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Rain

23.03.2020

Stichwahl in Rain: Bürgermeister oder Bürgermeisterin?

Symbolbild.
Bild: Manuel Wenzel

Plus In Rain fällt die Entscheidung zwischen Karl Rehm und Claudia Marb. Was liegt ihnen im Endspurt auf dem Herzen? Und wie wollen sie beim Wähler punkten?

Der erste Wahlsonntag vor eineinhalb Wochen brachte einen Favoriten hervor: Karl Rehm, der für die PWG antritt und FW und WVRST hinter sich weiß, hatte in der Wählergunst einen satten Vorsprung von fast zehn Prozent. 35,95 Prozent votierten für ihn, gefolgt von Claudia Marb (CSU), die 25,66 Prozent Stimmen erhielt. Daniel König (SPD) unterlag nur minimal (25,55 Prozent), während der vierte Bewerber um das Bürgermeisteramt, Hans Hafner (12,84 Prozent) klar aus dem Rennen ausschied. Die spannende Frage ist nun: Für wen entscheiden sich diesmal die König-Wähler und die Hafner-Sympathisanten aus der ersten Runde?

Rehm und Marb treffen sich also am kommenden Sonntag, 29. März, zumindest virtuell zum entscheidenden Duell wieder. Sie tun das in gegenseitigem Respekt und mit weitgehend deckungsgleichen Themen zur Stadtpolitik. Deshalb wird es spannend, wen die Mehrheit der Wähler letztlich auf dem Chefsessel im Rathaus haben möchte. Wir sprachen mit beiden Kandidaten auf der Zielgeraden zur Stichwahl noch einmal.

Karl Rehm bedankt sich einerseits für den großen Wählerzuspruch im ersten Durchgang, seine Freude ist aber getrübt, da die Stichwahl zunehmend von Corona überschattet wird. „Momentan erscheint die Bürgermeisterwahl in Rain geradezu nebensächlich“, sagt Rehm, „doch ist sie für unsere Stadt sehr wichtig!“

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Karl Rehm hofft auf eine hohe Wahlbeteiligung

Als erschwerend betrachtet er die Tatsache, dass den Wählern nur ein relativ kurzer Zeitraum für ihre Stimmabgabe bleibt. Er fürchtet: „Die Ausgangsbeschränkungen könnten Wähler abhalten die Wahlbriefe ins Rathaus zu bringen, obwohl dies ausdrücklich erlaubt ist.“ Er hofft dennoch auf hohe Wahlbeteiligung und so auf ein Ergebnis, das von vielen Bürgern getragen wird.

Was spricht für Karl Rehm als Bürgermeister? „Meine Lebens- und Berufserfahrung“, sagt der PWG-Kandidat. „Durch mein langjähriges Engagement in der Kommunalpolitik, mein Studium an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und meine berufliche Praxis in leitenden Positionen bin ich erfahren und qualifiziert für das Bürgermeisteramt.“ Aktuell leitet Rehm beispielsweise ein Millionenprojekt zur Verwaltungsmodernisierung für das bayerische Justizministerium.

Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit dem neuen Stadtrat

„Ich strebe eine gesunde Entwicklung unserer Stadt an und werde ein Klima schaffen, in dem Stimmen gehört, Bürger informiert und zur Mitarbeit in unserer Gemeinschaft aktiviert werden.“

Inzwischen ist ja auch bekannt, wie sich der neue Stadtrat zusammensetzt, dem der künftige Bürgermeister dann vorsteht. Auf die Zusammenarbeit mit diesem Gremium freut sich Karl Rehm sehr – optional als Bürgermeister, in jedem Fall aber als Teil des Gremiums, denn er ist als Stadtrat bereits gewählt. „Durch die Mischung aus erfahrenen und neuen Räten sehe ich reichlich Potenzial für positive Impulse und eine offene, bürgernahe und transparente Stadtpolitik“, ist Rehm überzeugt.

