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Donauwörth

20.02.2019

Tanzhaus: Eine schnelle Lösung gibt es nicht

So wie das die Sonne auf dem Tanzhaus Licht und Schatten wirft, so kontrovers ist die Debatte um die Zukunft dieses Hauses. Eine schnelle Grundsatzlösung wird es wohl nicht geben. Aber bereits im April will der Stadtrat über die künftige Nutzung und damit über einen Abriss entscheiden.
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So wie das die Sonne auf dem Tanzhaus Licht und Schatten wirft, so kontrovers ist die Debatte um die Zukunft dieses Hauses. Eine schnelle Grundsatzlösung wird es wohl nicht geben. Aber bereits im April will der Stadtrat über die künftige Nutzung und damit über einen Abriss entscheiden.
Bild: Herbert Fößler

Nach wie vor kann der Stadtsaal nur sechs Mal im Jahr genutzt werden. Welchen Plan Oberbürgermeister Armin Neudert verfolgt und warum das Gebäude selbst so schwierig ist

Wie kann es mit dem Tanzhaus in Donauwörth weitergehen? Die Antwort auf diese Frage ist schwierig. Das war nach knapp zwei Stunden Bürgerinformation am Mittwochabend klar. Oberbürgermeister Armin Neudert schilderte, dass er und der Stadtrat durchaus verstanden haben, wie dringend eine Lösung her muss. Doch er versuchte auch Verständnis dafür zu erreichen, dass die Lage alles andere als einfach ist.

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Beim Informationabend zum Tanzhaus ging es um den Zustand des Hauses und um die Frage, wofür das Haus genutzt werden soll.
Bild: Barbara Wild

Hintergrund dafür ist vor allem, dass das Tanzhaus in den 70er Jahren anders gebaut worden ist, als genehmigt. Die Grundrisse stimmen nicht mit dem Gebäude überein. Treppen wurden weggelassen, dafür seien Aufzüge eingebaut, wo keine sein sollten oder dürften. Das ist vor allem in Sachen Brandschutz ein Problem. Deshalb hat die Stadtverwaltung auch verboten, dass Räume im Tanzhaus vermietet werden oder der Stadtsaal für Veranstaltungen genutzt werden darf. Ausnahme ist,wie berichtet, sechs Mal im Jahr. Mit einer Brandschutzwache aus zwei Feuerwehrkräften im Saal dürfen sich maximal 400 Personen im Tanzhaus aufhalten. Beim Ostereiermarkt, Seniorenkonzert und bei vier Veranstaltungen der Initiative Fasching Donauwörth ist dies Vorgabe.

Beim Informationabend zum Tanzhaus ging es um den Zustand des Hauses und um die Frage, wofür das Haus genutzt werden soll.
Bild: Barbara Wild

Der Plan ist nun, dass der Stadtrat in einem Workshop am 6. April die künftige Nutzung des Hauses festlegen soll. Parallel ist bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben, dass die grundsätzliche Bausubstanz des Hauses klären soll. Dabei geht es um die Gebäudehülle, das Dach und die Statik. Bereits bekannt ist laut Marco Rappold vom Hochbauamt, dass die Tiefgarage marode ist und der Stahl im Beton rostet. Um sie für die nächsten 50 Jahre nutzbar zu machen, wäre eine Investition von einer Million Euro notwendig. Die Kostenkalkulation des einstigen Investors Erwin Müller will dieser nicht herausgeben.

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OB Neudert ist für den Erhalt des Stadtsaales und eine Gastronomie

Für Oberbürgermeister Armin Neudert sind bereits jetzt einige Punkte gesetzt. Er plädiert weiter für einen Stadtsaal. „Der ist in meinen Augen gesetzt.“ Gleiches gilt für Gastronomie im Erdgeschoss. Einzelhandelsfläche soll dort nicht entstehen, weil man nicht in Konkurrenz zu anderen Hausbesitzern treten wolle. „Das Tanzhaus muss ein Publikumsmagnet werden, um auch die Reichsstraße wieder zu beleben“, so Neudert. Auch, dass die Tourist-Information ins Tanzhaus einziehen soll, scheint für Neudert maßgeblich. Er könnte sich für die oberen Räume ein Tagungszentrum vorstellen oder, dass dort Praxen und Büros einziehen. Wohnungen seien zu teuer und es sei nicht Aufgabe der Stadt, als Vermieter aufzutreten.

