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Donauwörth

18.01.2019

Tchibo-Raub landet vor Gericht

Der Tchibo-Räuber zeigte sich vollumfänglich geständig.
Bild: Jakob Stadler

Der 52-jährige Angeklagte zeigte sich geständig. Zu der Tat fühlte er sich gezwungen – weil er eine Flasche Schnaps austrank.

Es war kurz vor Weihnachten 2017. In der Tchbio-Filiale in der Reichstraße machte die Verkäuferin Petra K. die letzten Handgriffe, bevor sie den Laden schließt. Doch dann, zehn Minuten vor Ladenschluss, kommt ein Mann mit Sturmhaube rein. „Bitte, bitte nicht ich“, sagte die Angestellte.

Am Donnerstag saßen sich Opfer und Täter vor dem Amtsgericht Augsburg gegenüber. Verkäuferin Petra K. auf dem Zeugenstuhl, Räuber Horst. G. auf der Anklagebank. Doch was sich im Laufe der Verhandlung zeigt: Auch Horst G. ist, in gewisser Weise, ein Opfer geworden. Zumindest von Manipulation.

Dezember vor zwei Jahren: Horst G. ist am Ende. Er hat seine Arbeit verloren. Eine Therapie wegen seiner Alkoholsucht wurde ebenfalls abgebrochen. „Es war kurz vor Weihnachten, ich wollte nicht allein sein“, erzählt der Angeklagte vor Gericht. Er findet Unterschlupf bei Bekannten. Der heute 52-Jährige darf bei ihnen im Esszimmer schlafen. In der Nacht vom 11. auf den 12. Dezember trinkt Horst. G. eine ganze Flasche Schnaps aus. Sie gehört eigentlich dem 29 Jahre alten Gastgeber. Der war davon nicht begeistert. Doch statt den 52-Jährigen zu bitten, eine neue Flasche Schnaps zu kaufen – wollte er etwas anderes. Horst G. solle die Tchibo-Filiale in der Reichsstraße überfallen, sagt der Angeklagte vor Gericht.

Der Angeklagte fängt an zu weinen

„Dieser Zusammenhang leuchtet mir nicht ein“, sagt Richter Baptist Michale. „Hätten sie ihm denn nicht eine Flasche Schnaps für zehn bis 15 Euro kaufen können?“ Doch G. betont: Er sei von dem 29-Jährigen massiv unter Druck gesetzt worden, dieser habe ihm gedroht.

Dennoch ließ sich der gelernte Metzgermeister, der zuletzt in Oettingen wohnhaft war, eine Sturmmaske überziehen. Der 29-jährige Gastgeber gab ihm neue Schuhe und eine große, schwarze Jacke. Dann begleitete die Freundin des Gastgebers Horst G. zur Tchibo-Filiale. „Jetzt geh rein“, soll sie mehrmals zu dem Angeklagten gesagt haben. Alkoholisiert – rund zwölf Flaschen Bier hat er nach seinen Aussagen vor Gericht an dem Tag getrunken – betrat er die Filiale. „Kasse aufmachen, sonst murkse ich dich ab.“ Das seien die Worte des Räubers gewesen, sagte die Verkäuferin, die als Zeugin aussagte. Horst G. kann es nicht fassen. Der 52-Jährige fängt an zu weinen, hält sich die Hände vor das Gesicht. „Es tut mir so leid, es tut mir so leid“, wimmert er.

1800 Euro schnappt sich der Räuber damals aus der Kasse der Tchibo-Filiale. Er forderte die Verkäuferin auf, den Tresor zu öffnen. Doch als sie in einen hinteren Teil der Filiale ging, verschwand der Räuber schnell wieder. Als er nach der Tat in der Donauwörther Wohnung seines Gastgebers ankam, sei ihm sofort die Beute weggenommen worden. Horst G. erhielt 350 Euro. Den Rest behielt der 29-Jährige, der momentan wegen einer anderen Straftat in der JVA Gablingen sitzt.

Die Tat ließ den mehrfach vorbestraften Angeklagten keine Ruhe. Acht Monate nach seiner Tat – Horst G. befand sich gerade in einer Ausnüchterungszelle – gestand er einem Polizisten, dass er der Tchibo-Räuber ist. Wegen seines vollumfänglichen Geständnisses urteilte Richter Michale mild: ein Jahr Freiheitsstrafe, ohne Bewährung.

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