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Dorferneuerung

02.07.2019

Tagmersheimer ziehen an einem Strang

„An einem Strang ziehen“ heißt es auf dem Denkmal, für das in Tagmersheim Pfarrer Tobias Scholz Gottes Segen erbat. Die Bürger des Orts feierten zusammen mit Gästen den Abschluss der Dorferneuerung.
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„An einem Strang ziehen“ heißt es auf dem Denkmal, für das in Tagmersheim Pfarrer Tobias Scholz Gottes Segen erbat. Die Bürger des Orts feierten zusammen mit Gästen den Abschluss der Dorferneuerung.

Mit einem Fest feiern die Bewohner des Orts den Abschluss des Projekts. Der Ort hat jetzt ein neues Gesicht. Was alles passiert ist und welches Denkmal sich die Gemeinde setzt.

Der Ort Tagmersheim hat in den vergangenen zehn Jahren ein neues Gesicht erhalten. Bei der Dorferneuerung wurden mit staatlichen Zuschüssen nicht nur eine Reihe von Straßen erneuert. Auch der zentrale Platz als Herzstück erhielt ein neues, attraktives Aussehen. Dieses Fazit haben die Redner beim Abschlussfest gezogen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein Denkmal enthüllt.

Bürgermeister Georg Schnell zeigte sich stolz darauf, „wie wir die Dorferneuerung durchgezogen haben“. Was man nicht hoch genug einschätzen könne: „Der Zusammenhalt hat nicht gelitten, sondern ist noch gewachsen.“ Darum sei es „recht und billig, dass wir uns dafür ein Denkmal setzen, das an die Tagmersheimer Dorferneuerer erinnert“.

Es handelt sich um ein Kunstwerk des Bildhauers Rupert Fieger, der aus Rögling stammt und inzwischen in Eichstätt lebt. Das Denkmal auf dem Burgplatz erinnert an die Sage der „Hummelzieher“ in Tagmersheim. Einst sollen dort bei einer großen Hungersnot die Bürger das letzte Gras in einer Dachrinne entdeckt haben. Ein Ochse (Hummel) wurde mit einem Seil hochgezogen. Er streckte die Zunge heraus. Die Beteiligten dachten, er würde fressen, doch er hatte sein Leben ausgehaucht.

Tagmersheimer ziehen an einem Strang

Im Gegensatz zu dieser vergeblichen Mühe steht der Erfolg der Dorferneuerung. Der wird mit stilisierten Häusern dargestellt, auf denen Symbole des Dorflebens und Begriffe der positiven Tugenden der Beteiligten in Stein gemeißelt sind. „An einem Strang ziehen“ ist auf dem Denkmal zu lesen, das Fieger erläuterte.

Rupert Fieger

Bürgermeister Schnell dankte allen Beteiligten. Die Architekten, Städteplaner, Landschaftsarchitekten und Ingenieure hätten „sehr gute Arbeit geleistet“. Dies zeige sich in mehrerlei Hinsicht. Es seien bereits verschiedene Besuchergruppen nach Tagmersheim gekommen, sogar aus dem Ausland – „weil in Fachkreisen unsere Dorferneuerung als sehr gelungenes Beispiel gilt“. Auch die Bewohner hätten das neue Aussehen des Orts angenommen. Immer wieder zeigten sich auch ehemalige Tagmersheimer höchst erfreut, wenn sie in die „runderneuerte“ alte Heimat kommen. Aus der vorhandenen Substanz sei das herausgekitzelt worden, was in der „alten Dame“ Tagmersheim stecke.

Die Dorferneuerung startete bereits 2003, als mehrere Arbeitsgruppen gebildet wurden. 2006 begann das Verfahren offiziell. Von 2009 bis 2016 fanden die Baumaßnahmen statt. Erneuert wurden neun Straßen: Zur Weinstraße, Gendarmengasse, Bauerngasse, Ottinger Ring, Brauhausgasse, Jakob-Hüttinger-Weg, Goggerhofstraße, Am Venniberg und Andreas-Wünsch-Straße.

Weitere Vorhaben listete Christian Kreye, Direktor des Amts für ländliche Entwicklung Krumbach, auf. In der Ortsmitte wurden ein Dorfplatz und ein Spielplatz angelegt. Was den Bereich zu einem besonderen Platz macht: Der einstige Burggraben wurde wiederbelebt. Direkt nebenan wurde der Pfarrhof saniert, der nun als Gemeindehaus dient. Die multifunktionale Nutzung habe bayernweit Beachtung gefunden. 2013 gab es dafür den Staatspreis. Die Tagmersheimer stellten zudem auf genossenschaftlicher Basis einen Dorfladen auf die Beine. Neu hergerichtet wurde der Pfarrstadel. Der Treppenaufgang zur Pfarrkirche wurde neu gestaltet. Es fanden aber auch ökologische Maßnahmen statt, so Kreye. Der zählte auf: 81 heimische Baumarten wurden gepflanzt, 372 Sträucher verschiedenster Arten, 80 Meter Hainbuchenhecke und 250 Stauden für die Bachbegrünung.

Insgesamt, so bilanzierte der Behördenvertreter, investierte die Teilnehmergemeinschaft im Rahmen der Dorferneuerung rund 2,5 Millionen Euro. Der Ort habe sich in den vergangenen Jahren „zweifellos positiv verändert“. Die Bürger seien zusammengerückt. Der Freistaat Bayern setze auf aktive Dorfgemeinschaften und motivierte Menschen. Die Tagmersheimer hätten mit ihrem Engagement gezeigt, „dass sie an die Zukunft ihrer Heimat glauben“.

Landrat Stefan Rößle, der für die zahlreich anwesenden Mandatsträger sprach, gratulierte der Gemeinde für ihr Werk. Ziel im Landkreis Donau-Ries und in Bayern sei es, möglichst gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen. In den ländlichen Raum müsse investiert werden. Tagmersheim sei ein schönes Beispiel dafür. Dem Vorstand der Teilnehmergemeinschaft gehören an: Joachim Karl, Gerda Gebhard, Annimie Schauflinger und Thomas Regler. Neben der Kommune und dem Staat finanzierten auch die Anlieger mit den Straßenausbaubeiträgen das Projekt mit.

Das Thema Dorferneuerung ist in der Gemeinde noch nicht durch. Christian Kreye verwies auf die anstehende Dorferneuerung im Ortsteil Blossenau: „Ich bin davon überzeugt, dass Blossenau in Bälde ein schönes, modernes und funktionales Dorfbild haben wird.“ Nach derzeitigem Stand seien Fördermittel in Höhe von über einer Million Euro zu erwarten.

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