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19.02.2008

Spezialisten für das Besondere

Hinter unscheinbaren Türen liegt das Schlaraffenland: Der Duft von gerösteten Haselnüssen, Karamell und Schokoladencreme liegt in der Luft. Und Bonbon-Zuckermasse in den verschiedensten Farben auf den Tischen der Zuckerbäcker.

Die heißen heute zwar genau genommen Fachkraft für Süßwarentechnik, doch hinter der recht nüchternen Bezeichnung steckt immer noch ein faszinierendes Handwerk - auf das die Donauwörther Bonbon-Fabrik Edel nach wie vor großen Wert legt. Denn viele ihrer Produkte können industrielle Maschinen gar nicht herstellen.

Rudolf Fischer, seines Zeichens Bonbonkocher-Meister, und seine Kollegen kneten die heiße Zuckermasse, fügen die verschiedenfarbigen Bonbon-Teige zu aufwendigen Mustern zusammen und schaffen so Bonbons, die in ihrer Art weltweit nahezu einzigartig sind: die sogenannten Seidenglanz-Bonbons.

Bezeichnungen wie "Marillen-Zuckerl" oder "Vienna Melange" deuten bereits an, dass es sich bei den zart schimmernden Leckereien ursprünglich um Spezialitäten aus Österreich handelt. Sie werden dort aber längst nicht mehr hergestellt. "Uns ist niemand bekannt, der auch solche Bonbons macht", sagen Martin Lang und Thomas Wippel von der Geschäftsleitung. Sie exportieren die handgefertigten Süßigkeiten deshalb nicht nur in deren Herkunftsland, sondern mittlerweile in die ganze Welt.

Spezialisten für das Besondere

Märkte und Großhändler in ganz Europa, Korea und den USA gehören ebenso zur Kundschaft des mittelständischen Unternehmens wie das renommierte Luxus-Kaufhaus "Harrods" in England. Mit seinen Rosen- und Pfefferminzbonbons ist es dort außerdem quasi "königlicher Hoflieferant": Die Bonbons werden im Souvenirladen von Prinz Charles an seinem Sitz in Highgrove verkauft.

Für die trinkfreudigen Briten hat Edel sich noch eine weitere Spezialität einfallen lassen: Nur auf der Insel gibt es die "Hangover-Candies", Bonbons gegen den Kater am Morgen danach. Wie Martin Lang verrät, sind sie der absolute Bestseller im Königreich. Woraus sich die belebende Spezialrezeptur zusammensetzt, ist jedoch "streng geheim" - und ob sie auch deutschen Genießern munden würde zumindest fraglich. Denn: "Die haben einen ganz anderen Geschmack als wir", weiß Thomas Wippel. Nur Bonbons, die nach Bier, Knoblauch oder Fisch schmecken, sind hier wie dort nur als Scherzbonbons verkäuflich.

Ebenfalls länderübergreifend sei zudem der Trend zur Natürlichkeit, dem Edel mit zwei neuen Produktlinien begegnet: Insgesamt sieben Klassiker wie Multi-Vitamin-, Früchte- oder Alpenkräuter-Bonbons gibt es nun komplett zuckerfrei - obwohl einer der dafür verwendeten Rohstoffe paradoxerweise vollständig aus Zucker gewonnen wird. Im Gegensatz zu Produkten, in denen der Zucker durch künstliche Süßstoffe ersetzt wird, sind sie auch für Diabetiker geeignet.

Hinzu kommen Zahnfreundlichkeit, ein um 40 Prozent geringerer Kaloriengehalt sowie eine natürliche, milde Süße. "Zuckerfrei ist der Trend", sagt Thomas Wippel. Schon heute sei jedes dritte in Deutschland verkaufte Bonbon zuckerfrei.

Gesundheitsbewusste Genießer will die Firma außerdem mit einer neuen Bio-Linie gewinnen. Zwar wirke sich laut Martin Lang der derzeit spürbare generelle Bio-Boom im Bonbon-Bereich am wenigsten aus, das Geschäft sei jedoch nicht schlecht angelaufen. Trotz solcher Neuerungen betonen die beiden jungen Männer: "Wir wollen modernisieren, aber auch die Tradition weiterführen. Wir sind halt Spezialisten - und damit stehen wir auch ganz gut da."

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