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Donauwörth

26.06.2015

Straathof zieht sich weiter zurück

Vor eineinhalb Wochen hat die Polizei die unter anderem den Reichertsweiler Hof bei Donauwörth durchsucht. Foto: Wolfgang Widemann

Eineinhalb Wochen nach großer Durchsuchungsaktion im Donau-Ries-Kreis gibt Unternehmer seine Firmenanteile ab. Wie es mit der Firma weitergehen soll.

Der umstrittene Schweinezüchter Adrianus Straathof hat sich nach massiven Vorwürfen der Tierquälerei von Behörden und Tierschützern weiter aus dem Unternehmen zurückgezogen. Nach der Aufgabe der Geschäftsführung im vergangenen Herbst habe der 60-Jährige nun auch seine Anteile an der Firma LFD Holding abgegeben, sagte der Berliner Rechtsanwalt Christian Graf Brockdorff als Treuhänder der Deutschen-Presse-Agentur. Ziel sei eine Neuausrichtung mit verbesserten Haltungsbedingungen in den Betrieben. Straathofs Schritt wurde gestern bekannt – eineinhalb Wochen nach einer großen Durchsuchungsaktion im Donau-Ries-Kreis.

Neben der Firmenzentrale in Sachsen-Anhalt nahm ein Großaufgebot an Veterinären, Zoll- und Polizeibeamten am 17. Juni die Ställe und Geschäftsräume des Ferkelerzeugers Straathof-Strehle in Augenschein. Auf dem Reichertsweiler Hof (Stadt Donauwörth) und auf Gut Sterbach (Gemeinde Amerdingen) hält das Unternehmen momentan rund 25000 Tiere – etwa 5000 Muttersauen und 20000 Ferkel.

Straathof geriet bereits vor geraumer Zeit ins Visier der Behörden. Der Landkreis Jerichower Land (Sachsen-Anhalt) hatte gegen den als „Schweinebaron“ bekannten Niederländer wegen Verstößen gegen den Tierschutz ein bundesweit gültiges Tierhaltungsverbot verhängt. Dieses konnte aber noch nicht durchgesetzt werden, weil Straathof beim Oberverwaltungsgericht Magdeburg gegen den sofortigen Vollzug erfolgreich vorging. Daraufhin hat der Landkreis Mitte Juni die Fortsetzung des Prozesses in der ersten Instanz beantragt.

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Im Herbst 2014 übernahm Heidrun Spengler-Knappe von Adrianus Straathof die Geschäftsführung. Ihr wurden nun als weitere Geschäftsführer der schleswig-holsteinische Landwirt Christian Heine und als kaufmännischer Geschäftsführer Andreas Jost zur Seite gestellt. Straathof soll als Mitglied eines Fachbeirats die LFD weiter unterstützen. „Er hat aber keinen Einfluss mehr auf operative Entscheidungen“, betonte Anwalt Brockdorff.

Schweine mussten sofort getötet werden

Heine erklärte, durch Umbauten in den Ställen und mehr Personal solle das Tierwohl verbessert werden. „Es hat in der Vergangenheit Fehler gegeben“, räumte Heine ein. Durch die baulichen Veränderungen und stärkere Kontrollen sollen Verletzungen der Tiere verhindert werden. Bei der jüngsten Aktion am Reichertsweiler Hof und auf Gut Sternbach stießen die Beamten nach Informationen unserer Zeitung auf rund ein Dutzend Schweine, die so schwer verletzt waren (und offenbar auch bereits vereiterte Wunden hatten), dass sie an Ort und Stelle von ihren Leiden erlöst werden mussten.

 Die Staatsanwaltschaft Augsburg möchte sich derzeit nicht zu der Durchsuchung äußern, die es in dieser Dimension in Bayern offenbar noch nicht gegeben hat, wie aus Behördenkreisen zu hören ist. Die Ermittler wollen erst die Unterlagen und die gesicherten Beweise auswerten und sich hierbei auch fachlichen Rat einholen. Die Firma LFD Holding bezeichnete das Geschehen am 17. Juni als überzogen.

Adrianus Straathof ist einer der größten Schweinezüchter Europas. In den fünf ostdeutschen Bundesländern sowie in Bayern gibt es insgesamt 18 Betriebsstätten. Die LFD-Tochterfirma Straathof-Strehle gilt als größter Ferkelerzeuger-Betrieb im Freistaat. Die Abkürzung LFD steht für Landwirtschaftliche Ferkel-Produktion Deutschland.

Nach Angaben des Unternehmenssprechers Dietrich Freiherr von Gumppenberg werden im gesamten Konzern jährlich bis zu 1,4 Millionen Ferkel produziert. Weitere Schweinezuchtanlagen unterhält Straathof in den Niederlanden und in Ungarn. (dpa/wwi)

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