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Donauwörth

18.06.2015

Tierquälerei im Schweinestall? So lief die Razzia der Polizei ab

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Bereitschaftspolizei aus München rückte gestern am Reichertsweiler Hof an.
Bild: Wolfgang Widemann

Eine große Durchsuchungsaktion von Kripo und Amtstierärzten gab es gestern in dem Ferkelbetrieb Straathof-Strehle. Vier Männer werden beschuldigt. So lief die Razzia ab.

Kleinbusse der Bereitschaftspolizei stehen reihenweise entlang der schmalen Straße, die am Reichertsweiler Hof vorbeiführt, sowie an dem Feldweg, der dort abzweigt. Die Parkplätze vor dem Anwesen sind mit weiteren Fahrzeugen verschiedener Dienststellen gefüllt. Polizeibeamte in schwarzen Anzügen sichern das Gelände ab. Auf diesem laufen in blaue Overalls gekleidete Personen umher, die weiße Hauben auf dem Kopf haben.

In einer noch nie dagewesenen Dimension durchsuchen insgesamt rund 100 Kräfte am Mittwoch die Betriebsstätten der Straathof-Strehle GmbH am Reichertsweiler Hof (Stadt Donauwörth) und auf Gut Sternberg (Gemeinde Amerdingen).

Ermittlungen auch in Sachsen-Anhalt

Gleichzeitig tauchen Ermittler in den Büros des Unternehmens in Gladau (Sachsen-Anhalt) auf. Dort befindet sich der Hauptsitz der Gesellschaft. Der „dringende Tatverdacht“: Das Unternehmen soll gegen Vorschriften des Tierschutzes verstoßen.

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Seinen Anfang nahm der Fall im Dezember 2014. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und das Landratsamt kontrollierten den Betrieb, in dem Ferkel produziert werden – von inzwischen bis zu 5000 Muttersauen. Hintergrund: Der holländische „Schweinebaron“ Adrianus Straathof, der 2013 das Unternehmen auf dem Reichertsweiler Hof mehrheitlich übernommen und erweitert hat, geriet in Sachsen-Anhalt ins Visier der Behörden.

Weil diese schwerwiegende Mängel bei der Versorgung, Unterbringung und Pflege der Tiere feststellten, sprachen sie gegen Straathof sogar ein Tierhaltungsverbot aus. Gleiches konnte in Nordschwaben nicht geschehen, denn Straathof hat hier die Geschäftsführung an die Straathof-Strehle GmbH abgegeben.

Die Kontrolle im Dezember fiel nach erstem Anschein gar nicht so negativ aus. Man habe keine Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt, war aus dem Landratsamt zu hören. Keine der fast 11000 Ferkel und Sauen habe gesundheitliche Schäden gezeigt. Die Haltung sei sogar etwas besser als der Durchschnitt. Offen waren dem Amt zufolge noch Fragen zur Tötung einzelner Ferkel. Die Dokumentation der Ferkelerzeugung werde ausgewertet, teilte das Amt mit.

Landratsamt erstattet Anzeige gegen Betrieb

Anfang März kam die Nachricht, dass das Landratsamt Anzeige gegen den Betrieb erstattet hat. Die Behörde hielt sich bedeckt. Man habe das Ergebnis der Nachforschungen an die Staatsanwaltschaft abgegeben, damit diese „einen eventuell im Raum stehenden Straftatverdacht prüft“.

Die Ermittler in Augsburg kamen nach dreimonatiger Arbeit zu dem Schluss, noch einmal genau bei Straathof-Strehle nachzuschauen. Den Durchsuchungsbeschluss fasste das Amtsgericht Augsburg auf Antrag der Staatsanwaltschaft. „Es gibt bestimmte Ansatzpunkte. Die möchten wir verifizieren“, erklärt Matthias Nickolai, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft.

Welcher Verdacht konkret im Raum steht, möchte er nicht sagen: „Es geht um Dinge im Rahmen der Haltung der Schweine.“ Beschuldigt werden vier Männer im Alter zwischen 38 und 60 Jahren. Es seien Personen, die für den Betrieb verantwortlich sind, so Nickolai. Namen möchte er keine nennen. Es wird gemutmaßt, dass Adrianus Straathof einer von ihnen ist.

Reichertsweiler Schweine Ferkel  Durchsuchung Razzia Polizei
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Razzia auf dem Reichertsweiler Hof
Bild: Wolfgang Widemann

Der Aufwand für die Durchsuchungsaktion ist enorm. Um etwa 8.15 Uhr fahren die Einsatzkräfte an den genannten Anwesen vor. Auf dem Reichertsweiler Hof werden mehrere orange Zelte aufgestellt. Die sind mit Duschen ausgestattet und werden im Landkreis Donau-Ries eigentlich für Katastrophenfälle vorgehalten, um kontaminierte Menschen zu behandeln.

An diesem Mittwoch dienen die Zelte aber unter anderem den 15 Veterinären, die den ganzen Tag über insgesamt rund 5000 Muttersauen und 20000 Ferkel sowie deren Ställe genau in Augenschein nehmen. Die Beamten müssten in dem laufenden Betrieb die Hygienevorschriften einhalten, erklärt Michael Nagl, der als Pressesprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Nord am Ort des Geschehens ist. Soll heißen: Die Beamten durchlaufen vor jedem Betreten der Ställe einen Reinigungsprozess. Einige Feuerwehrleute sorgen dafür, dass genügend Wasser da ist. Ein Sanka des Roten Kreuzes steht für Notfälle bereit.

Durchsuchungsaktion zieht sich bis in den Abend

Die Kripo Dillingen, die mit den Ermittlungen betraut ist, wird auf der Suche nach Beweismitteln auch von Beamten des Zolls unterstützt. Ein Staatsanwalt ist ebenfalls präsent. Die Kräfte sichten auch Geschäftsunterlagen. Die Aktion zieht sich bis in den Abend hinein.

Ob die Einsatzkräfte tatsächlich auf Missstände beziehungsweise auf Beweise für Tierquälerei stoßen, dazu möchte sich Oberstaatsanwalt Nickolai nicht äußern: „Es werden sicher einige Wochen ins Land gehen, bis wir die Beweismittel ausgewertet haben.“ Dazu werde die Behörde wohl auch fachlichen Rat einholen.

Ein Sprecher des Konzerns LFD Holding, zu dem Straathof-Strehle gehört, bezeichnet die Durchsuchungsaktion gegenüber unserer Zeitung als „unverhältnismäßig“. Straathof-Strehle gelte in Deutschland als ein „Vorzeigebetrieb“. Bei der Kontrolle im Dezember seien nur einige wenige Tiere beanstandet worden, nämlich elf. Die Zahl liege weit unter den üblichen Werten. „Wir sind schon erstaunt, wie aufgrund der globalen Diskussion um Tierhaltung mit Betrieben umgegangen wird“, so der Sprecher. Man werde jegliche Beanstandungen korrigieren.

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