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Gericht

17.07.2019

Täglich Drogen und mindestens zehn Halbe Bier

Im Amtsgericht in Nördlingen muss sich ein mutmaßlicher Drogenhändler aus dem südlichen Donau-Ries-Kreis verantworten.
Bild: Wolfgang Widemann (Symbolbild)

Plus Ein 35-Jähriger aus dem Donau-Ries-Kreis soll mit Rauschgift gehandelt haben. Der Mann ist massiv vorbestraft. Warum der Prozess neu aufgerollt werden muss.

Er nimmt – so sagt er – Drogen, seit er 17 oder 18 Jahre alt ist. Täglich konsumiert er mehrmals Amphetamin und Haschisch beziehungsweise Cannabis. Hinzu komme inzwischen auch reichlich Alkohol: „Zehn bis zwölf Halbe Bier saufe ich schon am Tag.“ Der Mann stammt aus dem südlichen Donau-Ries-Kreis und muss sich vor dem Schöffengericht Nördlingen wegen Rauschgifthandels verantworten. Bei dem Prozess wirkt der 35-Jährige, der einen festen Job hat, eigentlich ganz klar. Nur die geröteten Augen fallen auf. Der Angeklagte erinnert sich genau an Ereignisse, die bereits 2018 stattfanden, und korrigiert Polizisten, die als Zeugen aussagen, bei dem ein oder anderen Detail.

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Schon einmal lange im Gefängnis

Die Beamten der Polizeiinspektionen Donauwörth und Rain kennen den Süchtigen schon seit Jahren. Er hat bereits ordentlich „Karriere“ gemacht. Weil er einer Bande angehörte, die in größerem Stil mit Drogen handelte, verurteilte ihn das Landgericht Augsburg 2010 zu einer siebeneinhalbjährigen Haftstrafe. Inzwischen ist der 35-Jährige wieder auf freiem Fuß, steht aber unter Reststrafenbewährung.

Kontrollen in Rain und Bäumenheim

Dennoch kann er nicht vom Rauschgift lassen. Das bleibt der Polizei in der Region nicht verborgen. Immer wieder überprüfen die Gesetzeshüter den Mann – und wurden im vorigen Jahr gleich mehrmals fündig. Im Januar 2018 kontrollierte eine Streife den 35-Jährigen in Rain. Er hatte 38 Gramm Haschisch und fünf Gramm Amphetamin bei sich. In der Wohnung fanden die Beamten nochmals 44 Gramm Amphetamin, 18 Gramm Marihuana und eine kleine Menge Haschisch.

Täglich Drogen und mindestens zehn Halbe Bier

Ähnlich lief es am 3. August 2018 bei einer Kontrolle in Asbach-Bäumenheim. Am 20. September stießen Polizisten in der Wohnung des Mannes auf 64 Gramm Haschisch, am 24. November führte er 69 Gramm Haschisch, Amphetamin und 95 Ecstasy-Tabletten mit sich.

In Mertingen am Baggersee Rauschgift verkauft?

Zwischendurch zeigte den 35-Jährigen seine Ex-Freundin an, wonach er etwa 100 Gramm Haschisch und mehrere Ecstasy-Tabletten in seiner Wohnung aufbewahre. Außerdem soll er Stoff an seine neue Freundin abgegeben haben. Dies bestreitet der Angeklagte. Den Drogenbesitz räumt er grundsätzlich ein. Den Vorwurf des Rauschgifthandels versucht er herunterzuspielen. Er habe nur etwas weiterverkauft, wenn ihn jemand aus dem Bekanntenkreis danach gefragt habe. Manchmal habe er den Stoff verschenkt. „Ein großzügiger Mensch“, kann sich die Vorsitzende Richterin Ruth Roser einen Kommentar nicht verkneifen. Die Ex-Freundin schildert, dass der 35-Jährige in ihrer Gegenwart am Mertinger Baggersee Haschisch an einen Kumpel verkauft habe.

Verteidiger beantragt psychologisches Gutachten

Als die Beweisaufnahme in der Verhandlung nach fast drei Stunden so gut wie abgeschlossen ist, beantragt Verteidiger Benjamin Hirsch ein psychologisches Gutachten für seinen Mandanten. Der leide durch den jahrelangen Drogenkonsum möglicherweise an einer seelischen Störung. Eine verminderte Schuldfähigkeit sei nicht auszuschließen. Auch sei zu prüfen, ob die Unterbringung in einer Entzugsanstalt infrage komme.

Das Gericht und Staatsanwalt Dominik Semsch reagieren angesäuert ob des späten Zeitpunkts für den Antrag. Weil es wohl Monate dauert, bis das Gutachten vorliegt, muss der Prozess neu aufgerollt werden. „Wir hätten uns viel Zeit und Geld sparen können“, so Ruth Roser. Die warnt den 35-Jährigen, in der Zeit bis zum neuen Termin weitere Straftaten zu begehen: „Dann gibt es eventuell Untersuchungshaft.“

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