Karl Rehm kam im ersten Durchgang auf rund 36 Prozent.
Bild: Aschenmeier

„Das eröffnet auch die große Chance, ein Team zu formen, das hervorragend zusammenarbeiten wird. Ich stehe für ein Miteinander aller Gruppierungen. Die neuen Stadträte werde ich ermutigen, sich von Anfang an beherzt in die Diskussionen einzubringen.“ Rehm wünscht sich einen lebendigen Stadtrat mit engagierten und offenen Diskussionen.

Dankeschönkarten bei den Haushalten eingeworfen

Der Wahlkampf im Endspurt muss sich in der Corona-Krise auf ein Minimum beschränken. Karl Rehm hat gerade mal noch Dankeschönkarten bei den Haushalten eingeworfen. Auf mehr muss verzichtet werden. „Meine Homepage www.karlrehm.de wurde aktualisiert und die sozialen Medien werden für die Kommunikation genutzt“, erklärt er seine Erreichbarkeit. Aus Gründen der Nachhaltigkeit hat er zudem seine Plakate lediglich mit Papierdrucken überklebt.

Für Wahlkampf bliebe auch jetzt nicht viel Zeit, denn Rehm steht ja nach wie vor im Berufsleben und ist auch als Familienvater in der Verantwortung: „Für meine Familie ist die momentane Situation aufgrund des Coronavirus genauso herausfordernd wie für alle anderen. Ich hoffe nun die Tage vor dem Sonntag noch etwas abschalten zu können und werde wie viele von uns die Zeit zusammen mit meiner Frau und meinen Kindern zu Hause verbringen.“ Für Fragen steht er allerdings per Telefon oder E-Mail auch weiterhin gerne zur Verfügung.

Falls Rehm am Sonntag als Sieger hervorgeht, wird die Corona-Krise – davon geht er aus – auf jeden Fall seinen Amtsantritt als Bürgermeister begleiten. „Die Auswirkungen auf unsere Stadt vermag jetzt noch niemand vollständig zu überblicken. Zum Start ins Amt bin ich auf Krisenmanagement eingestellt. Die Initiativen unserer Bürger zur Nachbarschaftshilfe, die ich in meinem Wahlprogramm als ’Neues Miteinander’ oder „Gute-Taten-Börse“ beschrieben habe, gilt es, zu koordinieren. Die Lage unserer Betriebe und Händler ist zu ermitteln, der Haushalt der Stadt neu zu bewerten, die Handlungsfähigkeit der Verwaltung und ihrer Einrichtungen zu gewährleisten und gegebenenfalls auf neue Anforderungen auszurichten.“ Rehm will ohne längere Einarbeitungszeit „die Aufgaben entschlossen, aber mit ruhiger Hand anpacken“.

Claudia Marb geht ebenfalls mit gemischten Gefühlen in den kommenden Wahlsonntag: „Auf der einen Seite freue ich mich sehr und bin stolz, dass mir so viele ihr Vertrauen geschenkt haben, auf der anderen Seite haben wir mit dem Coronavirus eine noch nie da gewesenen Situation. Die Entscheidung muss aber am 29. März fallen, daher bitte ich natürlich noch einmal um das Vertrauen aller Rainer Bürger.“

Wodurch zeichnet sie sich aus als die richtige Bürgermeisterin für die Tillystadt? „Dadurch, dass ich sowohl für den Stadtrat das höchste Stimmenergebnis aller Kandidaten jemals bekommen habe, als auch mit dem besten Ergebnis aller aus dem Lechgebiet erneut in den Kreistag gewählt wurde (32848 Stimmen). Das zeigt mir, dass man mir vertraut“, sagt Claudia Marb. „Letztlich ist für viele Wähler doch die Frage entscheidend, zu wem sie lieber gehen würden, wenn sie ein Problem haben.“

