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Lesung

11.10.2019

Über das Phänomen Zeit

Ralf Lehmann erzählte von Zeiterfahrungen und brachte das Phänomen den Zuhörern nahe.
Bild: Annette Steinacker-Holst

Erinnerungen an den Künstler Manfred Laber

Überlebensgroß blickt Manfred Laber von der Projektionswand im Kinosaal auf die Besucher im Wemdinger Kunstmuseum, vor sich ein Modell seiner Wemdinger Zeitpyramide. Dieses Foto des 2018 verstorbenen Künstlers ließ ihn selbst gegenwärtig erscheinen. Heidi Dietrich von der Stiftung Wemdinger Zeitpyramide erinnerte an den Wemdinger Künstler, der geprägt war vom Thema Zeit und dessen künstlerisches Werk sich vielfach mit diesem Thema auseinandersetzt. So war es nur folgerichtig, den Gedenkabend zum ersten Todestag, mit einer Lesung zum Phänomen Zeit zu begehen.

Ralf Lehmann aus Nördlingen bewies eine glückliche Hand bei der Auswahl der Texte. In 45 Minuten „warf“ er den Zuhörern Annäherungen an das Phänomen Zeit zu. Unterschiedliche Zeiterfahrungen kamen darin zum Ausdruck; von Weltzeit war die Rede, von der Verknappung der Zeit, der Dyschronie der Zeit und von der Atomisierung des Lebens und der Zeit. Aber auch davon, „dass alles seine Zeit“ hat, dass der Einzelne ein Wanderer ist und nicht im Raum, sondern in der Zeit zu Hause.

Manch einem Zuhörer mag es ergangen sein wie dem Kirchenvater Augustinus, der schon vor 1500 Jahren schrieb: „Was also ist die Zeit? Wenn niemand mich danach fragt, weiß ich es, will ich es aber einem Fragenden erklären, weiß ich es nicht. Doch sage ich getrost: Das weiß ich, wenn nichts verginge, gäbe es keine vergangene Zeit, und wenn nichts käme, keine zukünftige …“

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Dass dieses Rätsel „Zeit“, dieses Rätsel der Gegenwart, umschlossen von zwei Seiten – Vergangenheit und Zukunft – die Zuhörer nicht überforderte und ratlos zurückließ, war sicher der engagierten Vortragsweise und den gekonnt überleitenden Kommentaren von Ralf Lehmann zu verdanken. Die Harfenmusik von Luise Brandl, zarte irische Melodien mit positiv entspannender Wirkung, gaben Gelegenheit, das Gehörte zu ordnen und zu sammeln.

Es war ein gelungener Abend, einer „aus der Zeit genommen“. Herausgenommen aus dem Alltag, der Gelegenheit gab, über große Themen nachzudenken. Sollte Manfred Laber – nicht nur von der Leinwand herunter – irgendwie präsent gewesen sein, war er sicher mit dem Verlauf zufrieden.

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