Bäumenheim, Tapfheim, Genderkingen und Oberndorf, die ebenfalls für ihre Seen das offizielle Gütesiegel „Lifeguarded Beach“ (bewachter Strand) anstreben, wollen sie einen Gutachter kommen lassen, der die Gewässer unter dem Aspekt der Sicherheit unter die Lupe nimmt. Diese Kommunen sind nach Auskunft des Wasserwacht-Kreisverbands die ersten im Donau-Ries.

So sollen Badeseen sicherer werden
Auch in Zukunft soll man am Baggersee in Münster sicher baden können.
Bild: Manuel Wenzel

„Lifeguarded Beach“ ist ein Prädikat des europäischen Dachverbands ILSE (International Life Saving Federation of Europe), das an Städte und Gemeinden vergeben wird, die ihre Gewässer einer eingehenden Risikoanalyse unterzogen und entsprechende Maßnahmen zur Absicherung getroffen haben.

Grundlage dafür ist ein Kriterienkatalog, der unter anderem Größe, Beschaffenheit, Nutzung und Aktivitäten – sowohl an Land als auch zu Wasser – beurteilt. Dabei werden mögliche Risiken, die in dem Gebiet auftreten können, und die bereits getroffenen Vorkehrungen zur Minimierung der Gefahren analysiert. So zum Beispiel die vorhandenen Einrichtungen des Wasserrettungsdienstes, spezielle Hinweistafeln, Signale und Zeichen wie auch Zugänge für den Rettungsdienst.

Verhindern, dass Badeseen gesperrt werden

Ziel der Zertifizierung ist es, wie Rolf Bergdolt, der DLRG-Vorsitzende für den Bezirk Schwaben sagt, „dass unsere Badestrände und -seen nutzbar gehalten und optimiert werden und nicht, wie derzeit vielfach auf juristischer Ebene versucht wird, diese aus Haftungsgründen zurückzubauen. Wenn ein Schwimmer plötzlich Probleme im Wasser bekommt, ist es eben zum Beispiel wichtig, dass es die Plattform im Weiher gibt, die er noch erreichen kann, anstelle unterzugehen.“

Bergdolt und sein Kollege Michael Haller, stellvertretender Vorsitzender der Kreiswasserwacht Nordschwaben, kritisieren das – wie sie sagen – Bestreben von Versicherungen, die sogenannte Verkehrssicherheitspflicht zu verschärfen. Zunehmende Auflagen hätten zur Folge, dass mancher Bürgermeister bestrebt ist, zu sagen: Wenn das so ist, mache ich den Badesee gleich zu.

Immer mehr Unglücksfälle beim Schwimmen

„Das kann nicht unser Ziel sein“, sagt Michael Haller. Wasserwacht und DLRG verfolgen eine andere Marschrichtung. „Wir sind vor ziemlich genau einem Jahr auf die Bürgermeister zugegangen mit dem Angebot, sie mit unserem Fachwissen zu unterstützen. Wir kommen gerne und schauen uns die gemeindlichen Badegewässer an.“ Die Wasserwacht ist zwar kein begutachtendes Organ, berät aber.

Sowohl Haller als auch Bergdolt bewerten die momentane Lage an Seen mit Sommer, Sonne, Party, Baden als – wie alle Jahre – kritisch. „Deutschlandweit kommt es zurzeit zu einer Häufung von Unglücksfällen beim Schwimmen“, haben sie registriert. Das liegt an verschiedenen Kriterien. Zum einen nehme die Schwimmfähigkeit der Menschen insgesamt seit Jahren ab, „weil vielerorts die Bäder fehlen, um schwimmen zu lernen“. Eine Erfahrung, bei der DLRG und Wasserwacht mit vielfachen Aktionen ansetzen. Zum anderen fehle jetzt in Corona-Zeiten, wenn Bäder nur eingeschränkt geöffnet sind, vielen die Übung und die Kondition. Nicht zuletzt können aus Gründen der Pandemie auch viele Schwimmkurse nicht stattfinden.

Die Gemeinde und Städte nicht alleine lassen

„Die Situation schießt gerade nach oben“, sagt Bergdolt. Er sieht Lösungsansätze bei den Kommunen, etwa durch die „Lifeguarded Beach“-Zertifizierungen. Mehr noch aber appelliert er an die übergeordneten politischen Stellen, „was beispielsweise den schwierigen Unterhalt der Bäder betrifft: Mit dieser Last kann man die Gemeinden und Städte nicht alleine lassen.“

Kleine, aber hilfreiche Accessoires bietet aktuell die Wasserwacht an: Schwimmbojen, die sich Badegäste um den Bauch binden. Sollte ein Schwimmer kollabieren und untergehen, wird durch die Boje die Stelle markiert, an der der Verunglückte unter Wasser treibt. So ist er schnell zu finden. Erhältlich sind diese Bojen an den Wochenenden zum Preis von 12 bis 25 Euro bei der Wasserwacht im Naherholungsgebiet Hamlar.

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