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Donauwörth

11.10.2019

Stadt und Fluss näher zusammenbringen

An der Staustufe Donauwörth hat LEW Wasserkraft vor zwei Jahren einen etwa 20 Meter langen Abschnitt des Donauufers zugänglicher gemacht und naturnah umgestaltet. Ähnliche Maßnahmen sind in größerem Umfang auch im Projekt „CityRiver“ geplant.
Bild: Bleier, LEW

Die LEW und die Stadt Donauwörth starten das Pilotprojekt „CityRiver“. Dieses soll sogar europaweiten Vorbildcharakter haben. Nun ist der Startschuss gefallen.

Den Lebensraum Fluss im Stadtgebiet aufwerten – sowohl für Tiere und Pflanzen, als auch für Bürger und Besucher. Darum geht es beim Pilotprojekt „CityRiver“ in Donauwörth. Das Projekt an der Donau, das von LEW Wasserkraft und der Stadt sowie weiteren Partner umgesetzt wird, soll laut Pressemitteilung europaweiten Vorbildcharakter haben. Nun fiel der Startschuss für das Vorhaben.

Im städtischen Bereich seien Flüsse meist eingezwängt in ein schmales Flussbett zwischen steilen künstlichen Ufern. Dies führt laut LEW dazu, dass der Fluss für die Anwohner nur schwer erreichbar ist. Zudem gebe es in diesen Bereichen kaum geeignete Lebensräume für Fauna und Flora und es kommt häufig zu Eintiefungen des Flussbettes.

Maßnahmen sind nicht leicht umzusetzen

Maßnahmen zur Verbesserung dieser Situation sind meist nicht leicht umzusetzen, da im Stadtgebiet der Hochwasserschutz besonders berücksichtigt werden muss. Genau hier setze das Pilotprojekt „CityRiver“ in Donauwörth an. Es verknüpft diese vielfältigen Anforderungen und setzt Maßnahmen an der Donau im Stadtgebiet um.

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Das Projekt läuft bis 2023 und wird von „LIFE“, einem Programm der EU für Umwelt, Naturschutz und Klimapolitik, gefördert. Die Gesamtkosten für das Vorhaben belaufen sich auf rund vier Millionen Euro. Die EU übernimmt 55 Prozent der förderfähigen Kosten. An der Planung und Durchführung sind neben der Stadt und LEW auch die Mittlere Donau Kraftwerke AG (der Eigentümer des Wasserkraftwerks Donauwörth), die TU München, die Universität Innsbruck, der Fischereiverband Schwaben und die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt mit dem Aueninstitut Neuburg beteiligt.

Mehrere Ziele werden verfolgt

„CityRiver“ verfolgt mehrere Ziele: Zunächst wollen die Projektpartner die ökologische Situation der Donau im Stadtgebiet verbessern und Lebensräume für Flora und Fauna entwickeln. Gleichzeitig möchten sie den Fluss für die Anwohner wieder zugänglicher und „erlebbar“ machen, indem das Flussbett – wo möglich – aufgeweitet und die Uferbefestigungen angepasst werden. So werde der Fluss zum Naherholungsraum und das Bewusstsein für den Lebensraum gestärkt.

Auch das Thema Flusseintiefung werde betrachtet. So soll durch innovative Sicherungsmaßnahmen der Flusssohle und ein angepasstes Geschiebemanagement, also ein gezieltes Einbringen von Kies, die weitere Eintiefung verhindert werden. Alle Maßnahmen werden so geplant, dass sowohl die Lebensräume für Fische und der Hochwasserschutz verbessert werden. Eine zentrale Rolle im Projekt spiele auch die Beteiligung der Bürger, die unter Leitung der Stabstelle Stadtmarketing der Stadt intensiv in den Planungsprozess einbezogen werden sollen.

Projekt besteht aus drei Bausteinen

Das Projekt bestehe im Wesentlichen aus drei Bausteinen: Der erste Abschnitt umfasst die Mündung der Wörnitz in die Donau, den Donauspitz. Hier ist geplant, das Ufer abzuflachen, naturnah zu gestalten und über eine Treppe einen besseren Zugang zum Fluss zu schaffen. Zudem sollen an dieser Stelle Kiesbuhnen eingebaut werden: Kleine Dämme, die im rechten Winkel zum Ufer in den Fluss ragen. Diese werten die Gewässerstruktur auf und fördern die Dynamik der Donau.

Auch an der historischen Ufermauer bei der Donaupromenade soll sich etwas tun. An diesem zweiten Abschnitt werden eine naturnahe Treppenanlage und eine Bootsanlegestelle entstehen, an der Bootsfahrer und möglicherweise das Ausflugsschiff „Ulmer Schachtel“ wieder anlegen könnten. Hierfür wollen die Projektpartner die Flusssohle mit unterschiedlich großen Flussbausteinen belegen, sodass die weitere Eintiefung verhindert wird und die Boote an der Hafenmauer anlegen können. Durch Voruntersuchungen und Modellberechnungen werden die Spezialisten der TU München und der Universität Innsbruck die zur Bauweisen optimieren und ein angepasstes Monitoring-Programm für die Umsetzungsphase erarbeiten.

Der dritte und letzte Abschnitt betrifft die steile Uferböschung auf Höhe der „Wildnis“. Hier soll das Ufer abgeflacht werden, damit die Donau im Stadtgebiet für die Menschen erlebbarer wird und gleichzeitig wertvolle Laichhabitate für die heimischen Fischarten – wie Huchen und Nase – entstehen können. Daneben sollen auch Wechselwasserzonen für besonders spezialisierte Auenbewohner entwickelt werden. Hierzu erarbeiten die Experten vom Aueninstitut Neuburg und vom Fischereiverband Schwaben ein Gewässerentwicklungskonzept, das im Rahmen der offenen Planung und in Bürger-Dialog-Foren diskutiert und weiterenwickelt werden soll.

Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt

Alle Maßnahmen werden in Abstimmung mit dem Wasserwirtschaftsamt Donauwörth durchgeführt und auf die laufenden Planungen der Hochwasser-Schutzmaßnahmen für die Stadt angepasst. Nach dem positiven Bescheid der EU und dem offiziellen Startschuss beginnen die Projektpartner nun mit den detaillierten Untersuchungen und Konzepterstellung. Nachdem sie die ökologische und hydrologische Situation erfasst haben, werden Gewässerentwicklungskonzepte entwickelt. Die Bürger sollen dabei die Möglichkeit haben, ihre Ideen, Vorschläge oder auch Bedenken einzubringen. Erst danach wird mit der Umsetzung begonnen. Durch ein kontinuierliches Monitoring wird schließlich untersucht, ob die ökologischen Maßnahmen die gewünschte Wirkung erzielen und die Ziele erreicht werden.

„Wir möchten ‚unseren‘ Fluss, die Donau, wieder stärker in die Stadt integrieren. Im Projekt CityRiver sehen wir hier eine große Chance, da es Vorteile für Bürger und Besucher sowie Tiere und Pflanzen bringt“, so Oberbürgermeister Armin Neudert. Eine zentrale Rolle bei der weiteren Planung spiele die Beteiligung der Bevölkerung. „Wir wollen ein Projekt für die Bürger von den Bürgern. Uns geht es darum, Interessen auszuloten und einen offenen Dialog und konstruktiven Austausch mit allen.“

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