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Donauwörth

28.01.2020

Tanzhaus: Warum saniert und nicht abgerissen wird

Ein Bild, zwei Themen – das Donauwörther Tanzhaus und die raren innerstädtischen Parkplätze. Beide Aspekte waren Gegenstand der richtungsweisenden Stadtratssitzung am Montagabend. Mehr Parkplätze soll es geben, jedoch nicht im Tanzhaus.

Im Stadtrat entscheidet sich eine deutliche Mehrheit für das Festhalten am Bestand. Und das Gremium trifft gleich noch weitere Beschlüsse.

Das Ringen um die Zukunft des Tanzhauses hat sich über Jahre hingezogen – jetzt sind die Würfel gefallen: Die traditionsreiche Donauwörther Veranstaltungsstätte in der Reichsstraße wird nicht abgerissen. Mit letzten Endes deutlicher Mehrheit gewannen damit die Befürworter einer umfassenden Sanierung.

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Demzufolge ist die Debatte um einen möglichen Neubau des 1975 wiederaufgebauten Hauses vom Tisch. Die Diskussion im Stadtrat am Montagabend verlief über weite Strecken emotional. Indessen wurden eine ganze Reihe von Kernfragen geklärt – eine Unsicherheit bleibt jedoch vorerst bestehen.

Bürgerentscheid war auch Thema

Noch im Dezember war klar gewesen, dass es Ende Januar eine Entscheidung zum Tanzhaus geben sollte. Doch in der vergangenen Woche kristallisierten sich bei einigen Beteiligten die Zweifel daran heraus. Die Freien Wähler/ PWG stellten einen neuen Antrag auf die Neuerrichtung des Gebäudes – in Verbindung mit einem unterirdischen, vierstöckigen Parkhaus. In diesem Zusammenhang brachten die Parteifreien auch den Antrag auf einen Bürgerentscheid ins Spiel.

Davon war jedoch bei der Ratssitzung am Montag nicht mehr die Rede. Der FW/ PWG-Antrag zum Neubau mit Parkhaus fand nur vier Befürworter – eben die Stimmen der Parteifreien im Gremium. Bis zuletzt war aber nicht abzuschätzen, ob die Causa Tanzhaus nach dem knappen Votum vom Dezember zur Vertagung erneut zu einer Kampfabstimmung geraten könnte. Die Debattenbeiträge spiegelten derweil die sich aus den vergangenen Jahren ergebenen differenzierten Meinungen unter den Ratsleuten wider.

SPD war gespalten

Wolfgang Fackler (CSU) berief sich auf das zuletzt vorgestellte Gutachten der Architektin Bettina Kandler, das eine Kernsanierung als deutlich wirtschaftlicher bezeichnete: „Eine Kernsanierung ist nachhaltiger – und wir sparen uns hohe Entsorgungskosten.“ Zudem, so der Christsoziale, sei im Falle einer Kernsanierung eine nicht unerhebliche staatliche Förderung zu erwarten.

Die Sozialdemokraten waren derweil in der Tanzhausfrage gespalten: Heinrich Kopriwa, Jörg Fischer und Peter Moll sprachen sich für eine Sanierung aus, Brigitte Kundinger-Schmidt und Günter Schwendner dagegen. Schwendner brachte das Beispiel des nicht mehr zeitgemäßen energetischen Zustandes an.

Ebenfalls zunächst geteilter Meinung waren die beiden Vertreter der Grünen. Albert Riedelsheimer war – wie auch ÖDP-Stadtrat Gustav Dinger – im Hinblick auf die Nachhaltigkeit für eine Sanierung, Thomas Krepkowski hingegen votierte mit dem Argument besserer Gestaltungsoptionen bei einem Neubau für den Abriss, schloss sich letzten Endes aber in der Folge den Stimmen pro Sanierung an. Für die Erneuerung des Bestandes war auch die AL/ JB. Josef Reichensberger betonte den emotionalen Bezug vieler Donauwörther zu dem Gebäude.

Warnung von Michael Bosse

Michael Bosse (FW/ PWG) warnte im Vorfeld des Beschlusses, dass die genannte Machbarkeitsstudie „niemals allein eine Entscheidungsgrundlage für eine Neuausrichtung des Tanzhauses sein darf“. So etwas im Wahlkampf zu bewerkstelligen „war eine große Herausforderung“. Bosse mahnte an, dass die Sanierungskosten seiner Meinung nach spürbar steigen könnten – er sehe sie „deutlich jenseits der 20 Millionen“.

Ebenfalls für einen Abriss stimmten – neben den Räten der FW/ PWG, den genannten zwei Sozialdemokraten sowie dem Grünen Krepkowski – die beiden Vertreter der EBD. Manfred Hofer meinte, man solle mutig einen modernen Bau unter Einbeziehung der benachbarten Plätze angehen.

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Zwei Räte fehlen

Im ersten Votum haben sich die Ratsmitglieder mit den genannten neun Gegenstimmen gegen den Abriss mit Neubau entschieden. In der zweiten Abstimmung entschieden sich die Räte dann mit 15 gegen acht Stimmen für die Sanierung des Tanzhauses in seiner jetzigen Form. Die CSU stimmte ebenso für die Sanierung wie drei Ratsmitglieder der SPD, die AL/ JB mit zwei Stimmen, die beiden Grünen-Vertreter und Gustav Dinger von der ÖDP.

Nicht anwesend waren Barbara Kandler (CSU) und Thomas Straulino (BfD). Eine Unsicherheit bleibt: Sollten die Kosten für eine Sanierung aus bislang unbekannten technischen Gründen exorbitant steigen, käme der Neubau wieder aufs Tableau des Rates. Im Zusammenhang mit der Sanierung wurden indessen weitere wichtige Eckpunkte entschieden:

  • Stadtbibliothek im Erdgeschoss: Neben der Bibliothek mit einem modernen Konzept soll ein kleines Café mit Bistro einziehen sowie kommunale Service-Einrichtungen (zum Beispiel Kulturbüro oder Tourist-Info).
  • Stadtsaal im ersten Stock
  • Reduzierte Parkkapazität im Tanzhaus in Zusammenhang mit einem Ausbau von Parkmöglichkeiten in der Innenstadt.
  • Vorrangig städtische Nutzung: Das Haus soll prioritär kommunal und öffentlich genutzt werden. Eine kommerzielle Nutzung soll vermieden werden. Hotel- und Einzelhandelsbetrieb sowie die Verlagerung der Musikschule wurden ausdrücklich ausgeschlossen.
  • Multifunktionshalle: Die Ausrichtung des Tanzhauses soll sich auch aus dem Kontext mit der beschlossenen neuen Halle richten.

Weitere Detail- und Planungsfragen muss ab März der neue Rat beschließen.

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