Seit drei Jahren CSU-Ortsvorsitzende in Rain

Ihre Prämisse ist: Sie will zuhören und zusammenführen, sachlich, menschlich und auf Augenhöhe. „Diese Fähigkeiten wurden mir oft bei meinen Hausbesuchen geschildert, als gute Gründe, mich zu wählen. Das zeigt mir sehr deutlich, dass die Bürger mir vertrauen und es mir auch zutrauen. Meine Intuition, soziale Kompetenz und Flexibilität als Selbstständige sind in diesen unruhigen Zeiten von Vorteil, sowie meine gute Vernetzung als Kreisrätin, die für die Rainer Bürger auf höherer Ebene Vorteile bringt.“

Nicht zuletzt geht es auch um Führungskompetenz. Wie sieht sich Claudia Marb da aufgestellt? „Führungskompetenz habe ich vor drei Jahren bei der Übernahme der Verantwortung als CSU-Ortsvorsitzende bewiesen. Mut, Weitsicht und Beharrlichkeit bei der Aufstellung meiner Stadtratsliste, die letztendlich die meiste Zustimmung der Bürger erringen konnte.“

Sie hat ihr „Kümmerbüro“ sofort umgesetzt

Die Zusammensetzung des künftigen Stadtrats betrachtet die Bürgermeister-Kandidatin als große Chance. „Ich freue mich darauf, auch und gerade deshalb weil die Hälfte der Stadträte neu gewählt wurde.“ Diese Veränderung und Verjüngung freuen Claudia Marb, die sagt: „Im Wahlkampf sind fraktionsübergreifend sehr viele Ideen formuliert worden, diese gilt es nun in der neuen Periode bestmöglich abzuwägen und umzusetzen. Unsere CSU ist nun wieder stärkste Kraft im Stadtrat und vertritt dort mehr denn je die Interessen von Kernstadt und Stadtteilen. Allen voran wollen wir fraktionsübergreifend lösungsorientiert daran arbeiten, unsere schöne Stadt gemeinsam weiter voranzubringen.“

Claudia Marb erreichte die Stichwahl nur denkbar knapp.
Bild: Schellenberger

Da der Wahlkampf auf der Zielgeraden Corona bedingt auf Eis liegt, rückt vieles in den Hintergrund, womit sich Claudia Marb sonst in diesen Tagen beschäftigen würde. Anstatt nochmals persönlich direkt auf die Bürger zuzugehen, hat die CSU-Kandidatin ihre Idee des „Kümmerbüros“ sofort umgesetzt. „Die Gesundheit der Mitbürger hat für mich klare Priorität. Um die Versorgungssicherheit derer, die ihre Wohnung aktuell nicht verlassen können oder sollten, zu sichern und solidarisch zu helfen, habe ich mein Kümmerbüro, dass ich ursprünglich nächste Woche für zwei Tage eröffnen wollte, auf virtuelle Weise sofort umgesetzt.“

Eine einheitliche Linie mit dem gesamten Stadtrat

Dabei hat sie sich selbstverständlich auch mit der neu gegründeten Coronahilfe Rain vernetzt. „Auf www.kümmerbüro.de können sich Hilfesuchende und Freiwillige bei mir melden. In diesen Tagen und Wochen ist es viel wichtiger, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, als Wahlkampf zu treiben.“

Wenn Claudia Marb Bürgermeisterin wird, will sie in Zeiten wie diesen zunächst einmal gemeinsam mit dem gesamten Stadtrat eine einheitliche Linie finden, „um Rain und die Bürger gut und soweit wie möglich unbeschadet durch diese schwierige Phase zu lenken. Das Kümmerbüro steht Rede und Antwort bei jedem Anliegen. Und das ist heute noch viel wichtiger, als noch vor Kurzem gedacht. Jetzt ist nicht die Zeit für Symbolpolitik, sondern für schnelles und planvolles Handeln zum Wohle unserer Heimat.“

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