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Otting 

05.09.2019

Streit um Ottinger Schlosstor

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Wem gehört das Torhaus des Schlosses Otting? Landtagsabgeordneter Wolfgang Fackler, Schlossbewohnerin und Petentin Dominique von Herzogenberg und ihr Anwalt Rainer Horsch (von links) trafen sich mit Vertretern der verschiedenen Ämter und den Vorbesitzern des Schlosses. CSU-Abgeordnete Petra Högl (rechts) war mit der Klärung der Petition beauftragt und extra aus Abensberg angereist.

Seit über 20 Jahren gehört dem Ehepaar von Herzogenberg der Ostflügel des Schlosses. Jetzt kämpfen sie für das von ihnen bewohnte Torhaus und fühlen sich von Ämtern enteignet. 

Idyllisch liegt das Schloss Otting an einem Fischweiher abseits des Dorfes. Die Zufahrt durch ein kleines Torhaus mit Kuppeldach wirkt einladend. Wer als Besucher hier des Weges kommt, kann nicht ahnen, dass um dieses Torhaus ein heftiger Streit entbrannt ist. Denn eine Frage scheint nur schwer zu klären: Wem gehört dieses Stück Schloss?

Dominique von Herzogenberg und ihr Mann Jury leben seit 1998 im Ostflügel. Sie haben den Teil des Anwesens von Karin Baumgartner gekauft und bewohnen seitdem auch das 32 Quadratmeter große Zimmer über der Schlosszufahrt. 2000 haben sie generalsaniert.

Unstimmigkeiten in den Akten fällt erst 2015 auf

2015 als das baufällige Torhaus baufällig mit aufwändiger Konstruktion abgestützt werden musste, fühlten sie sich zuständig und finanzierten die provisorischen Balken. Doch dann wurden sie von Ottings Bürgermeister Johann Bernreuther auf eine Unstimmigkeit in den Akten hingewiesen. Zwar herrschte wohl bis dahin die Gewissheit vor, die von Herzogenbergs seien Eigentümer des Torhauses. Doch die Grenzverläufe im relevanten Flurplan von 1998 zeigen, dass das Torhaus dem Hauptgebäude und nicht dem Ostflügel zugeschlagen ist, aktuell also dem direkten Nachbarn der von Herzogenbergs gehören soll. Dieser hat zwar keinen Zugang zum Turmzimmer und auch historisch und von der Nutzung her, ist der Grenzverlauf ein anderer. Doch die Pläne scheinen eindeutig.

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Schloss Otting
Bild: Barbara Würmseher

Bei einer Teilung des Gebäudes und Grundstückes 1996 hatte das Vermessungsamt die Grenze neu gezogen und den Flurbereinigungsplan von 1990 geändert. Da keine Einwände gegen diese Grenzziehung von den damaligen Besitzern und Verwaltern eingebracht wurden, ist dieser Plan seit 1998 rechtskräftig.

Für Dominique von Herzogenberg ist die Sachlage alles andere als nachvollziehbar. Sie will die „größte Enteignung aller Zeiten“ keinesfalls hinnehmen und kämpft seit vier Jahren für das Torhaus. Denn in den ihr vorgelegten Plänen und Kaufverträgen sei der Grenzverlauf nicht eindeutig abzulesen.

Petition in den Landwirtschaftsausschuss eingebracht

Da sie auf dem Amtsweg scheiterte, brachte sie eine Petition in den Landwirtschaftsausschuss ein. Sie möchte, dass der, in ihren Augen gemachte Fehler der Vermessung wieder rückgängig gemacht wird und die Grenze so verläuft, dass das Torhaus zu ihrem Schlossteil gehört. Um das zu erreichen, scheute von Herzogenberg keine Schritte. Sie schrieb an die Ministerpräsidenten Horst Seehofer und Markus Söder. Die Anliegen des Ehepaars wurden bereits in überregionaler Presse ausführlich geschildert.

Jetzt gab es einen Ortstermin. Die Abensberger CSU-Landtagsabgeordnete Petra Högl hatte nicht nur die Petentin und ihren Mann sowie deren Anwalt geladen, sondern auch sämtliche Vertreter des Vermessungsamtes, des Finanzministeriums, des Justizministeriums und den Donauwörther Abgeordneten Wolfgang Fackler (CSU) vor das Torhaus bestellt. Die Mitarbeiter der Ämter hatten Original-Pläne und Stapelweise Verträge und Unterlagen mitgebracht, um jegliche Unklarheiten und Unerkennbarkeiten auf Kopien auszuschließen. Und tatsächlich: Die im relevanten Flurplan verzeichnete Grenze verläuft auf der Ostseite der Durchfahrt – also nicht dort, wo das Ehepaar von Hardenberg sie gerne haben möchte.

Streit in Schloss Otting: Wer ist Besitzer des Torhauses?
Bild: Barbara Wild

Die Petentin nutze die Gelegenheit um beharrlich klar zu machen, dass sie als Bürger das Vorgehen der Verwaltung nicht nachvollziehen könne. Sowohl bei ihren Baugenehmigungen als bei der geforderten Instandsetzung des Torhauses seien immer sie und ihr Ehemann von den Ämtern als Eigentümer behandelt worden. Sie führte weitere Beispiele von unsauberen Plänen, fehlenden Grenzsteinen und unklarem Wegerecht ins Feld. Vorbesitzern Karin Baumgarnter machte klar, dass es ihr Ansinnen gewesen sei, den Ostflügel und das Torhaus als eine Einheit zu sehen, zu verkaufen und auch so ins Grundbuch eintragen zu lassen. Ob sie die Grenzführung des Vermessungsamt damals überprüft habe, konnte sie nicht mehr sagen. Die Kosten dafür hat sich getragen.

Klagen oder mit dem Nachbarn sich einigen

„Bei der Vermessung wurde ein Fehler gemacht, diesen muss man ausmerzen“, fasste Dominique von Herzogenberg zusammen. Doch das sahen die Anwesenden als nicht möglich an. Die Petenten müssten gerichtlich vorgehen.

Das Schlosstor in Otting ist einsturzgefährdet. Bevor es saniert werden kann, muss die Eigentümerfrage geklärt werden. 
Bild: Wolfgang Widemann

Eine andere Möglichkeit wäre, wenn sich die Nachbarn gemeinsam auf eine neue Grundstücksgrenze einigen. Doch der Eigentümer der zweiten Schloss-Hälfte will sich nicht verständigen – im Gegenteil. Er hat die von Hardenbergs jetzt auf verklagt und will eine Räumung des Turmzimmers durchsetzen oder 200000 Euro einfordern.

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