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Statistik

16.09.2019

Überdurchschnittlich viele Kinder in der Region

Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Paare im Landkreis Donau-Ries überdurchschnittlich viele Kinder haben. (Symbolbild)
Bild: Christian Charisius/dpa

Plus Im Landkreis gibt es deutlich mehr kinderreiche Familien als im Durchschnitt. Welche Bedeutung sie für die Gesellschaft haben

21,5 Prozent der Familien im Landkreis Donau-Ries gelten als kinderreich. Damit liegt der Kreis deutlich über dem Schnitt von 17 Prozent im Freistaat, 16 Prozent bundesweit und auch deutlich vor dem Nachbarn Dillingen (20 Prozent). Mit 21,8 Prozent ist der benachbarte Ostalbkreis in Württemberg nur unwesentlich kinderreicher als das Ries. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung über kinderreiche Familien in Deutschland.

Kinderreich sind Eltern mit drei oder mehr Kindern

Als kinderreich gelten in der Studie entweder Paare, die drei oder mehr gemeinsame Kinder haben, oder Personen mit drei oder mehr leiblichen Kindern. Eine solche Familie stelle nach wie vor eine Ausnahme dar. Sie habe auch heute (noch) einen vergleichsweise schlechten Ruf und ihre Verbreitung sei langfristig zurückgegangen, heißt es in der Studie. Dabei sei der drastische Rückgang der Geburtenrate sehr viel stärker auf den sinkenden Kinderreichtum (68 Prozent) als auf den Anstieg der Kinderlosigkeit (26 Prozent) zurückzuführen.

Wo die Kinderreichen in Deutschland leben

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"Leitbild" Zwei-Kind-Familie?

Der Kinderreichtum gehe aus verschiedenen Gründen zurück. Ein wesentlicher Motor sei, heißt es in der Studie, sicherlich die Leitidee, knappe Ressourcen an Zeit, Geld und Empathie lieber intensiver auf weniger Kinder zu verteilen und zudem mehr Zeit für sich selbst in einer individualisierten Gesellschaft zu haben. Etabliert habe sich das Leitbild der Zweikindfamilie, die sich in Kinderbüchern und in der Werbung wiederfinde und sich so verstärke. Mehr als zwei Kinder zu haben, werde mancherorts als Abweichen von dieser Norm wahrgenommen und münde nicht selten in einer Art von Stigmatisierung kinderreicher Familien.

Dies könne eine liberale Gesellschaft, die den Anspruch habe, dass jeder in ihr nach seiner Fasson glücklich werden solle, auf Dauer nicht akzeptieren. Vor allem deswegen, weil die Gründe für eine latente Stigmatisierung des Kinderreichtums kaum noch zuträfen und weil kinderreiche Familien einen wichtigen Beitrag für den Fortbestand der Gesellschaft leisteten. Überdies wünschten sich junge Erwachsene deutlich häufiger drei oder mehr Kinder, ohne jedoch einen solchen Kinderreichtum später auch zu verwirklichen.

Klischees stimmen oft nicht

Staatssekretär Markus Kerber vom Bundesinnenministerium schreibt in seinem Vorwort: „Die vorliegende Studie zeigt, dass die vorherrschenden Bilder in den Köpfen – kinderreiche bildungsferne Familien einerseits und wohlhabende Eltern, die sich viele Kinder „leisten“ können, andererseits – zu kurz greifen. Neue Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass, entgegen dem Klischee, ein sehr großer Teil der kinderreichen Familien aus der Mitte der Gesellschaft kommt. Beispielsweise verfügen 73 Prozent aller kinderreichen Mütter in Deutschland über einen mittleren bis hohen Bildungsabschluss.“

Schlussfolgerung der Studie: Hindernisse für dritte Geburten sollte die Politik angehen, wenn die Geburtenrate wieder ansteigen solle. Denn auch für die Volkswirtschaft, bei der Finanzierung des Rentensystems und bei der Erziehung und Sozialisation von Kindern leisteten kinderreiche Familien Enormes.

Kinderreiche Familien sollten stärker gefördert werden

Besser Unterstützung für Kinderreiche

Politische Maßnahmen, die sich auf kinderreiche Familien richten, berücksichtigten jedoch nicht die enorme Vielfalt der Lebenslagen und Lebensumstände von Kinderreichen. Diese Vielfalt sei künftig stärker zu beachten und gezielt zu unterstützen. Dabei gehe es nicht nur um mehr Geld. Der im europäischen Vergleich eher geringe Anteil kinderreicher Familien sei vor allem eine Frage der Kultur und der Infrastruktur, nicht der Ökonomie. Für die jungen Erwachsenen, die sich heute drei oder vier Kinder wünschten, sei die berufliche Teilhabe von großer Bedeutung, insbesondere für die gut ausgebildeten Frauen.

Dabei gebe es deutliche regionale Unterschiede beim Anteil kinderreicher Familien, wird in der Studie weiter festgestellt. Den mit Abstand höchsten Anteil weise Baden-Württemberg mit etwa 21 Prozent kinderreicher Frauen auf. Mehr als jede fünfte Frau im Alter zwischen Mitte 40 und Mitte 50 habe hier drei oder mehr Kinder und der Kinderreichtum sei ein Stück weit Normalität. Vor allem aus zwei Gründen: Einerseits seien die Fruchtbarkeitsraten in den ländlicheren Regionen im Osten des Landes besonders hoch, andererseits gebe es dort viele Frauen mit Migrationshintergrund.

Höherer Anteil an Katholiken ein Grund?

Daneben wiesen Bayern und Rheinland-Pfalz unter den Flächenländern verhältnismäßig hohe Anteile kinderreicher Frauen auf, was neben der ländlicheren Siedlungsstruktur am hohen Anteil katholischer Bevölkerung liege mit ihrem Ideal einer höheren Kinderzahl. Hinzu kämen weitere Faktoren wie gute Arbeitsplätze, geringe Arbeitslosigkeit und familiengerechte Wohnungen. \u0009"Kommentar

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