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Harburg

07.10.2019

Stranguliert und lebendig verbrannt

Der Tagebucheintrag des Herkumbald Fröschl über die Hinrichtung von Martin Zink im Jahre 1618 in Harburg.
Bild: Gerhard Beck

Grausame Strafen wurden im 17. und 18. Jahrhundert verhängt. Archivar Gerhard Beck berichtet in Harburg über Kriminalfälle aus der Region.

Am 1. Oktober 1618 wurde der Harburger Metzger Martin Zink, zeitweise auch Ratsherr und Bürgermeister, zusammen mit Balthas Eiselin hingerichtet. Sein Verbrechen: Er hatte mindestens mit sechs Männern aus Harburg und Umgebung sexuelle Beziehung gehabt, im damaligen Sprachgebrauch „Sodomiterei“. Zink wurde lebendig verbrannt, Eiselin zuvor stranguliert. Die anderen Beteiligten wurden festgenommen und gegen Urfehdebriefe entlassen, also das eidliche Versprechen, das Land zu verlassen und auf Rache gegen die richtende Obrigkeit zu verzichten.

Es sind Fälle wie diese, die Gerhard Beck im Rahmen des Harburger Kulturherbst im Dürnitz-Saal auf der Harburg schilderte. Der passende Ort, denn die Burg diente einst als Gerichtsort.

Auch der Referent Gerhard Beck konnte sich wie bei einem „Heimspiel“ fühlen, denn er leitet die Fürstlichen Archive auf der Harburg. Er fungiert als Archivbetreuer des Landkreises Donau-Ries und ist seit kurzem neuer Vorsitzender des Vereins Rieser Kulturtage.

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Tod durch Enthaupten oder Ertränken

Nicht jeder erlitt im 17. und 18. Jahrhundert in der Grafschaft Oettingen gleich solch ein grausames Schicksal wie der Metzger und sein vermeintlicher Geliebter. Die damals üblichen Strafen waren vielseitig: vom Pranger bis zum „Aushauen mit Ruten“, dann die Todesstrafen, vom Enthaupten bis zum Ertränken. Geschehen ist das an den Hochgerichtsorten in der Grafschaft: Oettingen, Bissingen oder Harburg. Zum Gerichtsstandort Wallerstein gehörte als Richtstätte der Galgenberg in Marktoffingen, zu Schloss Alerheim die Richtstätte in Holzkirchen. Sie stellten einst ein für das Landschaftsbild prägendes Element dar, was wegen der Abschreckungswirkung durchaus gewollt war.

25 Hinrichtungen in Holzkirchen

Aus Amtsrechnungen, Urfehdebüchern, Tagebüchern und Leibeigenschaftsbüchern schilderte Beck zahlreiche Kriminalfälle, die ein besonderes Licht auf das Strafwesen im 17. und 18. Jahrhundert werfen. Hart geahndet wurden vor allem Verstöße gegen die seinerzeit herrschende Sexualmoral. In Holzkirchen kam es zwischen 1544 und 1741 zu 25 Hinrichtungen, unter anderem wegen Gotteslästern, „üblem Haushalten“, Kindsmord, Ehebruch, Unzucht, „Sodomiterei“ (damaliger Sprachgebrauch für Homosexualität). Unter Becks Fallbeispielen fanden sich überraschenderweise auch zwei Selbstmorde. Bei dem einen wurde die Leiche verbrannt und die Asche in die Wörnitz gestreut, im anderen Fall wurde der Tote in ein Fass geschlagen und so dem Fluss übergeben.

Fast unglaublich erscheint auch die Hinrichtung des Hans Heiß aus Trendel: Der 98-Jährige wurde wegen Unzucht mit seinem Pferd enthauptet und zusammen mit dem Tier verbrannt.

Gerhard Beck belegte mit seinem informativen und anschaulichen Vortrag eindrücklich, wie sehr sich Rechtsempfinden und Strafwesen seit der Frühen Neuzeit gewandelt haben. Übrigens wurden die drei Männer aus dem anfangs erwähnten Fall wieder in die Gesellschaft aufgenommen. Bereits im nächsten Jahr wurden sie gegen hohe Geldzahlungen begnadigt. Unter ihnen befand sich mit Hans Bieber, Schäfer in Rohrbach, auch ein Vorfahre des Referenten. Insgesamt zahlte das Trio laut Amtsrechnungen 550 Gulden, für damalige Verhältnisse eine Riesensumme.

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