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Donauwörth

28.01.2019

Trickdiebe zocken Senioren ab und stehlen Schmuck

Zwei Trickdiebe, die auch in Donauwörth aktiv waren, sollen jetzt ins Gefängnis.
Bild: Wolfgang Widemann (Symbolbild)

Plus Zwei Männer bereichern sich mit immer der gleichen Masche: Sie wollen Antiquitäten kaufen. Gericht verurteilt Duo zu Gefängnisstrafe.  

„Hätte ich das nur gewusst“, sagt die kleine Frau. Sie hält kurz inne, schüttelt dann den Kopf und setzt in Gedenken ihren Satz fort: „Dann hätte ich sie nicht reingelassen.“ Gemeint sind zwei Männer, die vor einem Jahr in der Wohnung der 85-Jährigen auftauchten. Sie gaben vor, „alte Sachen“ zu suchen. Tatsächlich hatten sie es auf den Schmuck der alten Dame abgesehen: Ohrringe, Fingerringe, Halsketten und ein Armband. Die Trickdiebe aus dem Landkreis Dillingen brachten die Seniorin um Schmuck im Wert von etwa 3000 Euro. Vor Gericht beteuerten beide, unschuldig zu sein. Es habe sich um ein ganz normales Geschäft gehandelt – Ware gegen Geld. Doch daran hatte Richterin Ute Bernhard ihre Zweifel. Denn einer der beiden Angeklagten war wegen der gleichen Masche schon zu Gefängnisstrafen verurteilt worden.

In Donauwörth, München und Ulm aktiv

Über zwei Jahre musste der 39-Jährige absitzen, weil er immer wieder alte Menschen übers Ohr gehauen hatte. Das tat er im Großraum Augsburg und auch in Donauwörth. In Neusäß verwickelte er beispielsweise eine betagte Frau in ein Gespräch, während seine damalige Komplizin Schmuck einsteckte. Der Schaden: 10000 Euro. In der Region gab der Mann vor, an Antiquitäten interessiert zu sein. Tatsächlich ging es aber nur um Wertsachen. In München-Obermenzing summierte sich die Beute – Taschenuhr, Anhänger, Brosche, Porzellan-Figuren, Teller oder auch eine Uhrenkette – auf fast 30000 Euro. In Ulm verschwanden bei einem dieser Geschäfte unter anderem eine Violine und mehrere Goldmünzen – 350 Euro hatte der Mann angeblich für das „Konvolut“ gezahlt. „Damals habe ich viel Mist gebaut“, gestand bei dem Prozess in Augsburg der Angeklagte, der Probleme mit Kokain gehabt haben will. Er sei aber für alles geradegestanden. Insgesamt 19 Eintragungen hat der 39-Jährige im Bundeszentralregister. Etwas weniger, nämlich acht, sind es bei dem Mann, der laut Anklage in den jüngsten Vorfall hineingezogen worden sein soll. Der 36-Jährige musste sich zuletzt wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten: Er soll seine Lebensgefährtin an den Haaren gepackt und durch die Wohnung gezogen, sie bedroht und ihr Nase und Mund zugehalten haben. Er soll es gewesen sein, der im Februar 2018 in einem Dorf den Schmuck der 85-Jährigen einsteckte. Die Seniorin erklärte, sie habe ihn zunächst gar nicht bemerkt.

Eine 85-Jährige in ihrer Wohnung abgelenkt

Beide Männer waren zuvor in einer anderen Wohnung im Haus. Auch dort griffen sie zu – nach ihrem Besuch fehlte Schmuck im Wert von 100 Euro. Dann suchten sie die 85-Jährige auf. Während einer der beiden sie in der Küche ablenkte, soll der andere dazugestoßen sein und dann nach Schmuck gesucht haben. Im Wohnzimmer wurde er offenbar fündig: In der Schublade eines Schranks waren die Schmuckstücke in Schächtelchen verwahrt. Rund 500 Euro Bargeld, das sich ebenfalls in der Schublade befunden haben soll, ließ der Mann aber unangetastet.

Das hielt Rechtsanwältin Juliane Kirchner, die den 39-Jährigen verteidigte, für einen Widerspruch: Warum soll ausgerechnet nur der Schmuck und nicht das Geld mitgenommen worden sein? Und: Könnte die Wertsachen nicht auch jemand anders mitgenommen haben? Das fragte auch Anwalt Andreas von Zwehl, der den 36-jährigen Angeklagten vertrat. Die 85-Jährige konnte nicht mehr sagen, wann sie vor dem Vorfall den Schmuck gesehen hatte. Beide Verteidiger beantragten einen Freispruch für ihre Mandanten.

Für Staatsanwalt Nicolas Pfeil waren die Vorwürfe ein Spiegelbild zum bisherigen Lebenslauf der Männer. Von der Theorie eines unbekannten Dritten hielt er nichts. Er zweifelte auch nicht an der Glaubwürdigkeit der 85-Jährigen, die in der Verhandlung offen zugegeben hatte: Ein Jahr danach hat sie die Männer nicht wiedererkannt. Und: Sie möchte niemanden verdächtigen, den sie nicht kennt.

Richterin hat keinen Zweifel

Richterin Ute Bernhard hatte keinen Zweifel daran, dass der Trickdiebstahl wie angeklagt abgelaufen war. Angesichts der Vorstrafen komme einem das „Grausen“, dass diese Masche immer wieder durchgeführt werde. Es sei grob verwerflich, dass alte Menschen ausgenutzt würden und dann geglaubt werde, dass sie so senil seien, dass sie entweder keine Anzeige mehr stellen oder sich nicht mehr erinnern könnten.

Der 39-Jährige wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Der jüngere Angeklagte muss für ein Jahr und zehn Monate ins Gefängnis – bei ihm wurde eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten nach der Attacke auf seine Lebensgefährtin miteinbezogen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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