1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Tierschützer beklagen Katzenflut

Donauwörth

06.11.2013

Tierschützer beklagen Katzenflut

Hunderte Tieren stranden bei Vereinen und im Tierheim. Das kostet. Verantwortliche kritisieren das mangelnde Verantwortungsbewusstsein der Besitzer.

Eine weiß-graue Katze, abgemagert liegt sie auf dem Boden, daneben Futterreste – sie ist tot. Helfer des Vereins Samtpfoten Katzenhilfe Ries haben die ausgesetzte Katze in Fremdingen gefunden. Vorsitzender Werner Verfürth vermutet, dass die Nahrung vergiftet war. Die Polizei wurde informiert.

Gift gegen Katzen ausgelegt

Derartige Ereignisse sind keine Einzelfälle. Es gebe Menschen, die Gift auslegen, um die Masse an herumstreunenden Tieren zu reduzieren, heißt es aus dem Donauwörther Tierheim. Doch statt dieser brutalen Möglichkeit, die Katze los zu werden, gibt es andere Möglichkeiten, die Population der Katzen in einem vernünftigen Maß zu halten: Katzen kastrieren lassen. Verfürth argumentiert außerdem wirtschaftlich: „Eine Kastration ist viel kostengünstiger, als einen Wurf Katzen durchzufüttern.“ Vergangenes Jahr hat sein Verein 350 Katzen kastrieren lassen und dafür rund 70000 Euro ausgegeben.

Doch statt diesen Weg zu gehen, werden die Jungen von einigen Besitzern ausgesetzt und letztendlich an die Tierschutzvereine übergeben. Rund 300 Katzen stranden jährlich im Donauwörther Tierheim – derzeit sind es 130 Tiere. Zu 90 Prozent kommen sie von der Straße. „Wir stoßen aktuell an unsere Grenzen“, sagt Verfürth von den Samtpfoten. Erst neulich erreichte den Verein ein Hilferuf, bei dem es um die Unterbringung von 20 jungen Tieren auf einmal ging. Sie werden vorrübergehend in einer Pflegestelle auf einem Bauernhof in Trochtelfingen versorgt.

AZ WhatsApp.jpg

Katzen brauchen Aufbauprogramm

Hinzu kommt: Sind die Katzen erst einmal unterversorgt oder vom kühlen, feuchten Wetter geschwächt, brauchen sie ein Aufbauprogramm: Entwurmung, Flohmittel, Augensalbe und dann sei man laut Brigitte Scherb, Vorsitzende des Tierschutzvereins in Donauwörth, bereits ohne Impfung und Kastration bei rund 50 Euro pro Tier.

„Je fortgeschrittener die Krankheit, desto mehr kostet uns die Pflege.“ Bei einem Schnupfen könne es sogar passieren, dass die Katze das Auge verliert.

Beim Verein Samtpfoten musste vor Kurzem ein solcher Fall behandelt werden. Das Herausnehmen der Augen kostete den Verein 700 Euro. In Donauwörth unterstützen aber auch viele Kommunen das Tierheim. 19 Cent im Jahr gibt es pro Einwohner. „Damit soll der Aufwand für Fundtiere gedeckt werden“, erklärt Scherb. „Aber der Betrag macht gerade einmal sieben Prozent der Gesamtkosten unseres Tierheims aus.“

Scherb blickt mulmig auf die kalten Monate. Im Herbst kommt laut der Vorsitzenden alles zusammen: Nicht nur die Heizkosten steigen, sondern auch die Katzen werden vermehrt in die Tierheime gebracht. Erst vorgestern Nacht hat Sonja Hoffmeister, Leiterin des Tierheims, eine von diesen sogenannten „Herbstkatzen“ aufgenommen, die sich mit hohem Fieber vor die Haustüre einer Familie gelegt hatte. „Unsere Kapazitäten sind ausgeschöpft.“

Um die Situation zu entschärfen appellieren die Tierschutzvereine an Katzenhalter und Tierfreunde, Katzen operieren zu lassen. „Wenn weiterhin nicht kastriert wird, steigt die Population rasant an“, erklärt Hoffmeister. Verfürth weist außerdem daraufhin, dass so auch die Weitergabe von Krankheiten vermieden werden könne.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
a94e964d-98e0-47e7-bcde-b84d1552e106.jpg
Wemding

Radfahrer liegt mit vier Promille im Blut auf der Straße

ad__nl-chefredakteur@940x235.jpg

SECHS UM 6: Unser Morgen-Newsletter

Die sechs wichtigsten Neuigkeiten um 6 Uhr morgens sowie ein Ausblick auf den
aktuellen Tag – Montag bis Freitag von Chefredakteur Gregor Peter Schmitz.

Newsletter bestellen