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Landkreis Donau-Ries

23.03.2020

Trotz Corona: Wie Strom, Gas, Wasser und Co. am Laufen gehalten werden

2014 war das Ganze noch eine Übung im Landratsamt in Donauwörth – inzwischen ist der Katastrophenfall eingetreten und die Führungsgruppe Katastrophenschutz arbeitet an verschiedenen Szenarien.
Bild: Wolfgang Widemann

Plus Die Bereiche Strom, Gas, Wasser sowie der gesamte Katastrophenschutz stehen als „kritische Infrastruktur“ derzeit besonders im Fokus. Was hier geleistet wird.

Die Region ist, wie überhaupt das ganze Land – im Notfallmodus. Die Krise um das grassierende Coronavirus erfordert nicht nur ein Umdenken und eine Anpassung innerhalb der Betriebe, sondern auch und gerade im Hinblick auf die sogenannte „kritische Infrastruktur“: Strom- und Gasversorgung, Trinkwasserbereitstellung, Katastrophenschutz – all dies sind hochsensible Bereiche, in denen dieser Tage besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten.

Tägliche Beratung in der Führungsgruppe Katastrophenschutz

Die Ausrufung des Katastrophenfalls hat auch im Landratsamt in Donauwörth unmittelbare Auswirkungen: Die Führungsgruppe Katastrophenschutz wurde, wie die Behörde mitteilt, einberufen. Das heißt, es werden Mitarbeiter für die Arbeit in der Führungsgruppe Katastrophenschutz aus allen Bereichen des Landratsamtes abgezogen. Auch die in den Katastrophenschutz eingebundenen Hilfsorganisationen, wie THW, BRK und Johanniter, seien Teil der Planungen bei einer Verschärfung der Lage, so Gabriele Hoidn, Sprecherin des Landratsamtes. In der Führungsgruppe sei indes die Arbeit angelaufen: „Wir stehen in enger Verbindung und beraten uns täglich via Skype.“

Bei der Vorbereitung der Katastrophenabwehr erstreckten sich die Aufgaben der sogenannten Blaulicht-Organisationen derzeit unter anderem darauf, die Katastrophenschutzbehörden bei der Erstellung und Fortschreibung von allgemeinen Katastrophenschutzplänen und von Alarm- und Einsatzplänen zu unterstützen – und auf Anforderung geeignete Personen für die Mitwirkung in der Katastropheneinsatzleitung zu benennen.

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Wie kann das Personal in Krankenhäusern und Gesundheitsamt geschützt werden?

Eine wichtige Frage hinsichtlich der kritischen Infrastruktur in besonders sensiblen Einrichtungen wie den Kreiskrankenhäusern oder auch dem Gesundheitsamt ist die, wie das Personal geschützt werden kann – und auf welche Reserven man im Notfall des Notfalles zurückgreifen könnte. Das Gesundheitsamt werde durch Mitarbeiter aus anderen Bereichen des Landratsamtes personell unterstützt, teilt die Behörde weiter mit; weiteres medizinisches Personal sei unlängst bei der Regierung von Schwaben angefordert worden. Um die personellen Ressourcen im Landratsamt zu sichern, werde zum Beispiel „vermehrt Heimarbeit angeboten“. Unter besonderer Beachtung stehen unterdessen die Kreiskliniken. Auch hier schichtet man um: „In unseren Krankenhäusern werden die personellen Ressourcen unter anderem dadurch gesichert, dass alle nicht notwendigen Operationen in den Kliniken verschoben werden.“

