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Donauwörth

19.04.2019

Tipps, damit Ostern Ihnen nicht auf den Magen schlägt

Ernährungsberater Alexander Wüst gibt Tipps, wie man gesund isst.
Bild: Christoph Kölle

Der Ernährungsberater Alexander Wüst aus Donauwörth spricht über Bekömmlichkeit, Verdauung und Rhythmus.

Er ist weder Vegetarier noch Veganer oder Alles-esser. „Ich bin ein Flexitarier“, sagt Alexander Wüst und lacht. „Ich esse das, was ich mag, was mir gut tut und womit ich mich gesund fühle.“

Dabei wählt der 49-Jährige flexibel und bewusst zwischen allen möglichen Lebensmitteln aus. „Marketing-Hypes“ lassen ihn kalt. Er interessiert sich dafür, was ihm wirklich bekommt. Was das ist? „Für jeden etwas anderes. Erfassen kann ich das nur, wenn ich bewusst esse.“

Was mit Blick auf das Osterfest kompliziert klingen mag, definiert Alexander Wüst mit einfachen Worten: „Wenn ich esse, dann esse ich.“ Essen als Nebensache bei der Arbeit oder vor dem Fernseher fällt damit weg. „Wichtig ist, dass wir unseren Darm wahrnehmen lernen.“ Der signalisiere uns sehr gut, was er als bekömmlich empfindet.

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Ausbildung als Koch

Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Donauwörther mit Lebensmitteln und ihrer Verarbeitung, bietet Ernährungsberatung – für den medizinisch gesunden Menschen – und Ernährungstherapie nach ärztlicher Verordnung an. Auf was er dabei baut, ist eine Vielzahl an Ausbildungen, gemischt mit persönlichen Erfahrungen. Den Grundstock legte dabei eine Berufsausbildung als Koch.

Nach dem Wehrdienst zog es ihn in die Schweiz. „Damals in den 90er Jahren gab’s dort auf den Restaurantkarten schon eine ganze Seite rein vegetarisch – eine neue Welt für mich.“ Wüst kam in seinen Gesellenjahren mit Nahrungsmitteln in Kontakt, die er bis dahin gar nicht kannte und die plötzlich alltäglich wurden. Mit einem Küchenchef beispielsweise sammelte er in den Alpen Wildkräuter, bekam dabei ein ganz neues Bild, was die Qualität von Lebensmitteln angeht. Und es motivierte den jungen Mann, sich intensiver damit zu beschäftigen.

Ökotrophologie studiert

Er legte das Fachabitur ab, studierte Ökotrophologie und setzte sich dabei mit dem ökologischen Landbau auseinander. In der Pharmaindustrie gewann er anschließend Einblicke in das Gesundheitswesen und die Wechselwirkung von Nahrungsmitteln mit Medikamenten.

Nach weiteren Zusatzausbildungen führte ihn sein Weg schließlich zur traditionellen chinesischen Medizin (TCM) – zu Qi Gong, Taijiquan und zur chinesischen Diätetik – sowie in die Selbstständigkeit. Die Chinesen interessieren sich weder für Eiweiß, Fett und Kohlenhydrate noch für Vitamine, Mineralstoffe und Mengenangaben. Lebensmittel würden hier qualitativ eingeordnet. Wüst: „Alles dreht sich um die Energie, die alles belebt.“

Unordnung im Energiehaushalt

Während wir in der westlichen Welt heute vom „leeren Akku“ sprechen, blicke der Chinese auf die Unordnung in seinem Energiehaushalt. Die Art der Energie definiert sich über den Geschmack. „Eine süße Karotte beispielsweise hat etwas Stützendes und Nährendes“, erklärt Alexander Wüst. Das Gleiche treffe für die allermeisten Getreidesorten zu: „Mit der Geschmacksrichtung süß dienen sie als Fundament der Ernährung – ohne sie geht nichts.“ Der chinesische Ansatz widerspricht für den 49-jährigen Nahrungsexperten keineswegs unserer Tradition.

„Wenn wir die Saisonalität im Hinterkopf haben, ergänzt sich vieles.“ Wer beispielsweise im Winter eine „kalte“ Gurke oder Wassermelone esse, brauche sich nicht zu wundern, wenn sein Körper sich dagegen wehre. Lebensmittel machen laut Wüst etwas mit uns. „Meistens merken wir’s nicht so schnell“, weiß der 49-Jährige, „außer bei Unverträglichkeiten.“

Lernen durch Ausprobieren

Mit Letzteren ist Wüst bei seiner Ernährungsberatung immer wieder konfrontiert. Probleme mit Milchzucker, Gluten oder Fruchtzucker nennt er als Beispiele: „Jemand isst ein Schälchen Erdbeeren, danach hat er einen aufgeblähten Bauch oder Durchfall.“ Meist gebe es dabei Intoleranzgrenzen. „Viele können vier bis fünf Erdbeeren gut essen, bei anderen rebelliert der Darm bereits nach einer halben Erdbeere.“ Mit sich selbst umgehen lernen lautet das Therapieziel: „Learning by Doing“ – Lernen durch Ausprobieren.

Wer mit Unverträglichkeiten konfrontiert sei, bekomme durch seinen Körper einen Denkzettel. Bei allen anderen wirke sich eine unbewusste Ernährung oft erst langfristig aus, dadurch dass der Körper mit der Zeit „aus der Form“ oder Organe aus dem Gleichgewicht geraten.

Auch das „Wie“ ist wichtig

Wie man isst, spiele eine ebenso wichtige Rolle wie was man ist. „Unser Verdauungstrakt mag einen geregelten Rhythmus“, sagt Alexander Wüst, „feste Zeitfenster, innerhalb derer wir unser Essen einnehmen.“ Dabei müssten wir keineswegs immer das Gleiche essen – „Abwechslung tut uns sogar gut“ – nur bekommen müsse es uns. „Es bringt nichts, wenn ich gelesen habe, wie gesund etwas ist und mir liegt’s im Magen.“

Auch hier regt Alexander Wüst zu persönlicher Wachsamkeit an. Letztendlich habe jeder Einzelne jeden Tag die Freiheit der Entscheidung. Darüber, was er wo einkauft und darüber, wie viel er von was isst – „jeder ist für sich selbst verantwortlich.“

Wichtig ist für den Ernährungsberater: „Wenn ich mich für etwas entscheide, dann esse ich es mit gutem Gewissen.“ Denn auch durch unsere Gedanken würden wir Prozesse im Körper anstoßen.

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