Beim Informationabend zum Tanzhaus ging es um den Zustand des Hauses und um die Frage, wofür das Haus genutzt werden soll.
Bild: Barbara Wild

Neudert, der mit fünf Vertretern der Stadtverwaltung die verschiedenen baulichen und rechtlichen Aspekte des Gebäudes darlegte, zeigte Verständnis für die „emotionale Debatte“ und sprach von der „symbolischen Bedeutung des Tanzhauses für die Stadt“. Trotzdem müsse man das Haus auch „unverklärt“ betrachten und sehen, dass es sich um ein Haus aus den 70er Jahren handelt, dessen damalige Ausrichtung heute nicht mehr zeitgemäß sei. Offen sprach er auch die Frage nach Abriss oder Sanierung an. Wortmeldungen aus dem Publikum, in dem auch fast der gesamte Stadtrat saß, zeigten, dass es dazu sehr unterschiedliche Meinungen gibt.

Der Gedanke an einen Abriss spaltet die Bürger

Anton Scheller, ehemaliger Stadtrat und Ehrenpräsident der Initiative Fasching Donauwörth beklagte, dem Stadtrat fehle der Mut für längst überfällige Entscheidungen. „Keiner will Verantwortung übernehmen, sondern lieber Gutachter sprechen lassen“, so der Vereinsvertreter. Die Vereine bräuchten schnellstmöglich einen dauerhaft nutzbaren Saal und nicht erst in einigen Jahren. Es sei geradezu grotesk, dass Paragrafen geritten werden, anstatt die Bürgerzufriedenheit im Blick zu haben. Nach seiner emotionalen Rede schlug er vor, ein Hotel im Tanzhaus zu verwirklichen oder „ein g’scheites Wirtshaus mit eigener Hausbrauerei“ zu installieren.

Beim Informationabend zum Tanzhaus ging es um den Zustand des Hauses und um die Frage, wofür das Haus genutzt werden soll.
Bild: Barbara Wild

Auch wenn das Publikum – es waren rund 150, meist ältere Personen gekommen – selbst Ideen hatte und durchaus Vorwürfe äußerten, die Stadt habe über Jahre nichts in das Tanzhaus investiert, kam auch die Jugend zu Wort. Sebastian Heckl, ehemaliger Vorsitzender des Juze, plädierte dafür das Tanzhaus abzureißen anstatt „zu reparieren, zu reparieren und wieder zur reparieren“. Man solle auch für die Jugend einen Neuanfang wagen. „Die Fassade kann doch trotzdem historisch bleiben.“ Hubert Gerstmeier aus Auchsesheim stellte infrage, warum man sich immer weiter mit Gutachten aufhalte. Eine weitere Besucherin regte an, das Tanzhaus vorübergehend wieder nutzbar zu machen, parallel eine große Veranstaltungshalle für bis zu 1000 Personen zu bauen und dann das Tanzhaus neu auszurichten.

Dass das Tanzhaus und vor allem der Saal regelmäßig genutzt werden kann, ist auch Wunsch der Stadt. Bis Ende des Jahres, so geschäftsführender Beamter Richard Lodermeier, konnte das möglich sein. Bis dahin müsste man auf bekannte Ausweichmöglichkeiten zurückgreifen. Auch das Thema Veranstaltungshalle ist für Neudert zumindest eine „Vision“. Bekanntermaßen will sich der OB-Kandidat der Freien Wähler, Michael Bosse, mit diesem Konzept profilieren.

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