Neue Aufgaben für die Kommunen im Kreis Donau-Ries

Auch auf die Kommunen kommen nun weitere Aufgaben zu. Beispiel Donauwörth: Im Rathaus finden täglich Lagebesprechungen statt. Darin würden, wie die Pressestelle der Stadt berichtet, die Bereiche, deren Betrieb in jedem Fall aufrecht zu erhalten ist, definiert und die Aufrechterhaltung von den jeweiligen Amtsleitern beziehungsweise der Werkleitung der Stadtwerke organisiert, „insbesondere personell“. So ist beispielsweise in Betrieben für kritische Infrastruktur (Wasserwerk, Kläranlage) ein Schichtbetrieb organisiert. Gleiches gelte für das Pflegepersonal im Bürgerspital. Zur Sicherstellung der kritischen Wasserversorgungs-/ Abwasserreinigungsinfrastruktur wurden von der Leitung der Stadtwerke je Sparte (Wasser und Kanal) zwei sich im wöchentlichem Rhythmus abwechselnde und funktionstüchtige Teams gebildet. Der außerhalb der regulären Arbeitszeit zuständige Bereitschaftsdienst werde möglichst nicht teamübergreifend eingesetzt, um nicht die Infektionsgefahr von Team zu Team zu verbreiten. Die Rufbereitschaft der Wasserwerke (0906/789-520) und der Kanalwerke (0906/789-530) werde aufrechterhalten.

Um die Teambildung personell zu ermöglichen, sei allerdings „das Tätigkeitsspektrum des laufenden Betriebes auf das unbedingt Notwendigste abgesenkt worden“. Dies bedeutet auch, dass derzeit „ausschließlich unmittelbar dringende Anliegen zunächst telefonisch angemeldet werden müssen“.

Krisenplan von Erdgas Schwaben greift nun

Bei Erdgas Schwaben hat man seit Längerem einen Krisenplan, der jetzt greife, wie Sprecher Christian Blümm berichtet. Schwaben Netz, die Netztochter von Erdgas Schwaben, verfüge als Betreiber kritischer Infrastrukturen „seit jeher“ über ein ganzheitliches Sicherheitskonzept.

Dieses werde laufend aktualisiert und greife stufenweise: „Dazu gehört auch der jetzt greifende Krisenplan mit dem seit 2009 gültigen Pandemieplan.“ „Im Februar haben wir den Koordinationsstab für Corona einberufen“, erklärt indes Thomas Keil, Geschäftsführer von Schwaben Netz, „sodass wir frühzeitig Szenarien durchspielen konnten“. Im Betrieb des 6500 Kilometer langen Erdgasnetzes in der Region gebe es bis dato „keine Beeinträchtigungen“. Der Betrieb der Leitwarte erfolge weiterhin 24 Stunden an sieben Tagen der Woche. Die Überwachung des Netzes sei „sichergestellt“, ebenso die Besetzung der Entstörungshotline (Telefon: 0800/ 1 82 83 84) rund um die Uhr. Alle relevanten Positionen seien „per se gesichert besetzt“. Über eine übergeordnete Steuerung der Mitarbeiter werde ein direkter Kontakt untereinander weitestgehend vermieden. Gegebenenfalls könne es jedoch „zu baubedingten Verzögerungen im Netzausbau kommen“.

Möglichst lange durchhalten

Arbeiten in Schichten, Teams, die sich nicht begegnen sollen, Notfall-Reserven. Sowohl zahlreiche private Firmen arbeiten derzeit bis auf Weiteres so wie auch die öffentliche Hand und Betriebe der sogenannten kritischen Infrastruktur. Ein zwei- bis dreigleisiger Weg also, um möglichst lange durchzuhalten.

Auch bei den Lechwerken (LEW) als wichtigem Versorger in der Region setzt man auf Krisenkoordination: Für geschäftskritische Bereiche – und damit auch für den Netzbetrieb – seien entsprechende Notfallpläne erarbeitet, die eine Aufrechterhaltung des Betriebs sicherstellten, betont LEW-Sprecher Ingo Butters: „Wir haben eine zentrale Krisenorganisation eingerichtet, die sich ausschließlich um die Koordination aller mit der Pandemie in Zusammenhang stehenden Themen befasst.“

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