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Wemding

18.11.2019

Stadt will sich für Stromausfall rüsten

Nach dem Stromausfall im März durch einen Brand in der Schaltzentrale in Wemding musste der Energieversorger improvisieren.
Foto: Wolfgang Widemann

Plus Wemding möchte vorbereitet sein, sollte der Strom erneut ausfallen, vielleicht auch länger. Welche Fragen geklärt werden sollen.

Der rund sechsstündige Stromausfall Ende März in Wemding hat bayernweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Darauf verwies Bürgermeister Martin Drexler nun im Stadtrat. Erst kürzlich hatte Kreisbrandrat Rudolf Mieling den Kommunen empfohlen, sich auf diese Notsituation besser einzustellen und Vorsorgemaßnahmen zu treffen, gerade wenn die Elektrizität einmal länger und flächendeckend weg sein sollte (wir berichteten). An einem solchen Konzept arbeitet jetzt die Stadt Wemding.

Dort sind die Erinnerungen an jenen Abend im Dunkeln noch höchst präsent. Der Bürgermeister legte dar, viele positive Umstände hätten dabei geholfen, die Herausforderungen zu bewältigen, die durch den Stromausfall entstanden. „Es ist wichtig, dass wir auch vorsorgen“, sagte Drexler.

Die Kommune soll handlungsfähig bleiben

In den vergangenen Wochen hatte die Verwaltung mit einer Bestandsaufnahme begonnen und sich Gedanken gemacht, wo und wie Maßnahmen ergriffen werden können. Damit wolle man erreichen, dass die Kommune handlungsfähig bleibt, erklärte VG-Mitarbeiter Robert Weng in der Sitzung.

Weng stellte einige Erkenntnisse vor. So scheine die Versorgung mit Trinkwasser bei einem Zusammenbruch der Stromversorgung zunächst „relativ sicher“ zu sein. Der Hochbehälter, über den die Haushalte in der Stadt ihr Trinkwasser bekommen, verfüge über eine Notstromversorgung. Beim Abwasser sehe man schon eher Handlungsbedarf. So wäre es sinnvoll, die Kläranlage bei Rudelstetten – dorthin fließt unter anderem das Wemdinger Abwasser – kompatibel für Notstrom zu machen.

Notunterkünfte in Feuerwehrhaus und Stadthalle?

Als mögliche Notunterkünfte würden sich das geplante neue Feuerwehrhaus und die Stadthalle in Wemding anbieten. Das Gebäude der Verwaltungsgemeinschaft sollte nach Ansicht der Verwaltung zum Teil mit Notstrom versorgt werden können, um beispielsweise das Bürgerbüro betreiben zu können. Zu klären sei auch die Frage, wo der Krisenstab unterkommen und wer diesem angehören könnte.

Die Kommune möchte zudem bei der Druckerei Appl vorstellig werden und abklären, ob im Ernstfall dort einige Räume mitgenutzt werden könnten. Hintergrund: Das Unternehmen verfügt über eine eigene Stromzuleitung des Versorgers EnBW und war im März auch als einziger Komplex in Wemding nicht von dem Stromausfall betroffen.

Experte: Teufel steckt im Detail

Stadtrat Franz Lachner (CSU), der durch seine berufliche Qualifikation mit dem Thema Strom bestens vertraut ist, erklärte, bei einem Stromausfall beziehungsweise bei möglichen Vorsorgemaßnahmen „steckt der Teufel im Detail“. Es sei genau zu betrachten, welches Gerät wie viel Strom braucht. Mit drei Kilowatt könnten sechs Computer betrieben werden, aber nur ein Warmwasser-Boiler. Müsste der Strom mit einem Aggregat erzeugt werden, wäre dafür jeweils ein Liter Diesel pro Stunde nötig. Lachner dazu weiter: „Der Knackpunkt ist die Menge Sprit, die man zur Verfügung hat.“ Nach sechs bis sieben Stunden bräuchte man viele hundert Liter Kraftstoff, um die Aggregate weiter am Laufen zu halten. Freilich gibt es in Deutschland nur ganz wenige Tankstellen, die über eine eigene Notstromversorgung verfügen. Deshalb sei es ratsam, zu wissen, wo wie viel Diesel gelagert wird.

Stadt informiert sich über mobiles Aggregat

Hans Ludwig Held (CSU) sprach sich dafür aus, dass sich die Stadt ein mobiles Notstromaggregat anschafft. Man habe aus dem Stromausfall im März „ganz viel gelernt“, merkte Bernd Schneid (SPD) an. Es seien gerade die ganz einfachen Fragen, die schwierig zu beantworten seien, wie zum Beispiel: Sind Schule und Kindergärten morgen auf? Werner Waimann (Grüne) zeigte sich überzeugt: „Wir werden einige Sachen besser machen.“

Dritter Bürgermeister Gottfried Hänsel begrüßte das Notfallkonzept, beruhigte aber auch mit Blick auf einen Stromausfall: „Man kann mit etwas Vernunft ein bis zwei Tage bewältigen. Da geht die Welt nicht unter.“

Am Ende sprachen sich die Räte einstimmig dafür aus, weiter an dem Stromausfall-Konzept zu arbeiten, die Kosten für ein mobiles Notstromaggregat zu ermitteln und bei Firmen anzufragen, ob die Kommune im Notfall Räume mieten oder Aggregate ausleihen könnte.

Dazu lesen Sie auch: Das Beispiel Wemding: Wenn nichts mehr funktioniert Stromausfall: Das Chaos vermeiden Experten: Mega-Blackout könnte auch Deutschland lahmlegen „Die gesamte Stadt ist dunkel“

Der Brand eines Stromaggregats hat in Wemding einen totalen Stromausfall verursacht. Bereitschaftspolizei, Rotes Kreuz und Feuerwehr sind vor Ort.
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Wemding und Umgebung nach Brand komplett ohne Strom
Foto: Alexander Millauer

Der „Schwarze Mittwoch“ in Wemding und seine Folgen

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