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Donauwörth/Rain

15.01.2020

Telefonbetrug: Opfer hebt tatsächlich 20.000 Euro ab

Zahlreiche Versuche hat eine Bande in den vergangenen Tagen unternommen, um Bürgern ihr Geld abzuknöpfen. 
Bild: Gollnow, dpa (Smybolbild)

Plus Die Anrufserie einer Bande erreicht in der Region noch nie da gewesene Ausmaße. In einem Fall kann die Geldübergabe durch glückliche Umstände verhindert werden.

Mal geben sie sich als vermeintliche Enkel in Geldnot aus, mal gaukeln sie einen Gewinn vor, mal täuschen sie vor, ein Bankmitarbeiter zu sein, um an geheime Zugangsdaten für Abbuchungen per Internet zu gelangen. Seit Jahren ist es traurige Realität, dass Kriminelle anrufen und vornehmlich Senioren betrügen wollen.

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Die gängigste Masche in der jüngeren Vergangenheit: Anrufer geben sich als Polizisten aus, erzählen, dass in der Nachbarschaft eingebrochen worden sei und die Leute ihr Geld nun besser den Beamten übergeben sollten. Die beiden Polizeiinspektionen Donauwörth und Rain erlebten in den vergangenen Tagen eine noch nie dagewesene Flut von Anzeigen.

Über 150 Betroffene

Eine Bande, die wohl mit regelrechten Telefonzentren vom Ausland aus agiert, kontaktierte per Telefon anscheinend Hunderte von Menschen in der Region, vor allem im südlichen Donau-Ries-Kreis (siehe auch: Falsche Polizisten rufen Hunderte Bürger an). In der Folge stand auch in den beiden Inspektionen das Telefon nicht mehr still. In Donauwörth meldeten sich von Freitag bis Dienstag rund 140 Betroffene, in Rain waren es am Montag und Dienstag rund 25.

Telefonbetrug: Opfer hebt tatsächlich 20.000 Euro ab

„Die Täter konzentrieren sich offenbar eine bestimmte Zeit auf einen bestimmten Vorwahlbereich“, erklärt Stephan Roßmanith, Pressesprecher der Dienststelle in Donauwörth. Die Anzeigeerstatter seien fast alle in der Großen Kreisstadt beheimatet, einige wenige riefen aus Kaisheim und Wemding an. Roßmanith ist sich sicher: „Die Dunkelziffer ist deutlich höher.“

Oft gleich aufgelegt

Nach den Erfahrungen der vergangenen Tage gehen die Ermittler davon aus, dass vor allem Menschen angerufen wurden, die mit Adresse im Telefonbuch stehen. „Die Anrufer gehen dann einfach das Telefonbuch durch“, so Ralf Schurius, Leiter der Inspektion Rain.

Glücklicherweise seien die meisten potenziellen Opfer informiert und beendeten das Gespräch. Einige wenige Bürger hätten jedoch ihre Vermögensverhältnisse preisgegeben, berichtet Stephan Roßmanith. Diese Personen hätten nun Angst, das Opfer von Einbrechern zu werden. Hier könne man aber beruhigen: „Es handelt sich in aller Regel um reine Betrügerbanden. Deshalb sind keine Einbrüche zu erwarten.“

Bahnhof als Übergabeort

Soweit die Gesetzeshüter in Donauwörth und Rain die Lage überblicken können, kam es bei der Serie zu keiner Geldübergabe. Dass die Täter offensichtlich keinen Erfolg hatten, ist zumindest in einem Fall glücklichen Umständen zu verdanken. Die Bande überredete am Montag eine im südlichen Landkreis wohnhafte Frau, bei ihrer Bank Geld abzuheben: stolze 20000 Euro.

Die sollte die Mittsechzigerin nach Donauwörth zum Brunnen vor dem Bahnhof bringen und einem angeblichen Kripobeamten übergeben – damit das Geld auch sicher sei.

Der Weg des Opfers führte an der Inspektion in der Kapellstraße vorbei. Weil die Frau etwas früher dran war als mit dem Anrufer vereinbart, hielt sie an der Dienststelle an, klingelte an der Pforte und fragte, ob der Beamte noch da sei. Die Polizisten zeigten sich nach Auskunft von Roßmanith zunächst verwundert über die ungewöhnliche Anfrage. Dann erkannten sie aber, dass die Frau gerade dabei war, einen guten Teil ihre Ersparten zu verlieren.

Professionelles Vorgehen

Im nächsten Moment zeigte sich aber auch, wie raffiniert und professionell die Betrüger vorgehen. Durch ständige Anrufe und Fangfragen erkundigen sie sich in solchen Fällen, ob die Opfer zwischenzeitlich nicht doch die (echte) Polizei eingeschaltet haben. So lief es auch in Donauwörth. Allem Anschein nach roch der Anrufer Lunte und brach den Kontakt zu der Frau ab. Zu einer Übergabe am Bahnhof kam es nicht: Es tauchte dort niemand auf.

Damit einher ging auch das Ende der Anrufaktion im Raum Donauwörth und Rain. Die Täter verlagerten ihr Treiben jetzt wohl in andere Regionen, vermuten die hiesigen Beamten.

Lesen Sie hierzu auch:

Falsche Polizisten rufen Hunderte Bürger an

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