Newsticker
Corona-Zahlen: 10.810 Neuinfektionen und 294 neue Todesfälle
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Stephanie Schmidt: „Ich bin nicht Frau Bürgermeisterin“

Harburg

29.01.2021

Stephanie Schmidt: „Ich bin nicht Frau Bürgermeisterin“

Mit einem Lachen posiert Stephanie Schmidt auf der Steinernen Brücke in Harburg. Die gebürtige Großsorheimerin ist mit Christoph Schmidt, Bürgermeister in Harburg, verheiratet und hat mit ihm drei Kinder.
Foto: Klöpfer

Plus Der Mann an Stephanie Schmidts Seite ist seit Mai Rathauschef in Harburg. Sie will aber keine „Frau von“, sondern weiterhin „einfach Stephanie“ sein.

Sie stehen lächelnd an der Seite ihrer Männer, sind perfekt gestylt in Pumps und Kostüm und repräsentieren als deren Begleitung bei offiziellen Anlässen: First Ladies, die Gattinnen regierender Staatsmänner. Auch in unserem Landkreis gibt es – wenn man so will – First Ladies: jene Ehefrauen nämlich, die unseren führenden Kommunalpolitikern den Rücken gleichermaßen freihalten wie stärken. Doch entsprechen sie dem gängigen Klischee? In dieser Serie wollen wir sie vorstellen. Heute gibt es Antwort auf die Frage: Wer ist eigentlich die Stephanie Schmidt, deren Mann Christoph Schmidt Bürgermeister von Harburg ist?

Von Klischees hält Stephanie Schmidt nichts. Pumps hat sie zwar, aber die dürfen, außer für festliche Anlässe, getrost im Schrank stehen bleiben. Im Alltag trägt sie Jeans, wenn sie sich um ihre drei Kinder kümmert oder im Hotel Straussen in Harburg bedient. In den Supermarkt um die Ecke geht es kurz vor Ladenschluss auch spontan in der Jogginghose unter dem Mantel – zumindest bisher. „Nachdem Christoph Bürgermeister geworden ist, hat er gesagt, dass das jetzt nicht mehr geht“, verrät Stephanie Schmidt und lacht.

Nachdem ihr Mann Christoph Schmidt im März im vergangenen Jahr in der Stichwahl zum Bürgermeister gewählt worden war, hätten sie natürlich viele auf den neuen Posten ihres Mannes angesprochen, erinnert sich die 38-Jährige und fügt hinzu: „Manche haben mich am Anfang auch mit ‘Frau Bürgermeisterin‘ angesprochen. Ich habe darauf nur geantwortet, dass sie auch weiter Stephanie zu mir sagen dürfen.“

Sie arbeitet weiter als Bedienung im Hotel Straussen

In Gesprächen sei sie auch oft gefragt worden, warum sie nun noch weiter als Bedienung arbeite. Doch darauf hat sie eine deutliche Antwort: „Ich bin so, wie ich bin. Und ich will meinen Job, der mir Spaß macht, weiter machen. Schließlich bin nicht ich, sondern mein Mann ist Bürgermeister geworden.“ Im Hotel Straussen in Harburg bedient Stephanie Schmidt seit mehreren Jahren ein- oder zweimal die Woche.

Ursprünglich hat sie Friseurin in Donauwörth gelernt und danach bei Hama in Monheim gearbeitet. Viel Freude bereitet ihr nun der Job in der Gastronomie, bei dem sie auf nette Gästen und Kollegen treffe. Als Mutter von drei Kindern sei es auch mal gut, rauszukommen. Ihre Arbeit zu behalten, sei auch eine der Bedingungen gewesen, als sie mit ihrem Mann gemeinsam über die Kandidatur als Bürgermeister geredet habe, sagt sie. „Wir haben damals viele Gespräche geführt. Christoph hat gesagt, dass er es nur macht, wenn ich und die Familie dahinterstehen“, erklärt Stephanie Schmidt.

Christoph Schmidt: Vom technischen Redakteur zum Bürgermeister

Zuerst habe sie Bedenken gehegt, dass sich viel verändere, wenn er vom gelerntes Flugzeugbaumeister und technischen Redakteur zum Bürgermeister werde. Ihnen sei bewusst gewesen, dass es auch mal stressig werden kann. Stephanie Schmidt stand zu ihrem Mann, der daraufhin seine Kandidatur bekannt gab. Während des Wahlkampfs mit dem eigens gekauften Wohnmobil unterstützte Stephanie Schmidt ihren Mann, wo sie konnte „Ich hab ihm einfach den Rücken frei gehalten“, erinnert sie sich und zuckt mit den Schultern. Als Christoph Schmidt die Stichwahl gewann, freute sich die ganze Familie auf dem Sofa zu Hause, wo sie die Wahl aufgrund der Corona-Pandemie zu fünft verfolgte. „Uns war klar, das ist jetzt ein neues Kapitel“, blickt Stephanie Schmidt zurück auf den Moment.

Kennengelernt hat Stephanie Schmidt ihren Christoph auf einem Feuerwehrfest, als sie 20 Jahre alt war. „Christoph hat mir damals an der Bar seine Feuerwehrmütze zugeworfen und gesagt, dass ich sie ihm beim nächsten Feuerwehrfest wieder mitbringen soll. Genauso war es dann und seitdem sind wir zusammen“, erinnert sich Stephanie Schmidt.

Das Ehepaar aus Harburg hat drei Kinder

Mittlerweile hat das Ehepaar drei Kinder: Jannik, elf, Lara, neun, und den „Kleinsten“, wie die Mutter ihren fünfjährigen Sohn Jonathan, liebevoll nennt. Ihre Familie ist für die gebürtige Großsorheimerin wichtig. Ihre Eltern sowie ihr Bruder wohnen noch im Ortsteil der Stadt. Die Schwestern sind auch in der Nähe geblieben: Eine lebt in Harburg und die andere aktuell noch in Nördlingen, aber plant auch wieder nach Großsorheim zu ziehen.

Für die heimatverbundene Familie Schmidt hat durch das Amt des Bürgermeisters ein neuer Lebensabschnitt begonnen. Es gebe zwar Wochen, da sei er an keinem Abend zu Hause. In anderen Wochen habe er jedoch immer abends Zeit für die Familie und arbeite vielleicht noch etwas von zu Hause, erklärt Stephanie Schmidt.

Bisher kaum öffentliche Auftritte in Harburg

Doch zum Mittagessen komme ihr Mann in seinem neuen Job immer für eine Stunde nach Hause. Durch Corona seien zusätzlich viele Veranstaltungen ausgefallen, so hätten sie mehr Zeit zusammen, führt sie aus.

Durch die entfallenen Termine fanden bisher nur weniger Anlässe statt, zu denen Stephanie Schmidt ihren Mann begleiten konnte. Ihr erster und bisher fast einziger öffentlicher Auftritt gemeinsam war die Vereidigung ihres Mannes zum Bürgermeister. „Es war ein komisches Gefühl, aber es war schön“, sagt Stephanie Schmidt, obwohl es wirklich nicht ihr Ding sei, in der Öffentlichkeit zu stehen. Aber es war ihr wichtig, ihren Mann zu unterstützen, was sie sich auch in der Zukunft vorstellen kann. Gerne auch schick angezogen und in Pumps, aber eben nicht als „Frau Bürgermeisterin“, sondern als Stephanie Schmidt.

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren