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Mertingen

09.07.2020

Trotz Corona: Produktion ist bei Fendt-Caravan wieder voll am Laufen

Im Diamant lässt es sich auch in Krisenzeiten aushalten – Social Distancing sollte so, mit den eigenen vier Wänden im Schlepptau, im Urlaub kein Problem sein. Deswegen sind (von links) die Geschäftsführer Hans Frindte und Andreas Dirr sowie Marketingleiter Thomas Kamm durchaus guter Dinge.
Bild: Hilgendorf

Plus Der Wohnwagenbauer Fendt Caravan aus Mertingen sieht sich gerüstet in der Krise. Warum Caravans während der Pandemie boomen könnten und wie sich Fendt wappnet.

Lastwagen um Lastwagen fährt ein und aus. „Die hier gehen nach Holland“, sagt Andreas Dirr und weist auf einen roten Sattelschlepper, der mit vier schnittigen, hellweißen Wohnwagen beladen gerade die Werksschranke passiert. Dirr ist Mitglied der Geschäftsführung des Mertinger Caravanherstellers Fendt, der heuer eigentlich seinen 50. Geburtstag ausgiebig feiern wollte. Doch dann kam Corona und legte zunächst alles lahm. Fünfeinhalb Wochen Stillstand. Doch die Mertinger berappelten sich schnell – mit kühlem Kopf und den ersten realistischen Perspektiven im Zuge des sogenannten „Restart“ blickt Fendt Caravan durchaus optimistisch in die Zukunft. Auch weil sich die Art des Urlaubmachens ändern könnte.

Kenner haben es gleich gesehen: Der neue „Diamant“ bietet nun drei Zentimeter mehr Stehhöhe; neue Klimaanlagen sind installiert, neue Stauräume für Fahrräder gibt es wiederum in einigen anderen der 30 Modelle, die bei Fendt Caravan teils in filigraner Handarbeit produziert werden. Fendt gilt als Mercedes unter den Wohnwagen, als schier unverwüstlich, Qualität pur – im Ausland, allem voran in Frankreich, schätzt man die deutsche Wertarbeit „Made in Mertingen“ seit Jahren.

Bis März lief es prächtig - dann kam Corona

Bis März lief es denn auch prächtig, wie überhaupt in der deutschen und erst recht nordschwäbischen Wirtschaft. Corona kam aus heiterem Himmel, die Wirtschaft „sei vollkommen überraschend“ ins Mark getroffen worden, erklärt Hans Frindte, ebenfalls Mitglied der Geschäftsführung: „Wir waren das erste Mal in solch einer Situation.“ Weil die Anhänger wegen all der Beschränkungen und Unsicherheiten ab Mitte März nicht mehr vom Platz geholt wurden, entschloss sich die Konzernleitung, das Werk für gut fünfeinhalb Wochen zu schließen, Kurzarbeit für alle. Die bange Frage: Was wird passieren?

Neue Stauräume, neue Ausstattung. Es wird immer getüftelt in Mertingen.
Bild: Hilgendorf

Ab Mai, mit der Ankündigung der Öffnung der Campingplätze, atmeten sie auf im Mertinger Gewerbegebiet an der B2. Auch die Herabsetzung der Mehrwertsteuer ließ die Geschäftsführung wieder hoffen. Nicht ohne Grund: Die Produktion sei jetzt voll am Laufen, keiner der 758 Angestellten (davon 108 Leiharbeiter) sei mehr in Kurzarbeit oder gar gekündigt worden, berichtet Dirr. Es gebe auch keine Pläne, die in diese Richtung zielten.

Verunsicherung wird geringer, der Optimismus wächst

Die allgemeine Verunsicherung der Mitarbeiter sei inzwischen auch kleiner geworden, der Optimismus hingegen gewachsen. Campingplätze boomen dieser Tage, mancherorts seien sie voll ausgebucht, berichtet Marketingleiter Thomas Kamm. Und: Caravaning sei nahezu perfekt für einen sogenannten „Social Distancing“-Urlaub. Die eigenen vier Wände inklusive WC hat man schließlich dabei. Auch deshalb sei die Nachfrage nach der Pause wieder ungebrochen, gleich, ob es die kleineren Modelle oder die Luxuswagen betreffe.

Hellweiß, schnittig, schick: neue Caravans von Fendt.
Bild: Hilgendorf

Die Preisspanne bei Fendt Caravan liegt zwischen knapp 19000 bis 39000 Euro, je nach Modell und Ausstattung. Keineswegs sei es in der Krise nun so, dass nur die kleineren Caravans gefragt wären. Indessen geht Corona auch an den optimistischen Nordschwaben nicht spurlos vorüber. Der Umsatz ging wegen der fast sechswöchigen Schließung von 183 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 162 Millionen zurück, ebenso der Absatz – von 9428 auf 8280. Der (branchenweite) Rückgang erfolgte allein aufgrund des erzwungenen Lockdowns, betonen die Geschäftsführer. Doch jetzt laufe es ja wieder.

Fendt muss die Zahl der Modelle aber „straffen“

Man müsse das Programm, sprich: Die Zahl der Modelle, „straffen“, sagt derweil Hans Frindte. Weil man dann flexibler produzieren könne, je nach Nachfrage der Händler. Und man müsse sich in der Krise verstärkt die Frage stellen: Was wird in welchem Land laufen? 30 Modelle sind es aktuell – von außen betrachtet nach wie vor nicht wenige, die man vor allem innerhalb Europas, aber auch bis nach Korea und Japan liefert.

Sorgen machten indes die Länder, die Corona heftig getroffen hat, etwa Italien und Spanien. Andere Märkte dürften dagegen anziehen, zuvorderst Deutschland und die Niederlande. Im Nachbarland sind die Mertinger Marktführer, hierzulande belegen sie einen respektablen zweiten Platz.

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