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Rain 

08.09.2019

Südzucker: Kampagne mit Herausforderungen

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2 Bilder
Luftbild der Firma Südzucker in Rain am Lech.
Bild: Simon Bauer

Ab Montag beginnt bei Südzucker in Rain die neue Kampagne. Die liefernden Landwirte haben mit schlechteren Preisen und Schädlingen zu kämpfen. Erstmals wird Bio-Zucker hergestellt.

Noch sind die sieben gigantischen Silos im Rainer Werk von Südzucker leer. Doch das wird sich nun wieder ändern. Ab Montag läuft die Produktion von Zucker wieder an – oder, wie die Kenner sagen: Die Kampagne beginnt. In den kommenden 125 Tagen werden rund um die Uhr Rübenlaster an die Rampen des Rainer Werkes fahren und ihre Ernte abliefern. Ende Januar sollen die Silos dann wieder voll sein.

Die Kampagne 2020 beginnt zudem mit einer Premiere. Erstmals werden auch aus biologisch angebauten Rüben Zucker hergestellt, beim Anbau werden keine Herbezide verwendet. Der Verbraucher wird später für ein Kilo Biozucker zwischen drei und vier Euro bezahlen, beim konventionell hergestellten zahlt er hingegen im Angebot 80 Cent. „Es wird nach einem Bio-Produkt verlangt, die Bürger wollen einfach die ökologisch einwandfreie Variante haben“, erklärt Benjamin Kirchberger, Rohstoff-Leiter Zucker/Rüben im Rainer Werk.

Auch für die Landwirte lohnt sich Bio. Sie erhalten pro Tonne Rüben 110 Euro. Der Ertrag ist allerdings geringer, als beim konventionellen Rübenbauer, der aktuell 30 Euro erhält. „Der Zuckerpreis steht unter dem Druck des Weltmarktes. Da bleibt am Ende weniger für die Bauern“, erklärt Werkleiter Wolfgang Vogl. Denn seit Oktober 2017 ist die Marktordnung ausgelaufen, die auf dem europäischen Zuckermarkt für Preisstabilität von 450 Euro pro Tonne gesorgt hat. Jetzt konkurriert man mit Rohrzucker aus Indien, der dort massiv subventioniert wird. „Es gibt einfach zu viel Zucker auf der Welt“, sagt Vogl.

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Auflagen und Klimawandel machen den Bauern Probleme

Dabei ist gerade der Zucker aus der Rübe ein sehr regionales Produkt. 2500 Landwirte vom Ries bis nach Dachau, von Ingolstadt bis Ulm liefern ihre Zuckerrüben nach Rain. Zwischen Montagfrüh um 6 Uhr und Samstag um 22 Uhr fahren sie ihre Ernte mit 20 bis 25 Lastern pro Stunde ins Werk.

Doch die Stimmung unter den Landwirten ist derzeit nicht so gut. Ein Verbot der Samenbeize, um die Bienen zu schützen, lässt Ungeziefer wie den Erdfloh und Läuse zum Problem werden. Schädlinge wie die Rübenmotte fressen sich in die Frucht. „Es ist das erste Jahr, dass wir die Motte bei uns so extrem gesehen haben“, berichtet Benjamin Kirchberger. Noch mehr Sorgen aber macht ein Pilz namens Cercospora, der dank Klimaerwärmung prächtig gedeiht. Diese rübenspezifische Krankheit lässt die Blätter der Rübe absterben und saugt ihr Energie ab. Die Folge: weniger Zuckergehalt in der Rübe, weniger Verdienst für die Landwirte. „Wir wollen und können nicht mit Pflanzenschutzmittel reagieren“, sagt Kirchberger. Ziel sei es robustere Sorten zu züchten, doch das braucht Zeit.

Weiteres Problem ist immer mehr Unkraut auf den Feldern. Früher habe der Vollzeitlandwirt dieses per Hand entfernt. Wo die Zeit aber knapp ist, fehlt die Bereitschaft selbst zu zupfen. Technische Lösungen stecken laut Kirchberger in den Kinderschuhen. Kirchberger: „Einigen Landwirten ist das auch einfach zu viel Arbeit und stellen dann auf andere Kulturen um.“

Unter diesem Gesamtszenario rechnet Werkleiter Wolfgang Vogl wie auch schon 2019 mit einem durchschnittlichen Produktionsertrag. Bekanntermaßen hat die Zentrale Südzucker in Mannheim ja angesichts der fallenden Preise und gewinne Konsequenzen gezogen und legt zwei Zuckerwerke in Deutschland und drei im Ausland nach dieser Kampagne still (wir berichteten).

Die 256 Mitarbeiter in Rain aber müssen sich in dieser Hinsicht keine Sorgen machen. Im Gegenteil: In Rain wurde die Produktion von Zuckerpackungen konzentriert und ab 2021 ist das Werk das einzige in Deutschland, das Bio-Zucker herstellen wird.

Also werden auch in Zukunft zwischen September und Januar die Rübenlaster auf der B16 ihre Fahrten absolvieren.

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